20 Jahre EU-Erweiterung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Schwedische Tricks und Obers für Österreich

Am 1. Januar 1995 nahm die damalige 12er-Gemeinschaft Finnland, Österreich und Schweden auf. Es war die vierte Erweiterung in der Geschichte der EU und die erste nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Während Österreich und Finnland auch den Euro eingeführt haben, verweigert sich Schweden beharrlich – obwohl es das eigentlich nicht dürfte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Österreich, Schweden und Finnland sind 1995 der Europischen Union beigetreten.
  • Als wichtigste positive Auswirkungen des Beitritts betrachten die Bürger in allen drei Ländern die Reisefreiheit und die große Auswahl an Konsumgütern.
  • Aber jeweils mehr als 50 Prozent der Befragten in Österreich, Schweden und Finnland sagen, dass sich die EU-Mitgliedschaft negativ auf die wirtschaftliche Situation und die Sozialfürsorge ausgewirkt habe.
Zur detaillierten Fassung

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der EU wuchs damals durch die Neuen auf einen Schlag um 7,5 Prozent, die Bevölkerungszahl stieg um gut 22 Millionen oder 6,2 Prozent.

Zwei der drei Zugänge, Österreich und Schweden, waren und sind wirtschaftsstarke Länder (Grafik). Ihr Pro-Kopf-BIP lag – um Kaufkraftunterschiede bereinigt – schon im Jahr des Beitritts bei 113 beziehungsweise knapp 109 Prozent des Durchschnitts der 15er-EU; heute sind es in der 28er-Gemeinschaft je 126 Prozent. Beide Länder haben daher von Anfang an mehr in den EU-Haushalt eingezahlt als herausbekommen, sind also Nettozahler.

Dass Österreich erst 1989, Schweden 1991 und Finnland 1992 einen Aufnahmeantrag stellten, hatte vor allem politische Gründe. Bis zum Fall des Eisernen Vorhangs stand die Neutralität der drei Staaten einer Mitgliedschaft in der EU im Weg.

Die Verhandlungen mit den Kandidaten waren am 1. Februar 1993 offiziell eröffnet und bereits im März 1994 abgeschlossen worden. Es ging deshalb so schnell, weil alle drei Länder schon über Freihandelsabkommen im Rahmen der EFTA (European Free Trade Association) und das Abkommen über den Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) mit der EU verbunden waren. Dadurch hatten die Beitrittskandidaten schon fast die gesamten Binnenmarktvorschriften der EU übernommen.

Dennoch gab es noch einiges zu verhandeln. So umfasst die Akte über die Beitrittsbedingungen und die Anpassung der EU-Verträge fast 400 eng bedruckte Seiten im Amtsblatt der EU. Das ging sogar so weit, dass in einem Protokoll festgelegt wurde, welche spezifisch österreichischen Ausdrücke den in Deutschland verwendeten entsprechen: Obers für Sahne, Topfen für Quark, Faschiertes für Hackfleisch.

Im Großen und Ganzen haben die Österreicher, Schweden und Finnen den Beitritt nicht bereut. Das hat eine Umfrage Ende November/Anfang Dezember 2014 ergeben (Grafik). Als wichtigste positive Auswirkungen des Beitritts werden in allen drei Ländern die Reisefreiheit und die große Auswahl an Konsumgütern betrachtet. Im Ländermittel sind 76 Prozent der Befragten der Ansicht, dass sich die EU positiv auf die Mobilität von Arbeitnehmern ausgewirkt hat, 73 Prozent begrüßen die größere Vielfalt an Konsumgütern. Es gibt aber auch Kritik:

Jeweils mehr als 50 Prozent der Befragten in Österreich, Schweden und Finnland sagen, dass sich die EU-Mitgliedschaft negativ auf die wirtschaftliche Situation und die Sozialfürsorge ausgewirkt habe.

Während sich die Urteile in diesen Punkten kaum unterscheiden, gehen die Meinungen beim Thema Euro weit auseinander. Nach einer Eurobarometerumfrage war die Zustimmung zum Euro im November 2014 in Finnland mit 75 Prozent und in Österreich mit 69 Prozent sehr hoch.

In Schweden ist es umgekehrt. Dort will nicht einmal jeder vierte Bürger die gemeinsame Währung. Es verwundert daher nicht, dass Schweden an der Krone festhält, obwohl der 1992 unterzeichnete Vertrag von Maastricht dies eigentlich nicht vorsieht. Denn damals haben sich nur Großbritannien und Dänemark vertraglich zusichern lassen, dass sie dem Euro fernbleiben dürfen (Interview).

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de