Baumaschinenindustrie Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Schwächelnde Exporte schmälern Umsatz

Im Jahr 2015 verzeichneten die Hersteller von Baumaschinen noch ein kräftiges Umsatzplus von 7,7 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro. In den folgenden neun Monaten mussten sie trotz des anhaltenden Baubooms in Deutschland einen Gang zurückschalten. Grund dafür waren vor allem die schwächeren Exporte der Branche.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2015 sorgte ein starkes Auslandsgeschäft für ein Umsatzplus in der deutschen Baumaschinenindustrie.
  • Sinkende Ausfuhrzahlen in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres führten dazu, dass der exportstarke Industriezweig Umsatzeinbußen hinnehmen musste.
  • In Europa ist die Bundesrepublik der mit Abstand wichtigste Baumaschinenmarkt, fast ein Viertel des europäischen Baumaschinenumsatzes wurde 2015 in Deutschland erzielt.
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Trotz einer gut laufenden Bauwirtschaft musste die Baumaschinenindustrie auf dem Inlandsmarkt im Jahr 2015 Umsatzeinbußen von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Eine deutliche Steigerung des Auslandsumsatzes um 10,7 Prozent auf über 9,5 Milliarden Euro glich die Verluste aber mehr als aus und sorgte dafür, dass das Gesamtergebnis im Vergleich zu 2014 deutlich gesteigert werden konnte.

In den ersten drei Quartalen 2016 sank der Umsatz im Inland weiter, wenn auch nur noch um 0,5 Prozent. Dieses Mal konnten die Auslandsgeschäfte die Bilanz nicht aufbessern. Ganz im Gegenteil: Die Exporte gingen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,8 Prozent zurück. Die Branche ist jedoch auf hohe Absätze im Ausland angewiesen, denn dort macht sie den Großteil ihrer Geschäfte (Grafik):

Die Auslandsmärkte machen derzeit rund 77 Prozent des Gesamtumsatzes der Baumaschinenindustrie aus.

Mehr als die Hälfte der deutschen Ausfuhren (54 Prozent) landet auf den europäischen Märkten. Sie sind das wichtigste Ziel der Baumaschinenindustrie. Nach Asien wird knapp ein Fünftel der Waren exportiert, etwas mehr als 10 Prozent gehen nach Nordamerika.

Nach einem deutlichen Umsatzplus im Jahr 2015 leidet die deutsche Baumaschinenindustrie aktuell unter einem schwächeren Exportgeschäft.

Die Beschäftigungszahlen der Branche haben sich parallel zum Umsatz entwickelt. Insgesamt arbeiteten in den 139 Betrieben ab 50 Beschäftigte im Jahr 2015 rund 39.300 Menschen. Das bedeutete einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Prozent. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres kam es dann angesichts des rückläufigen Umsatzes zu einem leichten Stellenabbau von knapp einem halben Prozent.

Hohe Produktivität

Mit einer Umsatzproduktivität von 313.000 Euro je Mitarbeiter liegt der Wirtschaftszweig fast exakt im Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes. Da die Branche mittelständisch geprägt ist – jeder Betrieb zählt im Schnitt 283 Mitarbeiter – und vielfach Kleinserien nach kundenspezifischen Vorgaben fertigt, ist die Produktivität aber als hoch einzuschätzen. Der Industriedurchschnitt wird nämlich durch die Großserienfertigung in der Automobilindustrie und die hohen Produktivitätswerte der Chemie nach oben getrieben.

In Europa ist die Bundesrepublik der mit Abstand wichtigste Baumaschinenmarkt (Grafik):

Fast ein Viertel des europäischen Baumaschinenumsatzes wurde 2015 in Deutschland erzielt.

Großbritannien lag mit 16 Prozent Marktanteil an zweiter Stelle. Weit abgeschlagen war Italien mit lediglich 6 Prozent. Dort macht sich offenbar noch die Krise in der südlichen Eurozone bemerkbar, die der Bauindustrie einen empfindlichen Dämpfer verpasst hat. Mit einer Erholung in Südeuropa dürften die dortigen Märkte wieder deutlich zulegen, zumal auch ältere Maschinen ersetzt werden müssen.

Vielfältige Produktpalette

Die Produktpalette dieser M+E-Branche ist ausgesprochen vielfältig. Sie reicht von Baggern verschiedener Größe über Schaufellader, Planierraupen und Teermaschinen bis hin zu mehrere Hundert Tonnen schweren Tunnelbohrmaschinen, wie sie beim Bau von U-Bahnen und Bahntunneln zum Einsatz kommen: Für den Lückenschluss der Linie U5 in Berlin wird beispielsweise eine 74 Meter lange und 700 Tonnen schwere Bohrmaschine namens Bärlinde verwendet.

Aber nicht nur unter der Erde, sondern auch im Hochbau sind die Produkte der Baumaschinenindustrie gefragt. Dort werden Baukräne und Betonmischer sowie Betonpumpen benötigt. Kettenbagger fördern Kies für die Baustoffgewinnung; Mineralaufbereitungsanlagen mit maschinellen Sieben und Trenngeräten werden zum Herstellen von Baustoffen und im Recycling verwendet.

Daneben umfasst der Wirtschaftszweig auch die Produktion von Bergwerksmaschinen. Die riesigen Tagebaubagger und -absetzer werden weiterhin benötigt, solange der Braunkohletagebau fortgesetzt wird. Da in Deutschland der Kohlebergbau unter Tage jedoch im kommenden Jahr gestoppt wird, werden Förderanlagen, Lader oder Schrämmaschinen demnächst ausschließlich für die internationalen Märkte hergestellt.

Nachdem die niedrigen Rohstoffpreise der vergangenen Jahre dazu geführt haben, dass in der Branche weltweit nur wenig investiert wurde, zeichnet sich nun eine Trendwende ab. Die derzeit steigenden Preise für Kohle, Erze und Mineralien könnten viele Unternehmen dazu animieren, neue Ausrüstung zu kaufen und ihr Geld in moderne Bergwerkstechnologien zu stecken.

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