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Rückenwind für Putin

Die russische Wirtschaft brummt, eine Krise ist nicht in Sicht. Beste Voraussetzungen also für die anstehenden Wahlen. Gleichwohl hat auch der russische Bär Schwächen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die russische Wirtschaft brummt, eine Krise ist nicht in Sicht.
  • In diesem Jahr dürfte das reale BIP in Russland um 4,5 Prozent steigen, im nächsten um fast 5 Prozent.
  • Russland ist ein Land ohne Verschuldungsprobleme - der Haushaltssaldo ist fast ausgeglichen.
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Am 4. März wird in Russland gewählt. Ministerpräsident Wladimir Putin, der bereits von 2000 bis 2008 als Präsident amtierte, hat sich erneut zur Wahl ins höchste Staatsamt gestellt. Zwar sind außer Putin noch vier weitere Bewerber zugelassen, doch es gibt kaum noch Zweifel, dass Putin wieder das Rennen machen wird.

Der wahrscheinliche Wahlsieger hat denn auch bereits erste Ideen geäußert, wie er das Land zu modernisieren gedenkt. Putin will mithilfe einer aktiven Industriepolitik aussichtsreiche Branchen der Hochtechnologie fördern und international wettbewerbsfähig machen. Neu ist das aber nicht: Viele Unternehmer warten bereits seit mehreren Jahren auf die konsequente Umsetzung der angekündigten Privatisierungsprogramme – bislang vergeblich.

Gleichwohl zeigt sich die Wirtschaft Russlands in guter Verfassung. Zwischen 2000 und 2010 ist das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um jährlich fast 5 Prozent gewachsen. Das kaufkraftbereinigte BIP je Einwohner dürfte im Jahr 2011 umgerechnet gut 16.700 Dollar betragen haben – im Jahr 2000 waren es gerade mal 7.700 Dollar. Und der Wachstumsmotor läuft weiter auf vollen Touren (Grafik):

In diesem Jahr dürfte das reale BIP in Russland um 4½ Prozent steigen, im nächsten Jahr um fast 5 Prozent.

So steht es um die volkswirtschaftlichen Indikatoren im Detail:

  1. Außenwirtschaft: Die Geschäfte mit dem Ausland laufen rund. Auch 2012 sollen die Exporte wieder um gut 4 Prozent zulegen – vor allem die russischen Ölvorkommen lassen die Kassen klingeln. Und auch die Importe machen Furore: Zwischen 2000 und 2010 stiegen sie um jahresdurchschnittlich 14 Prozent an. Für dieses Jahr wird immerhin noch ein Plus von 9 Prozent erwartet.
  2. Konsum und Investitionen: Die rasant wachsenden Einfuhren gehen vor allem auf die russischen Verbraucher zurück, die sich aufgrund steigender Einkommen immer mehr ausländische Waren leisten können. Allein in diesem Jahr sollen die privaten Konsumausgaben um 7 Prozent zulegen.

Gut schaut es auch bei den Inves-titionen aus: Die Bruttoanlageinves­titionen werden sich in diesem Jahr preisbereinigt um 8 Prozent erhöhen. Vor allem der Bausektor dürfte eine Wachstumsstütze bleiben.

  1. Staatshaushalt: Russland ist ein Land ohne Verschuldungsprobleme. Der Haushaltssaldo dürfte in diesem Jahr fast ausgeglichen sein.
  2. Wirtschaftspolitik: Mittelfristig stellt die starke Abhängigkeit von Energieexporten für die russische Wirtschaft ein Problem dar, zumal der Industriesektor schwach und international kaum wettbewerbsfähig ist. Ein schlechtes Investitionsklima, das durch Korruption gekennzeichnet ist, hält zudem ausländische Investoren davon ab, mehr Geld sowie das nötige Know-how in das Land zu transferieren.

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