Der Informationsdienst
des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Wirtschaftspolitik Lesezeit 3 Min.

Regierungspläne wecken Hoffnungen auf mehr Investitionen

Die Unternehmen in Deutschland haben zuletzt immer weniger investiert. Die schwarz-rote Bundesregierung will das ändern – und tatsächlich könnten sich viele ihrer Vorhaben positiv auf die Investitionstätigkeit der Firmen auswirken. Allerdings hat die Politik noch längst nicht alle Versprechen eingelöst.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die privatwirtschaftlichen Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland sind seit 2019 real um fast ein Viertel gesunken.
  • Die vom IW befragten Unternehmen gehen allerdings mehrheitlich davon aus, dass einige von der Bundesregierung beschlossene oder geplante Maßnahmen – etwa zum Bürokratieabbau oder zur Senkung der Energiekosten – ihre Investitionstätigkeit in Deutschland positiv beeinflussen werden.
  • Die Reformscheu der Politik in Sachen Sozialversicherungssysteme stellt dagegen aus der Sicht der Unternehmen eine Investitionsbremse dar.
Zur detaillierten Fassung

Die Industrie in Deutschland hat mit einer Vielzahl von Herausforderungen zu kämpfen. Da sind zum einen die geopolitischen Verwerfungen, die sich unter anderem in gestiegenen Energie- und Materialkosten und neuen Handelshürden niederschlagen.

Zum anderen haben sich die Bedingungen am heimischen Standort im Vergleich zu anderen Ländern, mit denen Deutschland im Wettbewerb steht, merklich verschlechtert:

Im IW-Standortindex, der die Qualität des jeweiligen Industriestandorts in 45 Ländern analysiert, belegte Deutschland im Jahr 2025 nur Platz zwölf – 2015 reichte es noch für den Bronzerang.

Vor diesem Hintergrund erstaunt es wenig, dass es für die deutschen Unternehmen immer weniger attraktiv geworden ist, im eigenen Land Geld in den Bau oder die Modernisierung von Produktionsanlagen zu stecken (Grafik):

Von 2019 bis zum Herbst 2025 sind die privatwirtschaftlichen Bruttoanlageinvestitionen in Deutschland real um fast ein Viertel gesunken.

Preis-, saison- und arbeitstäglich bereinigte Bruttoanlageinvestitionen, Jahresdurchschnitt 2019 = 100 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Das ist aus volkswirtschaftlicher Sicht fatal. Denn es gilt künftig nicht nur, den hiesigen Wohlstand zu sichern, sondern zusätzlich beispielsweise die Dekarbonisierung der Wirtschaft und höhere Verteidigungsausgaben zu finanzieren. Soll dies ohne schmerzhafte Verteilungskonflikte gelingen, muss die Wirtschaft wachsen. Ohne Investitionen ist das jedoch kaum möglich.

Fast neun von zehn der vom IW befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die von der Bundesregierung geplanten Maßnahmen zur Entbürokratisierung ihre Investitionen in Deutschland positiv beeinflussen werden.

Die amtierende Bundesregierung hat deshalb eine Reihe von Maßnahmen für mehr Wachstum und Investitionen auf den Weg gebracht oder zumindest angekündigt. Das IW wollte daraufhin im Rahmen seiner Konjunkturumfrage vom Herbst 2025 von den Unternehmen wissen, ob und in welchem Maße sich die Vorhaben der Bundesregierung auf ihre Investitionstätigkeit auswirken könnten. Die Antworten stimmen recht hoffnungsvoll – zuvorderst mit Blick auf den Bürokratieabbau (Grafik):

Sechs von zehn der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass die Maßnahmen zur Entbürokratisierung ihre Investitionstätigkeit in Deutschland deutlich positiv beeinflussen werden. Weitere drei von zehn Firmen sprechen immerhin von einem kleinen Impuls.

So viel Prozent der Unternehmen in Deutschland sagen, dass folgende Beschlüsse oder Vorhaben der Bundesregierung diesen Einfluss auf ihre Investitionstätigkeit hierzulande haben würden Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Mittelfristig könnte der Investitionseffekt des Bürokratieabbaus sogar noch etwas größer sein. Allerdings: Das im November 2025 von der Bundesregierung beschlossene Paket zum Bürokratieabbau enthält nur recht kleinteilige Sofortmaßnahmen wie den Wegfall einiger Berichtspflichten – die von der Wirtschaft erhoffte umfassende Entlastung steht noch aus.

Etwas konkreter ist der Kurs der schwarz-roten Koalition in der Energiepolitik – so hat sie unter anderem die Stromsteuer gesenkt und die Gasspeicherumlage abgeschafft. Das dürfte zweckführend sein:

In der IW-Konjunkturumfrage gaben 84 Prozent der Unternehmen an, die Senkung der Energiekosten würde sich schon kurzfristig positiv auf ihre Investitionstätigkeit hierzulande auswirken.

Allerdings warten vor allem energieintensive Branchen wie die Chemie nach wie vor auf eine überzeugende Entlastungsstrategie vonseiten der Politik.

Dass die Befragungsergebnisse teils auf dem Prinzip Hoffnung basieren, zeigt sich insbesondere beim Thema Steuern. Hier sind die Unternehmen vor allem mittelfristig optimistisch, dass die Bundesregierung investitionsfördernde Impulse setzt. Tatsächlich soll die Körperschaftsteuer ab 2028 jährlich um 1 Prozentpunkt sinken – von 15 bis auf 10 Prozent. Jedoch steht im Jahr 2029 die nächste Bundestagswahl an und die kommende Regierung könnte die Steuersenkungen wieder zurücknehmen.

Mangelnder Reformeifer bei Sozialversicherungen bremst Investitionstätigkeit der Unternehmen

Relevant ist für die Unternehmen darüber hinaus auch das, worum sich die Koalition in Berlin bislang nicht so eifrig bemüht – nämlich die Reformen, die nötig wären, um die Sozialversicherungssysteme zukunfts- und demografiefest zu machen:

Mehr als sechs von zehn Unternehmen sagen, dass die Reformscheu in Sachen Sozialversicherungen eine Investitionsbremse darstellt.

Die Unternehmen rechnen mit steigenden Renten- und Krankenversicherungsbeiträgen und damit höheren Lohnnebenkosten, wenn die Politik nichts ändert. Dann bleibt für Investitionen schlicht weniger Geld übrig.

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