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Prävention wirkt

Der Trend zu mehr Sicherheit am Arbeitsplatz hält an: Im Jahr 2013 gab es in der gewerblichen Wirtschaft je 1.000 Vollarbeiter durchschnittlich nur noch rund 24 Arbeitsunfälle – weniger als je zuvor. Die Investitionen der Unternehmen in Arbeitsschutz und Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter zahlen sich also aus.

Kernaussagen in Kürze:
  • Arbeitsunfälle passieren immer seltener: Sowohl in der Bauwirtschaft als auch im Transport- und Verkehrsgewerbe, den beiden Branchen mit dem höchsten Unfallrisiko, sind die Unfallzahlen seit Jahren deutlich gesunken.
  • Im Jahr 2013 haben die Berufsgenossenschaften der gewerblichen Wirtschaft für die Übernahme von Behandlungskosten und Rehabilitationsleistungen nach Arbeitsunfällen fast 4 Milliarden Euro ausgegeben.
  • Die Beitragssätze zur Unfallversicherung streuen breit: Im relativ unfallträchtigen Baugwerbe lag das Umlagesoll im Jahr 2013 bei 3,74 Prozent des zugrunde liegenden Arbeitsentgelts, im Gesundheitsdienst dagegen lediglich bei 0,79 Prozent.
Zur detaillierten Fassung

Mit rund 790.000 Arbeitsunfällen gab es im Jahr 2013 in der gewerblichen Wirtschaft gut 12.000 Unfälle weniger als im Jahr zuvor, melden die zuständigen Berufsgenossenschaften. Das Risiko eines Arbeitsunfalls hat sich damit seit 1990 mehr als halbiert.

Die Beschäftigten sind aber nicht nur im Büro, auf der Baustelle oder in der Fabrikhalle versichert, die gesetzliche Unfallversicherung steht auch für Unfälle auf dem Weg zwischen Arbeitsplatz und Wohnort ein. In diesem Bereich war im Jahr 2013 zwar eine leichte Zunahme festzustellen, es gab rund 7.500 Wegeunfälle mehr als im Jahr zuvor. Für diese Unfälle können allerdings nicht die Arbeitgeber verantwortlich gemacht werden.

Auch ein Blick auf die einzelnen Wirtschaftszweige zeigt: Arbeitsunfälle passieren immer seltener. Selbst Branchen, in denen naturgemäß häufig mal etwas schiefgeht, sind sicherer geworden (Grafik):

Sowohl in der Bauwirtschaft als auch im Transport- und Verkehrsgewerbe – den beiden Branchen mit dem höchsten Unfallrisiko – sind die Unfallzahlen seit Jahren rückläufig.

Gleichzeitig waren noch nie so viele Erwerbstätige über die Berufsgenossenschaften der gewerblichen Wirtschaft abgesichert – eine Folge des Job-Booms. Insgesamt 36,9 Millionen Beschäftigte der gewerblichen hatten 2013 eine Unfallversicherung – ein Plus von rund 700.000 gegenüber dem vorangegangenen Jahr.

Kommt es zu einem Unfall, übernimmt die jeweilige Berufsgenossenschaft die Kosten der medizinischen Behandlung und, wenn nötig, der Rehabilitation. Im Jahr 2013 haben die Berufsgenossenschaften der gewerblichen Wirtschaft für diese Leistungen fast 4 Milliarden Euro ausgegeben.

Darüber hinaus ist die Unfallversicherung zuständig, falls der ursprüngliche Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann – beispielsweise weil sich im Laufe der Jahre chronische Erkrankungen wie Allergien oder Schwerhörigkeit entwickelt haben. In diesen Fällen bemüht sich die zuständige Berufsgenossenschaft zunächst um eine Umschulung und die Wiedereingliederung ins Arbeitsleben. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, zahlt sie eine Rente – im schlimmsten Fall auch an Hinterbliebene.

Insgesamt wurden im Jahr 2013 rund 825.000 Renten an Versicherte und Hinterbliebene ausgezahlt.

Die Aufwendungen für diesen Posten betrugen 5,6 Milliarden Euro und sind wie auch die Gesamtausgaben von 13,4 Milliarden Euro praktisch konstant geblieben.

Die stabilen Aufwendungen und die gestiegenen Versichertenzahlen wirken sich positiv auf die Beiträge aus, die die Unternehmen für die gesetzliche Unfallversicherung entrichten müssen. Im Vergleich zum Jahr zuvor sind die Beiträge 2013 im Durchschnitt sogar leicht gesunken. Allerdings gibt es keinen einheitlichen Beitragssatz, sondern branchenspezifischen Beitragssätze, die das jeweilige Berufsrisiko widerspiegeln. Die Grundlage für die Beiträge ist das sogenannte Umlagesoll (Grafik):

Im relativ unfallträchtigen Baugewerbe lag das Umlagesoll im Jahr 2013 bei 3,74 Prozent des zugrunde liegenden Arbeitsentgelts – im Gesundheitsdienst dagegen nur bei 0,79 Prozent.

Auch in der Verwaltung und im Handel betrug der Beitragssatz zur Unfallversicherung zuletzt weniger als 1 Prozent.

Die allein von den Unternehmen finanzierte Unfallversicherung übernimmt nicht nur die Versorgung nach einem Unfall. Damit es möglichst erst gar nicht so weit kommt, investiert sie auch in Arbeitsschutz und Prävention. Dazu entwickeln die Experten immer neue Richtlinien für einen noch besseren Arbeitsschutz – und sorgen dafür, dass sie auch eingehalten werden:

In den gewerblichen Unternehmen wachten im Jahr 2013 mehr als 421.000 Sicherheitsbeauftragte über die Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen.

Die Schulung der Sicherheitsbeauftragten übernehmen ebenfalls die Berufsgenossenschaften. Im Jahr 2013 wurden in gut 16.000 Kursen knapp 298.000 Personen geschult, darunter auch Unternehmer und Führungskräfte.

Auf den ersten Blick mag das Budget für die Prävention zwar gering erscheinen: Im Jahr 2013 gaben die gewerblichen Berufsgenossenschaften und die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand nur 7,7 Prozent aller Aufwendungen für vorbeugende Maßnahmen aus – das waren 13,30 Euro pro Versicherten. Hinzu kommen allerdings die statistisch nicht erfassten Leistungen, die die Unternehmen selbst erbringen. So tragen die Firmen ein Vielfaches der Kosten für die Arbeitssicherheit, indem sie laufend in neue Maschinen oder ergonomische Arbeitsplätze investieren.

Ohne dieses Engagement der Betriebe ließe sich der stetige Rückgang der Arbeitsunfälle gar nicht erklären. Hinzu kommt, dass Unfallversicherung und Unternehmen Hand in Hand arbeiten.

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