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Runter und runter

Die Zahl der Unternehmensgründungen ist seit etwa zehn Jahren rückläufig – parallel zur Abnahme der Arbeitslosigkeit. Für diesen Gleichlauf gibt es einen handfesten Grund.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der Unternehmensgründungen ist seit etwa zehn Jahren rückläufig.
  • Weil der Arbeitsmarkt momentan gut läuft, hat die Zahl der Gründer aus Not stark abgenommen.
  • Die Zahl der größeren Gründungen hat ebenfalls abgenommen.
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Im vergangenen Jahr sind in Deutschland 310.000 Betriebe gegründet worden – das waren rund 260.000 weniger als zehn Jahre zuvor. Das Jahr 2004 dürfte allerdings ein Ausreißer gewesen sein. Denn damals erreichte die Gründungs­welle durch die Ich-AGs ihren Höhe­punkt; sehr viele Arbeitslose machten sich mit Geld von der Arbeits­agentur selbstständig.

In den Jahren 2003 und 2005 wurden dagegen jeweils eine halbe Million Firmen gegründet – dies dürfte damals das Normalmaß gewesen sein. Nimmt man diesen Wert als Vergleichsmaßstab, ist die Zahl der Gründungen seither um fast 40 Prozent zurückgegangen (Grafik).

Parallel zum Einbruch der Gründungen ist die Zahl der Arbeitslosen ebenfalls um 40 Prozent auf durchschnittlich 2,9 Millionen gesunken.

Der weitgehende Gleichlauf von Gründungen und Arbeitslosigkeit kommt nicht von ungefähr. Er ist eine Reaktion auf den heißlaufenden Arbeitsmarkt: Wer aus vielen attraktiven Stellenangeboten auswählen kann, verzichtet eher auf Risiken und Überstunden, die mit einer Selbstständigkeit verbunden sind.

Dieser Zusammenhang dürfte insbesondere für Menschen ohne solide Ausbildung gelten. Denn sie finden, wenn die Arbeitslosigkeit besonders hoch ist, erfahrungsgemäß nur schwer eine Stelle – als Alternative bleibt dann oft nur die Selbstständigkeit, also die Gründung aus Not.

Weil der Arbeitsmarkt aber momentan gut läuft, hat die Zahl der Gründer aus Not auch stärker abgenommen als die Zahl jener Entrepreneure, die mit einer eigenen Firma eine Geschäftsidee umsetzen wollen. Nach Befragungen des Global Entrepreneurship Monitors für Deutschland kamen zuletzt auf eine „notgetriebene“ Gründung 3,3 „chancenorientierte“ Gründungen.

Allerdings ist es auch mit den chancenorientierten Gründungen nicht mehr so weit her wie früher. Denn die Zahl der größeren Gründungen, die durch einen Eintrag ins Handelsregister oder die Einstellung von Mitarbeitern gekennzeichnet sind, hat ebenfalls abgenommen. Und zwar von 176.000 im Jahr 2004 auf 124.000 im Jahr 2014.

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