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Reallöhne kräftig gestiegen

Im Jahr 2016 haben die Tarifpartner in den größeren Branchen zumeist mehrstufige Entgelterhöhungen mit langen Laufzeiten vereinbart. Weil die Inflation niedrig ist, sind unterm Strich spürbare Reallohnzuwächse dabei herausgekommen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Tarifjahr 2016 zeichnet dadurch aus, dass flexiblere Abschlüsse vereinbart wurden.
  • Die Tarifverdienste je Stunde sind in den ersten drei Quartalen 2016 um 2,1 Prozent gestiegen.
  • Im Tarifjahr 2017 wird vor allem im Dienstleistungssektor verhandelt: Nach und nach laufen die Tarifverträge im Einzelhandel, Groß- und Außenhandel, Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Gebäudereinigerhandwerk aus.
Zur detaillierten Fassung

Am oberen Rand der Tariferhöhungen lagen 2016 das bayerische Hotel- und Gaststättengewerbe sowie die Chemische Industrie mit jeweils 3 Prozent in der ersten Stufe (Tabelle), dicht gefolgt von der Metall- und Elektro-Industrie mit 2,8 Prozent. In der Zeitarbeitsbranche wurden je nach Vergütungsgruppe sogar 4,0 bis 4,8 Prozent mehr Lohn gewährt – Grund dafür waren die Ost-West-Lohnangleichung und das Erfordernis, das Niveau des gesetzlichen Mindestlohns zu erreichen. Dafür fallen die nachfolgenden Stufenanpassungen durchweg bescheidener aus.

Im Bankgewerbe steigen die Entgelte in drei Stufen um insgesamt 3,7 Prozent, die Laufzeit beträgt 33 Monate. In der Druckindustrie summieren sich die zwei ausgehandelten Stufen bei einer Laufzeit von 29 Monaten auf 3,8 Prozent.

Im Tarifjahr 2016 sind die Abschlüsse wieder flexibler geworden.

Bemerkenswert am Tarifjahr 2016 ist, dass die Abschlüsse wieder etwas flexibler geworden sind. So sind in der Chemischen Industrie und in der Metall- und Elektro-Industrie Öffnungsklauseln vereinbart worden, die es ertragsschwächeren Betrieben erlauben, den Zeitpunkt der Lohnerhöhung zu verschieben.

Ein Novum ist das Wahlmodell bei der Deutschen Bahn. Damit kann ein Teil der Lohnerhöhung alternativ ausgezahlt werden – in Form zusätzlicher Urlaubstage oder kürzerer Wochenarbeitszeit. Als Vorbild für andere oder gar alle Branchen eignet sich dieses Modell jedoch nicht, da es sich vor allem für größere und weniger für kleinere Unternehmen rechnen dürfte.

Was das Tarifjahr 2016 an Lohnzuwachs gebracht hat

Die Deutsche Bundesbank hat die einzelnen Ergebnisse des Tarifjahrs 2016 in Durchschnittszahlen gegossen – das Ergebnis:

Die Tarifverdienste je Stunde sind in den ersten drei Quartalen 2016 mit 2,1 Prozent etwas weniger stark gestiegen als in den vorangegangenen Jahren.

Die effektiv gezahlten Bruttostundenlöhne – also einschließlich Sonderzahlungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld – sind 2015 sowie in den ersten drei Quartalen 2016 um jeweils 2,5 Prozent gestiegen.

Angesichts niedriger Inflationsraten beschert dies den Arbeitnehmern kräftige Reallohnzuwächse:

Im Jahr 2016 sind die Bruttolöhne real um gut 2 Prozent gestiegen, fast so stark wie im Vorjahr.

Was im Tarifjahr 2017 ansteht

In Jahr 2017 geht es zum einen um einige ungelöste Tarifkonflikte von Spartengewerkschaften: Die Lokführergewerkschaft GDL ringt mit der Deutschen Bahn um einen Abschluss, die Pilotenvereinigung Cockpit setzt ihren Dauerstreit mit der Lufthansa fort und die Flugbegleitergewerkschaft UFO muss sich mit Eurowings einigen.

Zum anderen stehen Branchentarifverhandlungen an. Die IG Metall geht mit der Forderung von 4,5 Prozent in die Tarifrunde der Textilindustrie, ver.di will für die Bediensteten der Länder 6 Prozent – beides für eine Laufzeit von einem Jahr. In der ver.di-Forderung sind auch soziale Komponenten enthalten: ein Sockel- oder Mindestbetrag, die Einführung einer zusätzlichen Entgeltstufe sowie strukturelle Verbesserungen in der Eingruppierung.

Im öffentlichen Dienst ist der Tarifvertrag bereits Ende Dezember 2016 ausgelaufen, in der Textilindustrie West wurde der Tarifvertrag fristgerecht zum 31. Januar 2017 gekündigt (Tabelle).

Im Tarifjahr 2017 verhandelt vor allem der Dienstleistungssektor – die M+E-Industrie ist erst Anfang 2018 wieder dran.

Im weiteren Jahresverlauf wird vor allem im Dienstleistungssektor verhandelt. Ende März laufen die ersten regionalen Tarifverträge im Einzelhandel, im Groß- und Außenhandel, in der Versicherungswirtschaft sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe aus; im April folgen das Kfz-Gewerbe und die ostdeutsche Textilindustrie, im Juni dann die Immobilienwirtschaft und im Oktober das Gebäudereinigerhandwerk. Zum Jahresende folgt schließlich noch die größte deutsche Industriebranche, die Metall- und Elektro-Industrie. Dort werden die Verhandlungen aber erst 2018 an Fahrt aufnehmen.

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