Langzeitarbeitslosigkeit Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Problem bleibt auf dem Tisch

Von der Gesundung des deutschen Arbeitsmarktes haben auch viele Langzeitarbeitslose profitiert. Das Problem kann trotzdem nicht als gelöst gelten, denn noch immer suchen rund eine Million Menschen länger als ein Jahr vergeblich nach einem Job.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt kam auch bei den Langzeitarbeitslosen an: Seit 2007 ist ihre Zahl um rund 700.000 gesunken
  • Allerdings existiert nach wie vor ein harter Kern an Langzeitarbeitslosen, der 2,5 Prozent aller Erwerbspersonen ausmacht.
  • Arbeitslose ohne Qualifikationen haben sehr schwer, einen Job zu finden. Deshalb investierten die Bundesagentur für Arbeit und der Bund im Jahr 2013 zusammen mehr als ​1 Milliarde Euro in Weiterbildungsmaßnahmen.
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Zehn Jahre nach dem Start von Hartz IV müssen auch Kritiker einräumen, dass die Reform einen Beitrag zum deutschen Beschäftigungswunder geleistet hat – auch wenn man diesen Anteil nicht genau beziffern kann.

Dabei ist der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt keineswegs an den Langzeitarbeitslosen vorbeigegangen, wie oft von Gewerkschaftern behauptet wird. Seit 2007 ist die Zahl der Personen, die länger als zwölf Monate ohne Job sind, um rund 700.000 gesunken (Grafik):

Allerdings existiert nach wie vor ein harter Kern an Langzeitarbeitslosen, der 2,5 Prozent aller Erwerbspersonen ausmacht.

Langzeitarbeitslosigkeit ist in Deutschland traditionell ein größeres Problem als in den meisten anderen europäischen Ländern. Während – gemäß der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit – hierzulande rund 45 Prozent der Arbeitslosen ein Jahr oder länger ohne Job sind, beträgt der entsprechende Anteil in den Niederlanden und in Großbritannien jeweils 36 Prozent. Österreich kommt sogar lediglich auf 24 Prozent – und Frankreich, das gemeinhin nicht als beschäftigungspolitisches Vorbild dient, auf rund 40 Prozent.

Zum Teil ist das Phänomen durch den in Deutschland überdurchschnittlich stark regulierten Kündigungsschutz zu erklären. Dieser bewirkt zwar, dass in Krisenzeiten weniger Leute entlassen werden. Gleichzeitig sind die Unternehmen aber bei Einstellungen vorsichtiger, was dann zulasten der Arbeitsuchenden geht.

Klar ist, dass es Arbeitslose ohne Qualifikationen sehr schwer haben, einen Job zu finden. Eine naheliegende Lösung ist es, diese betroffenen Menschen zu qualifizieren. Derartige Anstrengungen werden auch vielfach unternommen. So investierten die Bundesagentur für Arbeit und der Bund im Jahr 2013 zusammen mehr als ​1 Milliarde Euro in Weiterbildungsmaßnahmen.

Dennoch lässt sich nicht jeder Langzeitarbeitslose zu einem Experten umschulen. Der Arbeitsmarkt muss deshalb auch Arbeitsgelegenheiten für Geringqualifizierte bereithalten.

Eine Untersuchung des IW Köln zeigt: Wenn Langzeitarbeitslose einen Job finden, dann geschieht dies überdurchschnittlich häufig im Niedriglohnsektor.

Auch befristete Arbeitsverträge, ein Minijob oder die Zeitarbeit eignen sich für Langzeitarbeitslose als Trittbrett auf dem Weg zurück in den Beruf.

Diese Arbeitsmarktsegmente müssten also gestärkt werden, wenn Langzeitarbeitslose bessere Einstiegschancen haben sollen. Stattdessen aber hat die Große Koalition das Gegenteil getan: Durch die Einführung des Mindestlohns, der seit dem 1. Januar 2015 gilt, und die bereits beschlossene Regulierung der Zeitarbeit werden Einstiegswege verbaut; bei Befristungen und Minijobs werden weitere Regulierungen diskutiert. Viele dieser Beschäftigungsmöglichkeiten werden mithin am Ende wegfallen, weil sie sich für die Unternehmen einfach nicht mehr rechnen.

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