So kann KI die deutsche Industrie boostern
Die Unternehmen in Deutschland setzen KI immer breiter ein und entwickeln die Tools – auch mit der Unterstützung von KI-Start-ups – für ihre spezifischen Bedürfnisse weiter. Vor allem der Industrie mit ihrer hohen technischen Spezialisierung eröffnen sich dadurch neue Wettbewerbschancen. Allerdings müssen dafür auch die Rahmenbedingungen stimmen.
- Der Anteil der Firmen in Deutschland, die KI-Anwendungen nutzen, hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht und liegt inzwischen bei knapp der Hälfte.
- Der Einsatz von KI stellt insbesondere für die heimische Industrie eine große Wettbewerbschance dar. Studien sprechen von einem Produktivitätszuwachs von annähernd 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
- Damit die positiven Effekte der KI-Technologie voll zum Tragen kommen können, müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Für viele Firmen ist dabei die Vermittlung von KI-Kompetenzen ein zentrales Thema
Rund 440 Milliarden Euro – so viel zusätzliche Bruttowertschöpfung könnte der Einsatz von KI in Deutschland bis zum Jahr 2034 bringen, hat die IW Consult bereits vor einiger Zeit geschätzt. Ein solcher Schub wäre für die von vielfältigen Problemen – von geopolitischen Krisen bis hin zum demografisch geprägten Fachkräftemangel – geplagte deutsche Wirtschaft ein echter Segen.
Der Trend, dass die Unternehmen KI zunehmend für die Gesamtheit des betrieblichen Prozesses nutzen und gezielt weiterentwickeln, stellt insbesondere für die Industrie eine große Wettbewerbschance dar.
Die Unternehmen hierzulande sind denn auch offenbar entschlossen, diese Chance beim Schopf zu packen – der Anteil der Firmen, die KI-Anwendungen nutzen, hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht und liegt inzwischen bei knapp der Hälfte. Und die KI-Nutzung dürfte sich weiter intensivieren:
Rund 38 Prozent der Unternehmen, die bereits KI einsetzen, wollen ihre Investitionen in die Technologie in den kommenden drei Jahren leicht steigern, weitere 26 Prozent werden voraussichtlich sogar deutlich mehr Geld dafür ausgeben.
Für die wachsende Bedeutung von KI spricht auch, dass diese inzwischen bei 45 Prozent der Start-ups in Deutschland den Schwerpunkt des Geschäftsmodells bildet. Mehr als 80 Prozent der KI-Start-ups bauen dabei auf den gängigen Basismodellen der großen Tech-Konzerne auf – das bekannteste dürfte nach wie vor ChatGPT sein – und 68 Prozent passen die KI-Tools systematisch auf die Bedürfnisse ihrer mehrheitlich aus der Industrie stammenden Kunden an.
Mehr als die Hälfte aller Firmen in Deutschland entwickelt aber auch selbst zumindest einige KI-Werkzeuge gezielt für ihre spezifischen Belange weiter. Und sie setzen diese KI-Kapazitäten in einer wachsenden Zahl von Unternehmensbereichen ein, wie ein Blick auf die Anwendungszwecke zeigt (Grafik):
In 90 Prozent der KI nutzenden Unternehmen kommt sie bei der Text- und Sprachverarbeitung zum Einsatz. Etwa 50 Prozent der Firmen automatisieren damit aber auch ihre Prozesse oder führen Qualitätsprüfungen durch.
Fast vier von zehn Unternehmen nutzen die Technologie zudem im Rahmen des Kundenservice und annähernd drei von zehn lassen sich damit bei der Analyse – zum Beispiel ihrer Materialströme – unterstützen. Die Zeiten, in denen KI nur eine Angelegenheit der IT-Abteilungen war, sind also längst vorbei.
Aus hochautomatisierten Fertigungslinien und Maschinenparks lassen sich operative Daten gewinnen
Der Trend, dass die Unternehmen KI zunehmend für die Gesamtheit des betrieblichen Prozesses nutzen und gezielt weiterentwickeln, stellt insbesondere für die Industrie eine große Wettbewerbschance dar. Die hohe Spezialisierung der Unternehmen etwa im Maschinenbau, dem Automotive-Sektor, der Elektrotechnik oder der Chemie, das Know-how in Sachen Engineering und die Basis an operativen Daten, die sich aus hochautomatisierten Fertigungslinien und Maschinenparks gewinnen lassen – all dies bildet die Voraussetzung, um mit spezifischer Industrie-KI zusätzliche Produktivitätspotenziale zu erschließen. Studien sprechen hier für die deutsche Industrie von einem Produktivitätszuwachs um annähernd 100 Milliarden Euro bis zum Jahr 2030.
Über die Branchengrenzen hinweg wirkt KI außerdem als Treiber für neue Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle:
Während nur 30 Prozent der Unternehmen, die bislang keine KI nutzen, in den vergangenen drei Jahren eine Produkt- oder Prozessinnovation hervorgebracht haben, beträgt der Anteil bei den KI-Anwendern insgesamt 70 Prozent.
Von jenen Unternehmen, die KI-Modelle zumindest teilweise für ihre Belange weiterentwickeln, zählen sogar 82 Prozent zu den Innovatoren.
Damit die positiven Effekte der KI-Technologie heute und künftig voll zum Tragen kommen können, müssen aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Für viele Firmen ist dabei die Vermittlung von KI-Kompetenzen ein zentrales Thema (Grafik):
Für rund sechs von zehn KI nutzenden Unternehmen sind passende Informationsangebote wichtig, damit sie KI noch stärker und besser einsetzen können. Entsprechende Weiterbildungsoptionen wünschen sich knapp vier von zehn Firmen.
Fast genauso stark im Fokus steht für die Unternehmen die digitale Infrastruktur – 56 Prozent aller Betriebe, die KI nutzen, und 60 Prozent der KI-Start-ups halten ausreichende Rechen- und Speicherkapazitäten für zentral, um ihre KI-Strategie erfolgreich verfolgen zu können.
Hinzu kommt die Forderung nach einem planbaren und innovationsfreundlichen Regulierungsrahmen – nur dann können Unternehmen künftige KI-Investitionen verlässlich planen.
KI-Start-ups benötigen qualitativ hochwertige Daten
Darüber hinaus benötigen vor allem KI-Start-ups den Zugang zu qualitativ hochwertigen Daten. Denn diese sind eine unabdingbare Voraussetzung, damit die jungen Tech-Firmen für ihre (Industrie-)Kunden leistungsfähige und auf konkrete Produktionsprozesse zugeschnittene KI-Anwendungen entwickeln können.