Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

Außenhandel Lesezeit 2 Min.

So teuer werden die Zölle der USA für Deutschland

Die Einigung der EU mit den USA im Zollkonflikt wird spürbar negative Folgen für die deutschen Unternehmen haben. Und auch nach dem Deal von Ende Juli bleibt vieles ungewiss; höhere Zölle und damit größere Schäden für Deutschland sind weiterhin nicht auszuschließen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland wird die Auswirkungen des Abkommens zwischen der EU und den USA zu spüren bekommen.
  • Von 2025 bis 2028 wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) laut IW-Simulation jahresdurchschnittlich um 0,4 Prozent niedriger liegen als ohne die neuen US-Zölle.
  • Sollte der Streit erneut aufflammen und weiter eskalieren, droht sogar ein BIP-Minus von bis zu 1,1 Prozent im Jahresdurchschnitt.
Zur detaillierten Fassung

Das mediale Echo war eindeutig: Die EU ist im Handelskonflikt mit den USA eingeknickt und hat einem schlechten Deal für Europa zugestimmt. Die getroffene Vereinbarung beinhaltet einen Zollsatz von 15 Prozent auf US-Importe aus der EU (mit einigen wenigen Ausnahmen), die EU-Zölle auf Importe aus den USA entfallen dagegen. Außerdem sagte die EU zu, bis zum Ende von Trumps Amtszeit Energieprodukte im Wert von 750 Milliarden Dollar aus den USA zu importieren und Investitionen im Wert von 600 Milliarden Dollar in den Vereinigten Staaten zu tätigen.

Das Zoll-Abkommen der EU mit den Vereinigten Staaten wird Deutschland von 2025 bis 2028 jahresdurchschnittlich 0,4 Prozent seiner Wirtschaftsleistung kosten.

Zwar ist eine derart einseitige Abmachung immer noch besser als keine, die 30 Prozent Zölle auf alle EU-Ausfuhren in die USA bedeutet hätte. Zudem sinken durch die Vereinbarung die Zollsätze für die europäische Automobilindustrie von 25 auf 15 Prozent. Dennoch wird Deutschland die Auswirkungen dieses Abkommens zu spüren bekommen (Grafik):

Von 2025 bis 2028 wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland laut IW-Simulation jahresdurchschnittlich um 0,4 Prozent niedriger liegen als ohne die neuen US-Zölle.

Jahresdurchschnittliche Abweichung des preisbereinigten Bruttoinlandprodukts vom Niveau des Basisszenarios in den Jahren 2025 bis 2028 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Sollte der Streit erneut aufflammen und weiter eskalieren, droht sogar ein BIP-Minus von bis zu 1,1 Prozent im Jahresdurchschnitt. Völlig abwegig ist das nicht, denn weil auch nach dem abgeschlossenen Deal vieles ungewiss ist, steht die Einigung auf wackligen Füßen. So zeigen zahlreiche Analysen, wie unrealistisch es ist, dass die EU Energie im Wert von 750 Milliarden Dollar aus den USA importiert: aus technischen Gründen, aufgrund der damit verbundenen Kosten und auch angesichts des Widerspruchs zu den EU-Zielen, die auf Dekarbonisierung und Sicherheit in der Energieversorgung setzen.

Die Zusage der EU, innerhalb der kommenden dreieinhalb Jahre 600 Milliarden Dollar in den USA zu investieren, ist ebenfalls mit einem großen Fragezeichen zu versehen, zumal auf beiden Seiten des Atlantiks unterschiedliche Ansichten bestehen, wie sie zu interpretieren ist. Unternehmen treffen ihre langfristigen Investitionsentscheidungen nach Standortfaktoren und der jeweiligen Wirtschaftspolitik des Landes, in dem investiert werden soll. Der aktuelle Kurs der handelspolitischen Konfrontation seitens der USA schreckt da eher ab (siehe "Der negative Trump-Effekt auf deutsche Investitionen").

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene