Konjunktur Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Rolle des Auslands wird überschätzt

Die Exporte haben das deutsche Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren längst nicht so stark getragen wie manche vermuten. Viel wichtiger war die inländische Nachfrage nach Investitions- und Konsumgütern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Exporte haben das deutsche Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren längst nicht so stark getragen wie manche vermuten.
  • Im Jahr 2012 wird der Außenbeitrag die deutsche Wirtschaft sogar etwas bremsen.
  • Investitionen in Ausrüstungen, Bauten und Vorräte steuern rund 1,2 Prozentpunkte zum realen BIP-Wachstum bei.
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Wenn Politiker in Europa nach den Verantwortlichen für die Schuldenkrise suchen, nennen einige auch Deutschland. Der Vorwurf: Die größte Volkswirtschaft Europas fahre eine Wachstumsstrategie der Exportüberschüsse – das führe in anderen Ländern zu Außenhandelsdefiziten und damit zu einer steigenden Verschuldung.

Diese Argumentation ist allerdings ziemlich wacklig. So dürften die Schuldenprobleme vieler Länder hausgemacht sein – in erster Linie weil die Staatsausgaben ausufern.

Vor allem aber stimmt schon die Ausgangsthese nicht, das deutsche Wirtschaftswachstum speise sich vorwiegend aus der Exportquelle. Zwar sind die hiesigen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen von 2002 bis 2011 um 69 Prozent auf 1.289 Milliarden Euro gestiegen, gleichzeitig aber legten die Importe sogar noch stärker zu, nämlich um 74 Prozent auf 1.158 Milliarden Euro. Deutschland hat damit mehr im Ausland gekauft als je zuvor.

Folglich war auch der Beitrag des Außenhandels zum Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) zuletzt keineswegs so hoch wie oft vermutet (Grafik). In den Jahren 2010 und 2011 etwa entfielen 1,5 bzw. 0,8 Prozentpunkte des BIP-Zuwachses auf den Außenbeitrag. Der Exportüberschuss war damit im Jahr 2010 nur für ungefähr 40 Prozent und 2011 lediglich für gut ein Viertel des Wirtschaftswachstums verantwortlich.

Im Jahr 2012 wird der Außenhandel die deutsche Wirtschaft sogar eher etwas bremsen.

Der größte Teil der Wachstums­impulse für die deutsche Wirtschaft stammt demnach aus inländischen Quellen. Dabei spielt auch der Konsum eine wichtige Rolle – sein Wachstumsbeitrag betrug in den vergangenen sechs Jahren im Durchschnitt 0,8 Prozentpunkte. Der Vorwurf ausländischer Politiker, die Deutschen würden zu viel sparen und zu wenig konsumieren, trifft also ebenfalls nicht zu.

Noch bedeutsamer für die Konjunktur waren allerdings die Investitionen der Unternehmen:

Abgesehen vom Krisenjahr 2009 steuerten die Investitionen in Ausrüs­tungen, Bauten und Vorräte im Zeitraum 2006 bis 2011 im Durchschnitt 1,2 Prozentpunkte zum realen BIP-Wachstum bei.

Damit hatten die Investitionen in diesem Zeitraum eine größere Bedeutung für das deutsche Wachstum als der gesamte Außenhandel, der im Schnitt 1 Prozentpunkt beitrug.

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