Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Außenhandel Lesezeit 2 Min.

Schwere Zeiten für die Exportnation Deutschland

Jahrzehntelang profitierte die Bundesrepublik von offenen Märkten und dem florierenden Welthandel – doch dieses Umfeld verändert sich. Deutschlands exportorientiertes Wirtschaftsmodell gerät unter Druck.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während die globalen Wareneinfuhren in den 1980er bis 2000er Jahren stärker wuchsen als die Wirtschaftsleistung, hat sich dieses Verhältnis inzwischen umgekehrt. Diese Entwicklung ist ein Zeichen einer Deglobalisierung.
  • Das belastet die Exportnation Deutschland, deren wirtschaftlicher Erfolg maßgeblich von offenen Märkten und einer dynamischen globalen Nachfrage abhängt.
  • Hinzu kommt: Seit 2022 sind die Exporte der Bundesrepublik rückläufig, obwohl die globalen Warenimporte leicht wachsen.
Zur detaillierten Fassung

Deutschland und die Globalisierung – das ist schon seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte. Mit im internationalen Vergleich hohen Export- und Importquoten von jeweils rund 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ist die Bundesrepublik stark in den weltweiten Handel eingebunden.

Das heißt aber auch, dass der wirtschaftliche Erfolg des Landes maßgeblich von offenen Märkten und einer dynamischen globalen Nachfrage abhängt. Doch genau dieses Umfeld bröckelt (Grafik):

Während die globalen Wareneinfuhren in den 1980er bis 2000er Jahren stärker wuchsen als die Wirtschaftsleistung, hat sich dieses Verhältnis inzwischen umgekehrt.

Jahresdurchschnittliche reale Veränderung in Prozent Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Diese Entwicklung ist ein Zeichen einer Deglobalisierung – statt mit anderen Ländern zu handeln, setzen Staaten wieder stärker auf eigene Produktion und nationale Interessen.

Der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands hängt maßgeblich von offenen Märkten und einer dynamischen globalen Nachfrage ab – aktuell zeigen sich aber eher Deglobalisierungstendenzen.

Keine guten Voraussetzungen für die Exportnation Deutschland – und es kommt noch schlimmer. Über die vergangenen vier Jahrzehnte bewegten sich die deutschen Exporte meist im Rhythmus der globalen Nachfrage: Wuchsen die internationalen Warenimporte, legten auch die deutschen Ausfuhren zu. Doch dieses Muster scheint gebrochen – seit 2022 sind die Exporte der Bundesrepublik rückläufig, obwohl die globalen Warenimporte leicht wachsen. Das hat mehrere Gründe:

  • Globale Produktionsstruktur. Deutschlands Anteil an der weltweiten Industrieproduktion ist mit 5 Prozent nur noch halb so hoch wie in den 1990er Jahren. Der Anteil Chinas hat sich dafür auf rund 30 Prozent verzehnfacht. Mittlerweile entsteht rund die Hälfte der Industriewaren in Asien.
     
  • Standortkosten. Deutschland hat im internationalen Vergleich sehr hohe Lohnstückkosten. Zwar liegt die Produktivität hierzulande auf einem guten Niveau, das kann die immensen Arbeitskosten allerdings nicht kompensieren. Im IW- Standortindex, der die industrielle Standortqualität von 45 Ländern misst, belegt Deutschland in der Kategorie Kosten – darunter fallen etwa Steuern, Arbeits- und Energiekosten – den vorletzten Platz.
     
  • Geopolitische Blockbildung. Geopolitische Spannungen verändern zunehmend die internationalen Handelsstrukturen, Länder mit ähnlichen politischen Interessen rücken wirtschaftlich enger zusammen. Den abnehmenden Handel Deutschlands mit geopolitisch entfernteren Staaten können engere Beziehungen zu näherstehenden Ländern – insbesondere innerhalb der EU – aktuell nicht ausgleichen.

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