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Riskante Abkehr vom Dollar

Die Regierung in Peking will die bisher streng kontrollierte Landeswährung Yuan zu einer frei konvertierbaren Währung umbauen. Dieser Prozess ist nicht ohne Risiken.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Regierung in Peking will die bisher kontrollierte Landeswährung Yuan zu einer frei konvertierbaren Währung umbauen.
  • Die Öffnung der eigenen Währung ist für Peking aber nicht ohne Risiko.
  • Eine höhere Nachfrage von Investoren könnte die momentan künstlich unterbewertete Währung auf ihren wahren Wert hieven.
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Bis vor kurzem konnten Investo­ren, Exporteure und Importeure – von Ausnahmen abgesehen – ihre Geschäfte mit chinesischen Partnern nicht in der Landeswährung abrechnen. Und ein Konto in China zu eröffnen und Yuan auszuführen ist unmöglich. Alle Transaktionen werden in Dollar abgewickelt und den Umtauschkurs bestimmt weitestgehend die chinesische Zentralbank.

Jetzt allerdings will die Volksrepublik die internationale Rolle ihrer Währung stärken:

Zum einen hat der britische Schatzkanzler George Osborne mit den Chinesen ein Abkommen unterzeichnet, wonach ein Großteil der ausländischen Devisengeschäfte mit der chinesischen Währung über die Finanzmetropole London abgewickelt werden soll.

Zum anderen wird es für ausländische Investoren möglich sein, Direktinvestitionen in Form von in Übersee legal erworbenen Yuan in China zu tätigen.

Alle Maßnahmen der chinesischen Führung dienen dazu, die Dominanz des Dollars zu brechen und sich ein Stück Unabhängigkeit zurückzuholen. Denn Peking hält die meisten seiner Devisenreserven von 3,2 Billionen Dollar in Form von US-Staatsanleihen (Grafik). Werden diese von einer Ratingagentur herabgestuft, verlieren Chinas Devisenreserven entsprechend an Wert. Die US-Politik weiß um diese Abhängigkeit und kann das Reich der Mitte politisch unter Druck setzen.

Die Öffnung der eigenen Währung ist für Peking aber nicht ohne Risiko – denn dies zieht internationale Investoren an. Die damit verbundene höhere Nachfrage nach Yuan könnte die momentan künstlich unterbewertete Währung auf ihren wahren Wert hieven.

Ein stärkerer Yuan aber verteuert die Ausfuhren, was die stark export­orientierte Wirtschaft Chinas in große Schwierigkeiten bringen könnte. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss China deshalb die Qualität seiner Erzeugnisse erheblich steigern. Schon jetzt gehen viele ausländische Firmen – insbesondere Textilbetriebe – mit ihrer Produktion wieder raus aus China, weil ihnen das Land zu teuer geworden ist.

Eine Höherbewertung des Yuan macht auf der anderen Seite Importe billiger, was den Preisauftrieb verringert und der Regierung eine große Sorge nimmt. Wegen der hohen Lebensmittelpreise – allein im Dezember 2011 verteuerten sich Nahrungsmittel um 9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat – kam es bereits zu Unruhen.

Bleibt zu klären, ob China überhaupt in der Lage ist, eine stabile Leitwährung zu etablieren. Gerade die Preisentwicklung setzt hier ein großes Fragezeichen: In den vergangenen Jahren haben sich zum Beispiel die Preise für Grundstücke und Wohnungen verdoppelt, in Peking stiegen sie um 70 Prozent.

Weil aber die Immobilienwirtschaft etwa 13 Prozent des chinesischen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet, würde das Platzen der Blase die chinesische Wirtschaft hart treffen und die Position des Yuan als Leitwährung gefährden.

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