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Schwerbehinderte noch besser integrieren

Durch integrative Maßnahmen fanden in den vergangenen Jahren Menschen mit einer Schwerbehinderung in Deutschland häufiger einen Job. Doch viele Erwerbsfähige dieser Gruppe konnten bislang auf dem Arbeitsmarkt nicht vermittelt werden. Das gilt es zu ändern.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland gibt es etwa 7,6 Millionen schwerbehinderte Menschen, 3,3 Millionen von ihnen sind im erwerbsfähigen Alter.
  • Zwischen 2005 und 2015 wuchs die Zahl der schwerbehinderten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf mehr als eine Million. Die Arbeitslosenquote der Gruppe stagnierte allerdings.
  • Um arbeitslose Schwerbehinderte besser zu integrieren, müssen Bund, Länder, Kommunen und Unternehmen ihre Bemühungen intensivieren.
Zur detaillierten Fassung

Inklusion ist nicht nur im Bildungssektor ein wichtiges Thema, sondern auch in der Arbeitswelt. Bereits 2001 schuf die damalige Bundesregierung dafür die gesetzliche Grundlage: Jedes Unternehmen in Deutschland mit mindestens 20 Mitarbeitern muss 5 Prozent seiner Arbeitsplätze mit schwerbehinderten Menschen besetzen. Doch nicht nur die Politik strebt nach Chancengleichheit, auch immer mehr Betriebe sind an einer gelungenen Integration interessiert. Denn in Zeiten des Fachkräftemangels können Schwerbehinderte dazu beitragen, diesen Effekt abzuschwächen, und für die Unternehmen wichtige Mitarbeiter werden.

Die Gruppe der Menschen mit Schwerbehinderung in Deutschland ist nicht klein, etwa 7,6 Millionen Bürger sind als schwerbehindert eingestuft – das entspricht mehr als 9 Prozent der Bevölkerung. Als schwerbehindert gilt, wer einen Grad der Behinderung von 50 bis 100 hat. Festgelegt wird dieser Grad von den Versorgungsämtern.

Etwa 3,3 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter hatten 2015 einen Schwerbehindertenausweis. Immer häufiger finden sie auch einen Job (Grafik):

Von 2005 bis 2015 wuchs die Zahl der schwerbehinderten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Deutschland um mehr als 250.000 auf gut eine Million.

Das Verarbeitende Gewerbe bietet die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze – rund 257.000 Schwerbehinderte arbeiten hier. Ebenfalls stark vertreten sind der öffentliche Dienst und der Gesundheitssektor mit 212.000beziehungsweise 141.000 Mitarbeitern.

Trotz der positiven Entwicklung stagniert die Zahl der schwerbehinderten Arbeitslosen.

Zwischen 2010 und 2015 lag sie durchgehend zwischen 170.000 und 180.000. Im Jahr 2015 betrug die Arbeitslosenquote in der Gruppe der Schwerbehinderten 14,8 Prozent.

Bund, Länder, Kommunen und Unternehmen müssen gemeinsam noch mehr tun, um Schwerbehinderte in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

In Städten und Ballungszentren sind die Chancen für Schwerbehinderte auf eine Festanstellung durch ein breites Angebot an Beschäftigungs- und Förderprogrammen sowie eine gute Infrastruktur höher als auf dem Land. Besonders engagiert, Behinderte zu integrieren, sind die Automobilkonzerne. Das führt dazu, dass die Arbeitslosenquote von Schwerbehinderten in zwei Autostädten – Wolfsburg und Ingolstadt – am niedrigsten ist. Aber auch kleinere Städte zeigen, wie Integration gelingen kann: In der Region Bamberg beispielsweise wurde auf Initiative ortsansässiger Unternehmer die Kampagne „Integra Mensch. Bamberg bewegt“ gestartet. In einer sozialraumorientierten Werkstatt unterstützen Mitarbeiter Menschen mit Behinderung.

Trotz aller Positivbeispiele: Es gibt weiterhin viele arbeitslose Schwerbehinderte. Um auch sie zu integrieren, müssen Bund, Länder, Kommunen und Unternehmen ihre Bemühungen intensivieren.

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