Löhne und Kaufkraft Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Schwaches Argument

Die Gewerkschaften fordern in den aktuellen Tarifverhandlungen Lohnerhöhungen um bis zu 6 Prozent. Als Begründung dafür wird nicht zuletzt das Kaufkraftargument bemüht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Übermäßige Lohnerhöhungen schaden der Konjunktur eher, als das sie ihr auf die Sprünge helfen.
  • Kostenbedingte Wettbewerbsnachteile können zu einem Abbau von Jobs führen, was den Konsum schrumpfen lässt.
  • Ein Lohnplus kommt am Ende nur zu einem kleinen Teil der deutschen Wirtschaft zugute.
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Genauso wie die Gewerkschaften glauben, sie müssten in Tarifrunden ihre Muskeln erst einmal in Form von Warnstreiks spielen lassen, so werden sie nicht müde, das Kaufkraftargument zu strapazieren. Demnach stärken kräftige Lohnsteigerungen die Konjunktur im Inland.

Dabei wird unterstellt, dass mit den individuellen Lohnerhöhungen auch die gesamtwirtschaftliche Lohnsumme wächst. Das würde den Konsum ankurbeln, was in der Konsumgüterindustrie für mehr Jobs und Investitionen sorge. Letzteres führe dann auch in den Investitionsgüterbranchen – also zum Beispiel im Maschinenbau – zu einer steigenden Produktion und zusätzlichen Arbeitsplätzen. Dies ließe die Summe aller Löhne und damit auch den Konsum weiter zunehmen.

Doch so überzeugend dies auf den ersten Blick klingen mag – bei näherem Hinsehen erweist sich das Kaufkraftargument als schwach­brüstig. Denn übermäßige Lohnerhöhungen schaden der Konjunktur eher, als dass sie ihr auf die Sprünge helfen. Das hat mehrere Gründe:

  • Kostensteigerungen. Wenn die Entgelte angehoben werden, steigen auch die Produktionskosten der Unternehmen – die ohnehin schon mit der Verteuerung importierter Vor­leistungen durch die Euro-Abwertung zu kämpfen haben. Zugleich wird der Vorteil, den der schwache Euro den exportorientierten Industriefirmen auf dem Weltmarkt beschert, durch die steigenden Lohnkosten zunichtegemacht.
  • Arbeitsplatzverluste. Die kostenbedingten Wettbewerbsnachteile können am Ende sogar zu einem Abbau von Jobs führen, was den Konsum dann möglicherweise unterm Strich schrumpfen lässt.
  • Sickereffekte. Doch auch wenn man den Blick auf den einzelnen Arbeitnehmer beschränkt, kommt dessen Lohnplus am Ende nur zu einem kleinen Teil der deutschen Wirtschaft zugute (Grafik):

Ein verheirateter Arbeitnehmer mit zwei Kindern, der pro Monat 2.710 Euro brutto verdient, gibt von 100 Euro Lohnerhöhung im Schnitt nur 32 Euro für inländische Konsumgüter aus – bei einem Single sind es sogar lediglich 28 Euro.

Der große Rest fließt in Form von Steuern und Sozialabgaben an den Staat, wird vom Arbeitnehmer gespart oder landet durch den Kauf von Importgütern in den Kassen ausländischer Firmen.

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