Gender Gap 07.12.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Skandinaviern gelingt die Gleichstellung am besten

Selbst die seit elf Jahren amtierende Kanzlerin Angela Merkel konnte die Chancengleichheit hierzulande nicht nachhaltig befördern: Im aktuellen Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums rutschte Deutschland innerhalb von zehn Jahren vom respektablen Platz 5 auf Platz 13 ab.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Global Gender Gap Report des Weltwirtschaftsforums untersucht den weltweiten Fortschritt der Geschlechtergleichstellung in Bereichen wie Bildung, ökonomischen Chancen und politischer Teilhabe.
  • Am stärksten ausgeprägt ist die Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern in Skandinavien.
  • Deutschland ist im Vergleich zu 2006 von Platz 5 auf Platz 13 abgerutscht – ein Grund dafür ist, dass Frauen hierzulande nach wie vor vergleichsweise wenige Führungspositionen besetzen.
Zur detaillierten Fassung

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) tagt nicht nur einmal im Jahr unter großer medialer Anteilnahme in Davos, sondern legt auch seit nunmehr zehn Jahren den Global Gender Gap Report vor. Der Bericht vergleicht die Chancengleichheit von Männern und Frauen in vier Bereichen: der wirtschaftlichen Beteiligung, dem Bildungsniveau, der Gesundheit und Lebenserwartung sowie der politischen Teilnahme.

Schon seit Jahren schneiden die skandinavischen Länder am besten ab (Grafik):

Die Gleichstellung ist 2016 laut Weltwirtschaftsforum in Island, Finnland, Norwegen und Schweden am weitesten fortgeschritten.

Exakt dieselben Länder haben auch im ersten Gender Gap Report, der 2006 herauskam, die besten Werte erzielt – wenn auch in umgekehrter Reihenfolge.

Wo die Gleichstellung Fortschritte gemacht hat ...

Deutlich mehr Bewegung gibt es jedoch auf den nachfolgenden Plätzen. So konnten sich Frankreich, die Schweiz und Slowenien in puncto Geschlechtergerechtigkeit enorm verbessern. Dass Frankreich innerhalb von zehn Jahren von Platz 70 auf Platz 17 vorrückte, liegt vor allem an der höheren Erwerbstätigenquote von Frauen, an ihrer größeren Präsenz in technischen Berufen und an der Zahl der Ministerinnen – im Élysée-Palast sind aktuell neun von 17 Ministerposten mit Frauen besetzt.

Die Schweiz arbeitete sich im selben Zeitraum von Platz 26 auf Platz 11 vor, auch deshalb, weil es heute deutlich mehr Parlamentarierinnen und Ministerinnen in Bern gibt als 2006. Slowenien schaffte es sogar, sich von Platz 51 auf Platz 8 zu verbessern. Dass der Balkanstaat seit diesem Jahr zu den Top-Ten-Genderländern zählt, liegt an der hohen Frauenerwerbstätigenquote (67 Prozent) sowie den vielen Ministerinnen (44 Prozent) und Parlamentarierinnen (37 Prozent) im Land.

... und wo sich die Chancen von Frauen verschlechtert haben

Eine ganze Reihe von Staaten – vor allem Industriestaaten – hat sich in puncto Chancengleichheit allerdings deutlich verschlechtert:

Deutschland landet nunmehr auf Platz 13, 2006 errang die Bundesrepublik noch Platz 5.

Eine Ursache dafür ist laut WEF die Stagnation bei der Besetzung von Führungspositionen – etwa als Richterinnen, hohe Beamtinnen oder als Managerinnen. So seien nur gut ein Viertel dieser Positionen mit Frauen besetzt.

Deutschlands Rückschritt im internationalen Gleichstellungsvergleich beruht auch darauf, dass Frauen immer noch zu selten Führungspositionen inne haben.

Mit Platz 100 schneidet Deutschland auch bei der Gleichstellung im Bildungsbereich vergleichsweise schlecht ab (Grafik). In diesem Sektor ist die Konkurrenz allerdings auch am härtesten: Denn in vielen Ländern haben Frauen in der Schule und an den Universitäten bereits ähnliche Chancen wie Männer: Mit 95 Prozent ist die globale Geschlechterlücke im Bereich Bildung schon fast geschlossen.

Doch auch andere Industrieländer haben sich seit 2006 verschlechtert: Im Vereinigten Königreich (von Platz 9 auf Platz 20), Spanien (von Platz 11 auf Platz 29), den Niederlanden (von Platz 12 auf Platz 16), Australien (von Platz 15 auf 46), den USA (von Platz 23 auf Platz 45), Österreich (von Platz 27 auf Platz 52) und der Türkei (von Platz 105 auf Platz 130) ist die Lücke größer geworden.

Von allen 144 Staaten, die für den aktuellen Report untersucht worden sind, haben nur 68 Länder ihre Gender-Werte gegenüber dem Vorjahr verbessert. Das Gros der betrachteten Länder bietet Frauen also schlechtere Chancen als 2015. Deshalb gehen die WEF-Forscher nun auch nicht mehr davon aus, dass die Geschlechterlücken weltweit und in allen Bereichen in 120 Jahren geschlossen sind, sondern erst in 170 Jahren – vorausgesetzt, die Entwicklung und die sich abzeichnenden aktuellen Trends halten überall an.

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