PIAAC-Studie Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Schlecht lesen, mittelmäßig rechnen

Erwachsene in Deutschland schneiden im internationalen Vergleich beim Lesen unterdurchschnittlich und beim Rechnen durchschnittlich ab. Die PIAAC-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liefert indes noch weitere Erkenntnisse.

Kernaussagen in Kürze:
  • Erwachsene in Deutschland schneiden im internationalen Vergleich beim Lesen unterdurchschnittlich und beim Rechnen durchschnittlich ab.
  • Besorgniserregend ist der hohe Anteil an Menschen in Deutschland, die lediglich kurze Texte mit einfachen Worten lesen können – er liegt bei annähernd 18 Prozent.
  • Die in Deutschland geborenen Erwachsenen erreichen bei der Lesekompetenz 275 Punkte, Nicht-Muttersprachler aber nur 241 Punkte.
Zur detaillierten Fassung

Mit dem Programme for the International Assessment of Adult Competencies (PIAAC) haben die Forscher der OECD das Alltagswissen der Erwachsenen geprüft. Den Testpersonen wurden dabei unterschiedlich schwere Fragen gestellt. Zu den mittelschweren Aufgaben zählte etwa, anhand eines Bildes mit einem Thermometer, auf dem die Gradzahlen in Celsius und in Fahrenheit angegeben waren, die Temperatur in Grad Fahrenheit zu nennen. Für jede richtige Antwort gab es eine bestimmte Punktzahl.

Abgefragt wurde das Wissen der 16- bis 65-Jährigen auf drei Feldern:

1. Lesen. Hier erreichen die Erwachsenen in der Bundesrepublik 270 Punkte, drei Punkte weniger als der OECD-Durchschnitt (Grafik):

Besorgniserregend ist der hohe Anteil an Menschen in Deutschland, die lediglich kurze Texte mit einfachen Worten lesen können – er liegt bei annähernd 18 Prozent.

Am besten lesen können Japaner und Finnen, am schlechtesten Spanier und Italiener.

Unterscheidet man die Teilnehmer der Studie nach Muttersprachlern und Nicht-Muttersprachlern, ergibt sich ein etwas anderes Bild:

Die in Deutschland geborenen Erwachsenen erreichen bei der Lesekompetenz 275 Punkte, Nicht-Muttersprachler aber nur 241 Punkte.

Dieser Unterschied zeigt, wie wichtig es ist, auch die Migrantenkinder in jungen Jahren zu bilden, um ihre Chancen zu verbessern.

2. Mathematik. Alltagsaufgaben, für die mathematisches Verständnis erforderlich ist, lösen Erwachsene in Deutschland mit im Schnitt 272 Punkten etwas besser als Erwachsene in anderen Ländern. Die besten Ergebnisse erreichen wieder Japan (288 Punkte) und Finnland (282 Punkte), der Abstand zu Deutschland ist aber geringer als beim Lesen.

Auffällig ist, dass die in Deutschland geborenen Erwachsenen mit 277 Punkten überdurchschnittlich gut abschneiden und Platz 8 im internationalen Ranking belegen.

Wenn die Zuwanderung von Hochqualifizierten steigt, dürfte sich die Rechenkompetenzlücke zwischen Einheimischen und Migranten deutlich verringern.

3. Technologiebasiertes Problemlösen. Rund 27 Prozent der Testpersonen OECD-weit haben keinerlei Erfahrungen mit Computern und können nicht einmal eine Maus bedienen. In Deutschland ist der Anteil der Computer-Unerfahrenen mit 12,6 Prozent deutlich geringer.

Jüngere Erwachsene aus Deutschland schneiden in allen Testbereichen besser ab als die älteren Teilnehmer. Mit den Aufgaben am besten zurecht kamen die 25- bis 34-Jährigen, am schlechtesten die Gruppe der 55- bis 64-Jährigen. Dies deutet darauf hin, dass die Verbesserungen in den Schulen nach dem PISA-Schock von 2001 langsam greifen.

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