Insolvenzen. Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Schlecker ist nicht überall

Im Jahr 2011 ist die Zahl der Unternehmenspleiten weiter gesunken. Dies geht aus einer Hochrechnung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform hervor.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2011 ist die Zahl der Unternehmenspleiten weiter gesunken.
  • Die Zahl der Pleitiers mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz sank um 10 Prozent auf 90.
  • Obwohl die Pleitewelle abebbt, gerieten 2011 immerhin 236.000 Arbeitsplätze in Gefahr, nicht wesentlich weniger als 2010.
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Wer dieser Tage die Zeitungen aufschlägt, stößt auf Meldungen über die Insolvenzverfahren beim Druckmaschinenbauer Manroland und dem Solarunternehmen Solon. Beide Firmen hatten bereits Ende 2011 aufgegeben und suchen gerade neue Investoren. Doch solche Großpleiten sind deutlich zurückgegangen – noch nie in den vergangenen zehn Jahren mussten so wenige große Firmen den Gang zum Insolvenzrichter antreten wie 2011:

Die Zahl der Pleitiers mit mehr als 50 Millionen Euro Jahresumsatz sank um 10 Prozent auf 90.

Nicht zuletzt deshalb gingen die materiellen Schäden 2011 um 27 Prozent auf 23 Milliarden Euro zurück. Im Krisenjahr 2009 summierten sich die Forderungsausfälle und andere Schäden noch auf fast 79 Milliarden Euro. Dementsprechend lag der Durchschnittsschaden je Fall damals bei 2,4 Millionen Euro – fast viermal so hoch wie im vergangenen Jahr.

Obwohl die Pleitewelle abebbt, gerieten 2011 immerhin 236.000 Arbeitsplätze in Gefahr, nicht wesentlich weniger als 2010 (Grafik). Von diesen Stellen konnten und können aber noch viele im Laufe des Insolvenzverfahrens gerettet werden. Denn bevor gar nichts mehr geht und ein Unternehmen endgültig seine Tore schließen muss, versuchen Insolvenzverwalter zunächst einmal, zumindest Teile des Betriebs zu erhalten.

Vor allem die Industrie erwies sich 2011 als sehr robust. Dort ging die Zahl der Pleiten gegenüber 2010 um 14 Prozent zurück. Und auch in der Bauwirtschaft gab es rund 13 Prozent weniger Insolvenzen. Im Handel und im Dienstleistungssektor waren die Rückgänge mit 6 respektive 2 Prozent weit schwächer.

Wie geht es weiter? Der Fall Schlecker ist sicher nicht zu verallgemeinern. Die Voraussetzungen dafür, dass die Zahl der Firmeninsolvenzen im laufenden Jahr selbst dann niedrig bleibt, wenn das Wachstum schwächelt, sind jedenfalls recht gut:

Zum einen

melden deutsche Unternehmen weiterhin gute Geschäfte.

Zum anderen

haben viele Firmen ihr Eigenkapital so weit aufgestockt, dass ein ordentliches Polster für eine Durststrecke vorhanden ist. Der Mittelstand erreichte zuletzt nach Angaben der KfW Bankengruppe eine historisch hohe Eigenmittelquote von 26 Prozent.

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