Branchenporträt 02.08.2016 Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Schwieriges globales Umfeld für Maschinenbau

Die Herstellung von Maschinen und Produktionsanlagen ist eine Schlüsselbranche der deutschen M+E-Industrie, die ihre hochwertigen Produkte weltweit verkauft. Doch während das Inlandsgeschäft im vergangenen Jahr recht passabel lief, machten den Maschinenbauern im Exportgeschäft die wirtschaftlichen Schwächen wichtiger Zielländer zu schaffen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Maschinenbau ist knapp vor der Automobilindustrie der größte Arbeitgeber der deutschen Metall- und Elektro-Industrie.
  • Im Jahr 2015 verbuchten die Maschinenbau-Unternehmen im Auslandsgeschäft ein Umsatzplus von lediglich 0,8 Prozent.
  • Mit einem Gesamtumsatz von 260 Milliarden Euro liegt der deutsche Maschinenbau 2015 im internationalen Vergleich auf Platz drei hinter der chinesischen und US-amerikanischen Konkurrenz.
Zur detaillierten Fassung

Insgesamt war 2015 für den deutschen Maschinenbau ein akzeptables Jahr (Grafik). Der Gesamtumsatz legte um gut 2 Prozent auf 224 Milliarden Euro zu, wobei die Verkäufe im Inland mit einem Plus von etwas mehr als 4 Prozent die treibende Kraft waren.

Die Zahl der Betriebe ab 50 Mitarbeitern sowie die Gesamtzahl der dort Beschäftigten sind im vergangenen Jahr ebenfalls gestiegen, wenn auch nur geringfügig um 0,4 beziehungsweise 0,8 Prozent.

Mit insgesamt mehr als 940.000 Beschäftigten in 3.700 Betrieben ab 50 Mitarbeitern ist der Maschinenbau knapp vor der Automobilindustrie der größte Arbeitgeber der deutschen Metall- und Elektro-Industrie.

Gemessen an der Zahl der Betriebe liegt der Maschinenbau aufgrund seiner mittelständischen Struktur sogar deutlich vorn. Einschließlich der Kleinbetriebe bietet die Branche mehr als einer Million Menschen gut bezahlte Arbeitsplätze.

Maschinen sind kein Massenprodukt, sondern werden häufig in Kleinserien hergestellt und mit hohem Personalaufwand an die jeweiligen Käuferwünsche angepasst. Diese kundenspezifische Fertigung ist ein Qualitätsmerkmal des Maschinenbaus in Deutschland und erhöht die Kundenbindung. Zudem bieten die Maschinenbaufirmen ihren Kunden die nötigen Schulungen und Serviceleistungen oft aus eigener Hand an. Diese arbeitsintensive Produktion führt aber auch dazu, dass der Maschinenbau beim Umsatz je Mitarbeiter unter dem Durchschnitt der Industrie liegt.

Die kundenspezifische Fertigung ist ein Qualitätsmerkmal des deutschen Maschinenbaus.

Mit ihrem spezialisierten Angebot punkten die Unternehmen des deutschen Maschinenbaus nicht zuletzt im Ausland – mehr als 6 von 10 Euro Umsatz erzielten die Betriebe im vergangenen Jahr jenseits der deutschen Grenzen. Doch die jüngste Entwicklung ist bedenklich:

Im Jahr 2015 verbuchten die Maschinenbauer im Auslandsgeschäft gerade einmal ein Umsatzplus von 0,8 Prozent – und waren damit nicht weit von einer Stagnation entfernt.

Im ersten Quartal 2016 legten die Exporte zwar wieder um gut 5 Prozent zu, und Großbestellungen aus dem Ausland ließen auch die Auftragseingänge im März um 18 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat steigen, nachdem die Unternehmen im Januar noch ein Minus von 14 Prozent hinnehmen mussten.

Weltwirtschaftliche Rahmenbedingungen und Aussichten für 2016

Dennoch bleiben die Aussichten für das weitere Jahr 2016 durchwachsen. Der Hintergrund: Lange Zeit waren die BRIC-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China sowie rohstoffreiche Schwellenländer wie die Golfstaaten verlässliche Kunden, die Jahr für Jahr mehr Maschinen made in Germany kauften.

Doch nun schwächeln diese Länder. In China zum Beispiel machen Überkapazitäten viele Erweiterungsinvestitionen überflüssig, sodass die Firmen im Reich der Mitte auch weniger neue Produktionsanlagen benötigen. Auch der russische Markt ist aufgrund des Ölpreisverfalls, des abgestürzten Rubelkurses und der westlichen Sanktionen massiv eingebrochen. Und Brasilien befindet sich in einer schweren Rezession. Indien dürfte in diesem Jahr zwar ein Wirtschaftswachstum von mindestens 7 Prozent erzielen, kann aber die Einbußen der deutschen Maschinenbauer in den anderen drei BRIC-Staaten nicht ausgleichen, zumal das Land noch kein so bedeutender Industriestandort ist.

Die Aussichten des deutschen Maschinenbaus für 2016 sind durchwachsen, weil die Wirtschaft in wichtigen Abnehmerländern wie China schwächelt.

Auch die solide Entwicklung auf dem US-Markt sowie die beginnende Erholung in Europa können die Turbulenzen in den Schwellenländern nicht vollständig wettmachen. Außerdem führt das Brexit-Votum zu neuen Unsicherheiten. Unterm Strich dürften die deutschen Maschinenbauexporte 2016 keine großen Sprünge machen.

Das ist auch für die globale Maschinenbaukonjunktur keineswegs unerheblich – schließlich zählt Deutschland zu den wichtigsten Playern in diesem Wirtschaftszweig (Grafik):

Nach Angaben des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) erzielten die Unternehmen 2015 einen Gesamtumsatz von 260 Milliarden Euro – rund 10 Prozent des globalen Branchenumsatzes. Damit lag der deutsche Maschinenbau 2015 weltweit auf Platz drei hinter China und den USA.

In Europa sind die deutschen Hersteller klar die Nummer eins mit großem Vorsprung vor Italien, Frankreich und Großbritannien.

Mit den schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen hatten 2015 allerdings alle Maschinenbaunationen zu kämpfen, sodass der Wirtschaftszweig global in realer Rechnung nicht wesentlich über eine Stagnation hinauskam. Auch für 2016 rechnet der VDMA eher wieder mit einer schwarzen Null als mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums.

Die Zukunft des Maschinenbaus wird nicht zuletzt von der Digitalisierung geprägt werden. Diese bringt neue Produkte und Geschäftsmodelle hervor – hier zählt die deutsche M+E-Industrie durchaus zu den Vorreitern, zum Beispiel wenn es um selbstfahrende Autos oder „fühlende“ Industrieroboter geht. Zugleich verändern sich aber die Wertschöpfungsketten grundlegend – etwa wenn die Schnittstellen zwischen zusammenarbeitenden Firmen digitalisiert werden. Die deutschen Unternehmen müssen hier hohe Investitionen tätigen und viele Produktionsprozesse neu denken, um die technologische Führung zu behaupten.

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