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Schuldenschnitt hilft nicht weiter

Nach langer Zeit wird der griechische Staat in diesem Jahr wohl erstmals wieder mehr einnehmen als ausgeben – wenn man die Zinsbelastung für die Schulden außen vor lässt. Trotzdem wird schon wieder über einen Schuldenschnitt diskutiert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nach langer Zeit wird der griechische Staat in diesem Jahr wohl erstmals wieder mehr einnehmen als ausgeben.
  • Laut OECD waren Mitte 2013 rund 84 Prozent aller Forderungen gegenüber dem griechischen Staat – etwa 320 Milliarden Euro – im Besitz der EU-Institutionen.
  • Die Zinsausgaben Griechenlands betragen in diesem Jahr 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Ende der 1990er Jahre waren sie noch doppelt so hoch.
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Bleibt Griechenland auf Reform- und Konsolidierungskurs? Seit vergangener Woche geht die Troika aus EU, EZB und IWF dieser Frage in der griechischen Hauptstadt wieder einmal auf den Grund. Von ihrem Votum hängt es ab, ob Athen die nächste Hilfstranche von 1 Milliarde Euro bekommt oder nicht.

Zur Erinnerung: Griechenland hat bereits zwei Euro-Rettungspakete erhalten, das erste ab Mai 2010 im Umfang von letztlich 73 Milliarden Euro, das zweite ab Februar 2012 mit einer Zusage von 164 Milliarden Euro, die bis 2014 ausgezahlt werden sollen. Im März 2012 mussten zudem private Gläubiger im Rahmen eines Schuldenschnitts auf Forderungen von mehr als 100 Milliarden Euro verzichten.

Angesichts der nach wie vor immensen Schuldenlast wird diskutiert, Griechenland erneut einen großen Teil seiner Kredite zu erlassen. Doch vieles spricht dagegen:

  1. Der griechische Staat hat kaum noch Privatgläubiger, das Gros der Staatsschulden befindet sich heute in der Hand staatlicher Gläubiger:

Laut OECD waren Mitte 2013 rund 84 Prozent aller Forderungen gegenüber dem griechischen Staat – etwa 320 Milliarden Euro – im Besitz der Eurostaaten, des Euro-Rettungsschirms, des IWF und der EZB.

Gäbe es also einen zweiten Schuldenschnitt, ginge dieser hauptsächlich zulasten der staatlichen Gläubiger – und damit vor allem zulasten der europäischen Steuerzahler. Daher sind die politischen Widerstände in den Geberländern – allen voran in Deutschland – erheblich.

  1. Ein Forderungsverzicht könnte zu einem neuerlichen Vertrauensverlust der Anleger und zu einem Wiederaufflammen der Euro-Schuldenkrise führen.
  1. Wenn Griechenland Schulden erlassen bekommt, dürften die anderen Krisenstaaten das Gleiche für sich einfordern. Damit würde die gesamte Euro-Rettungsstrategie untergraben, denn es wäre kaum noch möglich, Reformen durchzusetzen.
  1. Trotz des hohen Schuldenstands ist der griechische Schuldendienst erträglich – dank der Zinsnachlässe für die Kredite der Eurostaaten und des Rettungsschirms (Grafik):

Die Zinsausgaben Griechenlands betragen in diesem Jahr 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Ende der 1990er Jahre waren sie noch doppelt so hoch.

Staatsverschuldung und staatliche Zinsen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zudem dürfte die Staatsschuldenquote Athens in den kommenden Jahren deutlich sinken. Wenn dies gelingt, kann sich Griechenland mittelfristig wieder selbst am Kapitalmarkt finanzieren. Basis dafür wäre allerdings, dass die Wirtschaft wächst und Athen den Reform- und Konsolidierungskurs hält.

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