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Schwarze Schafe einfangen

Eigentlich sollen Moody´s, Fitch und Co. lediglich darüber informieren, wie kreditwürdig ein Schuldner ist. Tatsächlich haben die Ratingagenturen aber einen weitaus größeren Einfluss, wie die Finanz- und Staatsschuldenkrisen der vergangenen Jahre gezeigt haben. Der Macht der Agenturen schiebt die Europäische Union jetzt einen Riegel vor.

Kernaussagen in Kürze:
  • Eigentlich sollen Moody´s, Fitch und Co. lediglich darüber informieren, wie kreditwürdig ein Schuldner ist - tatsächlich haben die Ratingagenturen aber einen weitaus größeren Einfluss.
  • Der Macht der Ratingagenturen schiebt die Europäische Union jetzt einen Riegel vor.
  • Die schnellen Herabstufungen der griechischen Kreditwürdigkeit haben zu panischen Reaktionen der Märkte geführt und die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen binnen drei Jahren fast versiebenfacht.
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Die drei großen US-Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings haben zusammen einen Marktanteil von über 90 Prozent und damit faktisch eine Monopolstellung. Aufgabe der Agenturen ist es, die Kreditwürdigkeit von Staaten oder Unternehmen zu bewerten – doch wie sie das machen, bleibt allein ihnen überlassen und ist deshalb weitgehend ein Geheimnis.

Für viele gelten Moody´s und Co. deshalb als die schwarzen Schafe des Finanzsektors. Kritiker werfen ihnen zum Beispiel vor, gefährlichen Ramschpapieren jahrelang Bestnoten erteilt zu haben und damit Mitverursacher der Finanzkrise von 2007/2008 gewesen zu sein. In der anschließenden Wirtschafts- und Schuldenkrise wiederum seien die Ratingagenturen ins andere Extrem umgeschlagen und hätten die Kreditwürdigkeit der schwächelnden Eurostaaten viel zu früh und zu schnell herabgestuft und damit deren Probleme noch verschärft. Das gilt insbesondere für Griechenland (Grafik):

Die schnellen Herabstufungen der griechischen Kreditwürdigkeit haben zu panischen Reaktionen der Märkte geführt und die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen binnen drei Jahren fast versiebenfacht.

Doch damit soll jetzt Schluss sein, zumindest in Europa. Denn die EU will die Ratingagenturen strenger kontrollieren. So sollen sie ab dem Frühjahr 2013 die von ihnen verwendeten Bewertungsmodelle offenlegen, damit Anleger die Benotungen nachvollziehen können.

Zudem dürfen die Agenturen ihre Ratings für europäische Staatsanleihen in Zukunft nur noch an drei festgelegten Terminen pro Jahr und außerhalb der Börsenzeiten in Euro­pa veröffentlichen. Dies soll die zuweilen überaus nervösen Reaktionen der Märkte verhindern und sie gewissermaßen zwingen, sich auch selbst eine Meinung über die Kreditwürdigkeit eines Landes zu bilden, anstatt blind den Bewertungen der Agenturen zu vertrauen.

Die vielleicht wichtigste Neuerung aber ist, dass Ratingagenturen bei einer Fehlbewertung künftig verklagt und damit haftbar gemacht werden können. Grotesk falsche Bewertungen wie im Vorfeld der internationalen Finanzkrise kämen die Agenturen dann teuer zu stehen.

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