Weihnachtsgeld Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Schöne Bescherung

Viele Tarifverträge sehen vor, dass die Beschäftigten zum Jahresende eine Sonderzahlung erhalten. Häufig ist das Extra ein fester Prozentsatz des monatlichen Gehalts. Im öffentlichen Dienst gilt dabei die Regel: Je weniger qualifiziert ein Arbeitnehmer ist, desto höher ist sein Weihnachtsgeld.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland wird nach einem Tarifvertrag entlohnt, und fast 90 Prozent von ihnen haben Anspruch auf Weihnachtsgeld.
  • Während Bankangestellte oder Mitarbeiter der Süßwarenindustrie zu Weihnachten ein volles Monatsgehalt erhalten, gehen die Beschäftigten im ostdeutschen Baugewerbe leer aus.
  • Beim Weihnachtsgeld kommt in einigen Branchen noch ein Ost-West-Gefälle hinzu.
Zur detaillierten Fassung

Mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland wird nach einem Tarifvertrag entlohnt, und fast 90 Prozent von ihnen haben Anspruch auf Weihnachtsgeld. Ob die Arbeitnehmer überhaupt bedacht werden und wie viel sie bekommen, ist aber von Branche zu Branche höchst unterschiedlich (Grafik).

Während Bankangestellte oder Mitarbeiter der Süßwarenindustrie zu Weihnachten ein volles Monatsgehalt erhalten, gehen die Beschäftigten im ostdeutschen Baugewerbe leer aus.

Auch in der Metall- und Elektro-Industrie und im Einzelhandel ist die Sonderzahlung weniger üppig. Dort werden im Westen 55 bzw. 62,5 Prozent eines Monatsentgelts gezahlt. Allerdings fällt das Urlaubsgeld in der M+E-Industrie vergleichsweise großzügig aus.

Beim Weihnachtsgeld kommt in einigen Branchen noch ein Ost-West-Gefälle hinzu. In der Chemischen Industrie zum Beispiel sind im Westen bis zu 2.949 Euro drin, im Osten lediglich 1.867 Euro. Ganz extrem ist die Differenz im Bauhauptgewerbe: Im Westen kommt ein Baufacharbeiter auf 1.624 Euro, im Osten gibt es gar nichts. Ein ausgebildeter Banker wiederum erhält bis zu 2.806 Euro – unabhängig davon, ob er in Dresden oder in Düsseldorf arbeitet.

Da die Sonderzahlung meist als fester Prozentsatz des Monatssalärs gewährt wird, hängt die absolute Höhe von der Tätigkeit und Qualifikation ab. Ausnahmen sind jene Branchen, in denen ein einheitlicher Betrag für alle festgelegt ist, wie im Groß- und Außenhandel.

Eine weitere Ausnahme ist der öffentliche Dienst. Dort bekommen die untersten Entgeltgruppen prozentual gesehen mehr Weihnachtsgeld als die obersten. Im Westen liegt der Unterschied zwischen den Gruppen bei 30 Prozentpunkten, im Osten gibt es eine Differenz von 27,5 Prozentpunkten (Grafik).

So erhält ein Beschäftigter in der Entgeltgruppe 8 – dazu gehören Angestellte mit einer zwei- oder dreijährigen Ausbildung – im Westen insgesamt 90 Prozent seines Monatsgehalts als Weihnachtsgeld, das sind 2.313 Euro.

Sein Kollege in der Entgeltgruppe 9 – Beschäftigte mit einem Bachelor- oder Fachhochschulabschluss – bekommt 80 Prozent seines Monatsgehalts und hat somit fast 100 Euro weniger Weihnachtsgeld. Die Logik dahinter: Der Beschäftigte aus der Entgeltgruppe 9 übt zwar eine höherwertige Tätigkeit aus, bekommt aber weniger Weihnachtsgeld, weil er ein höheres Grundgehalt bezieht.

Im Osten klafft zwischen Angestellten der Entgeltgruppe 12 und 13 beim Weihnachtsgeld eine Differenz von fast 700 Euro.

Entstanden sind diese Regelungen durch die große Tarifrechtsreform im öffentlichen Dienst im Jahr 2005. Um den neuen Tarifvertrag zu finanzieren, mussten die höheren Beschäftigtengruppen auf Teile ihres Weihnachtsgelds verzichten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de