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Russland steht auf der Bremse

Nachdem der russische Automobilmarkt 2009 regelrecht zusammengebrochen war, blühte er danach wieder auf. Davon profitierten insbesondere die deutschen Hersteller. Die weiteren Aussichten sind allerdings eher trübe – schuld sind der schwache Rubel und die Entwicklungen in der Ukraine.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nachdem der russische Automobilmarkt 2009 regelrecht zusammengebrochen war, blühte er danach wieder auf - davon profitierten insbesondere die deutschen Hersteller.
  • Im Jahr 2013 exportierte Deutschland Waren im Wert von 36 Milliarden Euro nach Russland – davon entfielen gut 8 Milliarden Euro auf Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile.
  • Im Jahr 2013 sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Russland um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr und auch die deutschen Pkw-Exporte und die Produktion in Russland gingen zurück.
Zur detaillierten Fassung

Da fast alle westeuropäischen Automobilmärkte in den vergangenen Jahren in einer Absatzkrise steckten, rückten neue Märkte mit besseren Wachstumsaussichten in den Fokus der europäischen Hersteller. Dazu zählte auch Russland:

Innerhalb von nur drei Jahren ist die Zahl der Pkws in Russland um 16 Prozent auf 38,5 Millionen gestiegen.

Anteil deutscher PKW-Exporte und PKW-Produktion in Russland.

Gleichwohl sind die rund 143 Millionen Russen noch immer relativ schwach motorisiert: Statistisch gesehen hat nur rund jeder Vierte ein Auto, in Deutschland ist es ungefähr jeder Zweite. Der russische Markt bietet also noch großes Potenzial.

Das haben auch die deutschen Hersteller erkannt (Grafik). Im Jahr 2013 gingen rund 130.000 Pkws oder 3,2 Prozent aller deutschen Pkw-Exporte nach Russland – 2004 lag die Quote noch unter 1 Prozent. Zwischenzeitlich – im Vorkrisenjahr 2008 – waren die Zahlen sogar noch besser: Damals verkauften die deutschen Automobilhersteller fast 180.000 Personenwagen nach Russland, das waren gut 4 Prozent ihrer Ausfuhren.

Für die deutsche Wirtschaft spielt die Automobilindustrie traditionell eine zentrale Rolle – auch fürs Geschäft mit Russland:

Im Jahr 2013 exportierte Deutschland Waren im Wert von 36 Milliarden Euro nach Russland – davon entfielen gut 8 Milliarden Euro auf Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile.

Hierzu zählten auch die Zulieferungen für jene Werke deutscher Hersteller, die seit 2010 in Russland produzieren. Das Engagement vor Ort hat vor allem den Grund, dass Russland – ähnlich wie China – seinen Markt mit hohen Importzöllen auf fertige Autos abschottet.

Im vergangenen Jahr liefen fast 184.000 deutsche Autos in Russland vom Band – rund 10 Prozent der ge­samten russischen Produktion.

Insgesamt ist die russische Pkw-Produktion seit 2004 um gut 70 Prozent gestiegen – trotz eines massiven Einbruchs im Jahr 2009.

Inzwischen mehren sich erneut die Krisenzeichen. Während die west­europäischen Länder ihre Talsohle offenbar hinter sich haben, schwächelt das größte Land der Welt:

Im Jahr 2013 sank die Zahl der Pkw-Neuzulassungen in Russland um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die deutschen Pkw-Exporte und die Produktion in Russland gingen zurück.

Russlands Probleme haben bereits deutlich vor der Krim-Krise begonnen, und zwar mit dem Verfall des Rubels, der seit April 2013 mehr als 20 Prozent gegenüber dem Euro verloren hat. Davon sind vor allem die ausländischen Hersteller von Klein- und Mittelklassewagen betroffen, denn deren Kunden sind selten bereit und in der Lage, die wechselkursbedingten Preissteigerungen zu akzeptieren. Derzeit spricht die politische Großwetterlage für eine weitere Eintrübung des russischen Pkw-Marktes. Das ursprünglich anvisierte Wachstum von 3 Prozent wird jedenfalls schwer zu erreichen sein. Anteil deutscher PKW-Exporte und PKW-Produktion in Russland.

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