Privaten Haushalten bleibt 2026 meist weniger Netto
Mit dem Jahreswechsel sind in Deutschland zahlreiche Änderungen bei Steuern und Abgaben in Kraft getreten. Für viele Haushalte bedeutet das eine Mehrbelastung.
- Zum Start des Jahres 2026 sind zahlreiche Gesetzesänderungen wirksam geworden, die Einfluss auf die Höhe der Steuern und Abgaben der Bundesbürger haben. Einige führen zu einer Mehrbelastung, mit anderen versucht die Regierung, gegenzusteuern.
- Unter den Alleinstehenden werden Singles mit einem Bruttoeinkommen von 70.000 Euro im Jahr anteilig am stärksten belastet. Im Jahr 2026 haben sie unterm Strich 207 Euro weniger in der Tasche als 2025.
- Am stärksten entlastet werden in diesem Jahr vierköpfige Familien, bei denen ein Partner pro Jahr 60.000 Euro verdient, der andere 30.000 Euro. Sie sparen insgesamt 126 Euro.
Neues Jahr, neue Regeln – zum Start des Jahres 2026 sind zahlreiche Gesetzesänderungen wirksam geworden, die Einfluss auf die Höhe der Steuern und Abgaben haben, die die Bundesbürger entrichten müssen. Einige Neuerungen führen zu einer Mehrbelastung, mit anderen versucht die Regierung, gegenzusteuern. Die wichtigsten Änderungen im Überblick:
- Einkommensteuer. Das deutsche Steuersystem mit seinen starren Einkommensgrenzen im linear-progressiven Steuertarif führt automatisch zu einer schleichenden Steuererhöhung, der sogenannten kalten Progression. Vereinfacht gesagt: Frisst die Inflation die gesamte Lohnerhöhung eines Jahres auf, kann die Belastung für den Arbeitnehmer dennoch steigen, weil er mit dem höheren Einkommen auch stärker besteuert wird. Real hat er also trotz mehr Lohn weniger Geld zur Verfügung.
Zum Ausgleich der kalten Progression trat zum 1. Januar die zweite Stufe einer Ende 2024 beschlossenen Anpassung in Kraft.
- Entfernungspauschale. Ab dem ersten Kilometer Arbeitsweg kann jeder nun 38 statt bisher 30 Cent geltend machen. Allerdings müssen die Werbungskosten von 1.230 Euro voll ausgeschöpft sein, damit die neue Regelung für den Steuerzahler komplett greift.
- Kindergeld. Pro Kind erhalten Eltern fortan 259 Euro im Monat – das sind 4 Euro mehr als im vergangenen Jahr. Außerdem steigt der Kinderfreibetrag je Elternteil von 3.336 Euro auf 3.414 Euro.
- Sozialbeiträge. Die Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Rentenversicherung und der Arbeitslosenversicherung steigen aufgrund der Lohnentwicklung um rund 5 Prozent und in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung um 5,4 Prozent.
Wer mehr als 66.150 Euro brutto im Jahr verdient, zahlt aufgrund des höheren Grenzwerts für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung im kommenden Jahr mehr Abgaben. Wer mehr als 96.600 Euro brutto verdient, spürt zudem den höheren Grenzwert für die gesetzliche Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung.
Überdies steigen die Zusatzbeiträge für die Krankenversicherung aufgrund von Finanzierungsengpässen voraussichtlich von durchschnittlich 2,9 auf 3,1 Prozent.
- CO2-Preis. Neben den Veränderungen der direkten Steuern und Abgaben erreicht auch der CO2-Preis die nächste Stufe. Die Emissionszertifikate, die den CO2-Preis pro Tonne festlegen, werden im Jahr 2026 zum ersten Mal versteigert und dabei in einem Preiskorridor zwischen 55 und 65 Euro liegen. Abhängig von der Nachfrage kann eine Tonne damit bis zu 10 Euro teurer sein als im vergangenen Jahr.
Eine allgemeine Senkung der Einkommensteuer wäre sinnvoll, um die privaten Haushalte flächendeckend zu entlasten.
Was bedeutet all das jetzt für die Bundesbürger? Das IW hat den Effekt für verschiedene Personen- und Einkommensgruppen berechnet (Grafik):
Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 70.000 Euro im Jahr hat durch die veränderten Steuern und Abgaben im Jahr 2026 unterm Strich 207 Euro weniger in der Tasche als 2025.
Damit wird er unter den Alleinstehenden anteilig am stärksten belastet, auch wenn ein Single mit einem Einkommen von 100.000 Euro mit 239 Euro absolut etwas höhere Einbußen hinnehmen muss. Auffällig ist auch, dass es für mittlere und niedrigere Einkommen keine deutliche Entlastung gibt.
Für die Familien in Deutschland sieht die Rechnung etwas anders aus (Grafik):
Am stärksten werden in diesem Jahr vierköpfige Familien entlastet, bei denen ein Partner pro Jahr 60.000 Euro verdient, der andere 30.000 Euro. Sie sparen insgesamt 126 Euro.
Haushalte mit niedrigeren Einkommen landen allerdings nur knapp dahinter. Die Entlastungen dieser Familien gehen fast vollständig auf die Erhöhung des Kindergelds für zwei Kinder zurück. 100 Euro weniger zur Verfügung als 2025 haben dagegen Familien mit einem kumulierten Einkommen von 130.000 Euro.
Zwar können die Entlastungen für Haushalte mit längeren Pendeldistanzen zur Arbeitsstätte über die höhere Entfernungspauschale etwas besser ausfallen, allerdings verdeutlichen die Berechnungen, dass es der Regierung nicht gelungen ist, die steigenden Beiträge zur Sozialversicherung und den höheren CO2-Preis für alle über die Einkommensteuer auszugleichen. Dabei ist die Abgabenlast in Deutschland bereits eine der höchsten im internationalen Vergleich.
Mit den bereits beschlossenen Maßnahmen wie der Aktivrente und den steuerfreien Überstundenzuschlägen will die Regierung weiter entlasten, allerdings zielen die Maßnahmen nur auf bestimmte Gruppen ab. Die meisten Beschäftigten werden davon nicht profitieren. Sinnvoller wäre es, allgemeine Senkungen der Einkommensteuer vorzunehmen. Sie könnten in der aktuell schwierigen Wirtschaftslage einen Wachstumsschub auslösen.