Recycling von Elektrobatterien bietet viele Vorteile
Reine Elektroautos fahren ohne Abgase. Doch die Produktion der Batterien verursacht hohe Emissionen, zudem sind europäische Hersteller auf den Import kritischer Rohstoffe angewiesen. Abhilfe schaffen kann ein effizientes Recycling.
- Die Produktion von Elektrobatterien verursacht hohe Emissionen, zudem sind europäische Hersteller auf den Import dafür nötiger Rohstoffe wie Lithium, Kobalt oder Nickel angewiesen.
- Abhilfe schaffen kann eine effiziente Kreislaufwirtschaft: Durch das Recycling der Batterien von zwischen 2018 und 2045 neu zugelassenen Elektrofahrzeugen könnten in Europa bis 2050 rund 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
- Die Rahmenbedingungen dafür hat die EU mit ihrer Batterieverordnung gesetzt. Entscheidend ist nun deren Umsetzung durch die Mitgliedsstaaten.
Emissionsfrei unterwegs – der Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge soll den Verkehrssektor klimafreundlicher machen. Allerdings ist der ökologische Fußabdruck eines E-Autos nicht automatisch gering – die Klimabilanz hängt neben dem Strommix, mit dem das Fahrzeug betrieben wird, zu großen Teilen auch davon ab, wie ressourcen- und klimaschonend die Autoherstellung – und insbesondere die der Batterie – ist.
Betrachtet man das gesamte Produktionsverfahren von Elektrobatterien der europäischen Autohersteller, verursacht dieses viele Emissionen. Hier fallen vor allem Prozesse ins Gewicht, die aufgrund des Mangels an nötigen Rohstoffen wie Lithium, Kobalt oder Nickel überwiegend außerhalb Europas stattfinden und mit hohem Energieeinsatz und langen Transportwegen verbunden sind. Beispielsweise wurden im Jahr 2025 rund drei Viertel aller Batteriezellen – das sind die kleinsten eigenständigen Einheiten einer Autobatterie – in asiatischen Ländern hergestellt.
Doch dieses Problem lässt sich lösen – der Schlüssel dafür ist ein effizientes Recycling.
Je mehr zurückgewonnene Materialien die europäischen Hersteller für ihre Batterieproduktion nutzen können, desto weniger sind sie auf den Import der Batteriezellen mit darin verbauten kritischen Primärrohstoffen angewiesen.
Da laut Prognosen in Zukunft immer mehr Elektrofahrzeuge neu zugelassen werden, nimmt zeitlich verzögert auch die Menge an Altbatterien zu – und damit die der verfügbaren Sekundärrohstoffe. Wenn nun die Batterien am Ende ihrer Nutzungsdauer recycelt und die enthaltenen Rohstoffe erneut für die Batterieproduktion eingesetzt werden könnten, würde der europäische Verkehrssektor laut IW-Berechnungen große Emissionsmengen einsparen (Grafik):
Durch das Recycling der Batterien von zwischen 2018 und 2045 neu zugelassenen Elektrofahrzeugen könnten in Europa bis 2050 rund 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden.
Bis 2078 – das Jahr, bis zu dem die Batterie eines 2045 zugelassenen E-Autos maximal halten dürfte – summiert sich das Einsparpotenzial auf fast 385 Millionen Tonnen CO2. Das entspricht gut 80 Prozent der Emissionen des gesamten Verkehrssektors der EU im vergangenen Jahr.
EU-Batterieverordnung setzt vernünftige Rahmenbedingungen
Ob diese Werte Wirklichkeit werden, hängt von mehreren Faktoren ab. So müssen ausgediente Batterien systematisch erfasst und Rohstoffe als hochwertige Rezyklate in die Batterieproduktion zurückfinden. Die Rahmenbedingungen dafür hat die EU mit ihrer Batterieverordnung gesetzt – ab 2031 müssen neue Fahrzeugbatterien mindestens 16 Prozent recyceltes Kobalt sowie jeweils 6 Prozent recyceltes Lithium und Nickel enthalten; die vorgeschriebenen Rückgewinnungsquoten für zentrale Batterierohstoffe steigen in Zukunft schrittweise an.
Darüber hinaus sieht die Verordnung einen digitalen Batteriepass vor. Dieser soll ab 2027 Informationen zur Herkunft der Rohstoffe, zum CO₂-Fußabdruck, zur Materialzusammensetzung und zur Recyclingfähigkeit bereitstellen und erleichtert damit die Rückführung von Batterien am Ende ihres Lebenszyklus in den europäischen Wertstoffkreislauf.
Mit starken Branchen wie der Chemieindustrie und dem Maschinenbau sowie der bereits vorhandenen Recyclingkompetenz verfügt Deutschland über gute Voraussetzungen, eine führende Rolle im europäischen Batteriekreislauf einzunehmen.
Die regulatorischen Grundlagen sind damit weitgehend gesetzt. Entscheidend ist nun die Umsetzung der EU-Verordnung durch die Mitgliedsstaaten: Mit Blick auf die wohl ab Mitte der 2030er Jahre stark zunehmende Zahl an Altbatterien sollten sie den Aufbau von industriellen Recyclingkapazitäten zügig in Angriff nehmen.
In Deutschland bietet ein solcher Ausbau der nötigen Infrastruktur eine große Chance, neue industrielle Wertschöpfung zu generieren.
Mit starken Branchen wie der Chemieindustrie und dem Maschinenbau sowie der bereits vorhandenen Recyclingkompetenz verfügt die Bundesrepublik über gute Voraussetzungen, eine führende Rolle im europäischen Batteriekreislauf einzunehmen.
Deswegen sollten Bund und Länder alles dafür tun, die Standortbedingungen hierzulande zu verbessern. Dazu gehören wettbewerbsfähige Energiekosten sowie verlässliche Rahmenbedingungen für die Finanzierung neuer Recyclingverfahren. EU-weit sollten ausgediente E-Fahrzeuge zudem dem europäischen Kreislauf möglichst nicht durch Exporte verloren gehen. Dafür braucht es klare und kontrollierbare Kriterien, wann ein E-Auto noch als exportfähiges Gebrauchtfahrzeug und wann als Altfahrzeug gilt.