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Rasanter Aufstieg nach tiefem Fall

Am 1. Juli übernimmt das Land den halbjährlich wechselnden Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Ökonomisch hat sich Litauen schnell aus der Krise herausgekämpft.

Kernaussagen in Kürze:
  • Am 1. Juli übernimmt Litauen den halbjährlich wechselnden Vorsitz im Rat der Europäischen Union.
  • Das Bruttoinlandsprodukt Litauens brach 2009 real um fast 15 Prozent ein.
  • Bei den unter 25-Jährigen war die Arbeitslosenquote 2012 mit 26 Prozent nahezu doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen.
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Der drei Millionen Einwohner zählende Baltenstaat ist seit 2004 EU-Mitglied und übernimmt zum ersten Mal den Ratsvorsitz. Besonders wichtig wird sein, die Verhandlungen über den Finanzrahmen der EU für 2014 bis 2020 sowie die gut 70 Begleitgesetze zu verabschieden.

Von allen EU-Ländern war Litauen mit am stärksten von der Finanz- und Wirtschaftskrise betroffen:

Das Bruttoinlandsprodukt brach 2009 real um fast 15 Prozent ein. Doch schon im Jahr darauf gelang es dem Ostsee-Anrainer, das Ruder herumzureißen.

Wenn die Annahme der Europäischen Kommission zutrifft – für dieses und nächstes Jahr wird ein Wachstum von jeweils gut 3 Prozent prognostiziert –, dürfte das BIP 2014 den Vorkrisenstand übertreffen.

Außenwirtschaft. Der Aufstieg aus dem Tal der Tränen gelang vor allem wegen des Wachstums der Exporte auf 23 Milliarden Euro im Jahr 2012. Gegenüber dem Jahr 2009 war das ein Anstieg um 96 Prozent. Dabei profitierte die Ausfuhrdynamik von der guten wirtschaftlichen Entwicklung der Haupthandelspartner – darunter Deutschland, Polen und Russland. Auf diese drei Länder entfallen etwa ein Drittel der litauischen Exporte.

Inzwischen haben auch die Warenimporte wieder angezogen. Mit 24 Milliarden Euro lagen sie 2012 auf Vorkrisenniveau.

Arbeitsmarkt. Durch die Krise verdreifachte sich die Arbeitslosenrate von 2008 bis 2010 auf 18 Prozent (Grafik). Zwar geht die Quote zurück, trotzdem rechnet die Kommission für 2013 mit einer Arbeitslosigkeit von fast 12 Prozent.

Besonders schlecht ist die Situa­tion arbeitsuchender Jugendlicher:

Bei den unter 25-Jährigen war die Arbeitslosenquote 2012 mit 26 Prozent nahezu doppelt so hoch wie im Durchschnitt aller Altersgruppen.

Staatsverschuldung. Das Haushaltsdefizit, das 2009 gut 10 Prozent des BIP erreichte, ist inzwischen deutlich zurückgegangen. Für 2013 wird mit einem Wert knapp unter der Maastricht-Grenze von 3 Prozent gerechnet. Der staatliche Schuldenberg ist von fast 16 Prozent der Wirtschaftsleistung im Jahr 2008 auf zuletzt fast 41 Prozent gewachsen. Das ist zwar eine der niedrigsten Schuldenquoten in der EU und unter der erlaubten Marke von 60 Prozent, dennoch macht das Tempo der Schuldenzunahme Sorgen.

Als Anerkennung für die insgesamt positive ökonomische Entwicklung hat die Ratingagentur Fitch Anfang April das langfristige Rating von BBB auf BBB+ hochgesetzt.

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