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Schmerzlicher Rückschlag

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008/2009 hat die globale Investitionstätigkeit zwar kräftig zugelegt. Das Vorkrisenniveau ist aber vielerorts noch nicht wieder erreicht – und im Jahr 2015 werden die weltweiten Investitionen voraussichtlich sogar sinken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Weil die globale Wirtschaft schwächelt, geben private Firmen und der Staat in vielen Ländern weniger Geld aus, um zum Beispiel die Produktionskapazitäten zu erweitern oder neue Straßen zu bauen.
  • In den Industrieländern werden die gesamten inländischen Bruttoinvestitionen von knapp 9,8 Billionen Dollar 2014 auf nur noch gut 9,2 Billionen Dollar im Jahr 2016 sinken.
  • In Deutschland lagen die Bruttoanlageinvestitionen im ersten Halbjahr 2015 preisbereinigt lediglich um 1,2 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.
Zur detaillierten Fassung

Die Weltwirtschaft drosselt in diesem Jahr merklich ihr Tempo. Vor allem die großen aufstrebenden Volkswirtschaften haben ihre Wachstumserwartungen zurückgeschraubt. So gehen Konjunkturexperten für China mittlerweile nur noch von einer Zunahme der Wirtschaftsleis­tung um 6,8 Prozent in diesem Jahr aus – im Herbst 2014 standen die Prognosen noch auf 7,1 Prozent. Für Brasilien wird derzeit sogar ein Minus von 3 Prozent erwartet – statt der vor einem Jahr vorhergesagten plus 1,4 Prozent.

Weil die globale Wirtschaft schwächelt, geben private Firmen und der Staat in vielen Ländern weniger Geld aus, um zum Beispiel die Produktionskapazitäten zu erweitern oder neue Straßen zu bauen.

Auf Basis der Daten des Internationalen Währungsfonds werden die Investitionen in den Entwicklungs- und Schwellenländern 2015 im Vergleich zum Vorjahr um fast 300 Milliarden auf 9,3 Billionen Dollar zurückgehen. Das ist allerdings immer noch ein starker Wert, lag die Inves­titionssumme in diesen Ländern doch im Jahr 2002 gerade einmal bei 1,7 Billionen Dollar. Seither gab es einen fast ununterbrochenen Inves­titionsboom, der sich erst seit 2014 abschwächt.

Deutlich negativer ist der aktuelle Investitionstrend in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften:

In den Industrieländern werden die gesamten inländischen Bruttoinvestitionen von knapp 9,8 Billionen Dollar 2014 auf nur noch gut 9,2 Billionen Dollar in diesem Jahr sinken.

Damit würde das zu Beginn der 2000er Jahre verzeichnete Investitionsniveau zwar nach wie vor um mehr als die Hälfte übertroffen – der vor der Finanz- und Wirtschafts­krise erzielte Rekord von annähernd 9,9 Billionen Dollar im Jahr 2008 bliebe aber weiterhin unangetastet.

Gleichwohl war die Entwicklung in den einzelnen Ländern zuletzt sehr unterschiedlich (Grafik): Frank­reich, Japan und Österreich zum Beispiel müssen Minuszahlen verkraften, während die Investitionen in Irland und den Niederlanden sogar zweistellig zugelegt haben. Zum Vergleich:

In Deutschland lagen die Bruttoanlageinvestitionen im ersten Halbjahr 2015 preisbereinigt lediglich um 1,2 Prozent über dem Wert des Vorjahreszeitraums.

Die weltweite Investitionsentwicklung ist gerade für die deutsche Wirtschaft relevant, weil sie stark auf die Produktion und den Export von Investitionsgütern ausgerichtet ist. Derzeit entfällt ungefähr ein Siebtel der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung auf die Inves­titionsgüterbranchen, so viel wie in kaum einem anderen Industrieland (vgl. iwd 15/2013). Geht die globale Inves­titionsgüternachfrage zurück, belas­tet das die hiesige Konjunktur daher spürbar.

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