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Schottische Entscheidung

Am 18. September 2014 stimmen die Schotten darüber ab, ob sich ihr Land vom Vereinigten Königreich unabhängig macht oder nicht. Entscheiden sie sich dafür, hätte das weitreichende Folgen – bis hin zum Verlust der EU-Mitgliedschaft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Am 18. September 2014 stimmen die Schotten darüber ab, ob sich ihr Land vom Vereinigten Königreich unabhängig macht oder nicht.
  • Schottland will sich zwar vom Vereinigten Königreich lossagen – doch das Pfund, die EU-Mitgliedschaft und die Queen möchte Regierungschef Alex Salmond behalten.
  • Mehr als 90 Prozent der britischen Ölreserven liegen in schottischen Gewässern.
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Alba gu bràth! – Schottland für immer – lautet der schottisch-gälische Ruf, mit dem wohl bereits König Robert The Bruce 1314 in die Schlacht von Bannockburn zog. Die Schotten schlugen Eduard II. und seine englischen Truppen vernichtend und sicherten sich ihre – zwischenzeitliche – Unabhängigkeit.

Schottland ist seit 1707 politisch mit England vereint. In zwei Jahren könnte es wieder unabhängig sein, wenn die Schotten dem Willen ihrer Regierung folgen und für eine Selbstbestimmung eintreten.

Schottland will sich zwar vom Vereinigten Königreich lossagen – doch das Pfund, die EU-Mitgliedschaft und die Queen möchte Regierungschef Alex Salmond behalten.

Falls Schottland das Vereinigte Königreich verlässt, ist es jedoch nach Ansicht hoher EU-Vertreter auch nicht mehr automatisch Mitglied und Vertragsstaat der Union, sondern ein Drittland. Es könnte zwar den Beitritt zur EU beantragen, allerdings ist es nicht sicher, ob alle Mitgliedsstaaten dem zustimmen würden. Und wer zur EU gehören will, muss auch prinzipiell bereit sein, den Euro einzuführen. Schottland möchte aber im Rahmen einer Währungs­union mit England, Wales und Nord­irland das Pfund behalten.

Die britische Regierung hat eine Währungsunion mit einem unabhängigen Schottland jedoch bereits ausgeschlossen, denn eine gemeinsame Währung setzt weitreichende wirtschaftspolitische Koordinierungen und eine Risikoteilung voraus.

Können die Schotten auch ohne Pfund den Alleingang wagen? Wirtschaftlich stehen sie immerhin nur wenig schlechter da als der Durchschnitt des Vereinigten Königreichs, der zudem durch London nach oben getrieben wird. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2011 je Einwohner 26.200 Euro, das waren 104 Prozent des Durchschnitts der 28 EU-Mitgliedsländer. Schottland hat 5,3 Millionen Einwohner, die 8,3 Prozent der gesamten Bevölkerung des Vereinigten Königreichs ausmachen und 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften.

Von der Finanz- und Wirtschaftskrise war Schottland weniger stark betroffen als das gesamte Land, allerdings fiel das reale Wachstum seit 2010 auch schwächer aus (Grafik). Eine Loslösung vom Vereinigten Königreich könnte jedoch turbulente Folgen haben und die schottische Wirtschaft schwächen.

Die Regierung verspricht in ihrem 670 Seiten langen Weißbuch „Scotland’s future“ – Schottlands Zukunft – auch sozialpolitische Veränderungen: Unter anderem sollen die Schotten früher als von der britischen Regierung geplant in Rente gehen können (das durchschnittliche Renteneintrittsalter im Vereinigten Königreich lag 2009 bei 63 Jahren), die Kinderbetreuung soll verbessert und Sparmaßnahmen sollen zurückgenommen werden, die von London verordnet wurden.

Viele Schotten fühlen sich von der britischen Regierung in Westminster ungerecht behandelt. Sie tue nichts gegen das geografische Ungleichgewicht: Neue Jobs, Bevölkerungswachstum und Investitionen würden sich in erster Linie auf London und den Südosten Englands konzentrieren. Die schottische Regierung will dem entgegenwirken und ihr Land noch attraktiver machen: Niedrigere Unternehmenssteuern und ein einfacheres Steuersystem könnten die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessern. Laut der Beratungsfirma Ernst & Young stellt Schottland mit Glasgow und Edinburgh nach London bereits die beliebtesten Standorte für ausländische Inves­toren in Großbritannien.

Ein großes Plus der schottischen Wirtschaft ist die Ölförderung in der Nordsee:

Mehr als 90 Prozent der britischen Ölreserven liegen in schottischen Gewässern.

Auf Schottland entfallen damit rund 60 Prozent des konventionellen Ölvorkommens der Europäischen Union. Das Land möchte allein über die Einnahmen aus dem Ölgeschäft verfügen, was derzeit nicht der Fall ist. Immerhin brachte die Ölförderung laut dem Wirtschaftsmagazin Economist 2013 Steuereinnahmen von 6,5 Milliarden Pfund ein. Es ist jedoch ungewiss, wie lange die Vorkommen in der Nordsee noch ausreichen. Experten warnen davor, dass sie in zehn Jahren bedeutungslos sein könnten.

Bisher hält sich die Begeisterung der Schotten für eine erneute Unabhängigkeit in Grenzen: In einer Umfrage Ende Februar gab nur gut ein Drittel der Bevölkerung an, sich von England lösen zu wollen. Doch die regierende Scottish National Party setzt darauf, dass der Zeitpunkt des Referendums im September Emo­tionen freisetzt – genau 700 Jahre nach dem geschichtsträchtigen Sieg von Bannockburn.

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