Peking verschafft sich Handelsvorteile durch Wechselkurssteuerung
Die deutsche Handelsbilanz mit China ist in den vergangenen Jahren tief ins Minus gerutscht. Ein wesentlicher Grund: Obwohl die relativen Produktionskosten in Deutschland – und im gesamten Euroraum – gegenüber China deutlich gestiegen sind, blieb der Wechselkurs zwischen Yuan und Euro weitgehend konstant. Vieles spricht dafür, dass diese Unterbewertung das Ergebnis von Währungsmanipulation ist.
- Seit 2020 ist das Defizit im deutschen Warenhandel mit China rasant gewachsen.
- Obwohl sich die Kostenwettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Firmen gegenüber China stark verschlechtert hat, reagierte der Wechselkurs zwischen Yuan und Euro kaum.
- Alle Anzeichen sprechen dafür, dass die chinesische Währung gegenüber dem Euro massiv unterbewertet ist und dies auf eine unfaire Währungsmanipulation vonseiten Pekings verursacht wurde.
Die Schieflage im Handel zwischen China und Deutschland – Gleiches gilt für die Beziehungen Chinas mit der EU insgesamt – ist derzeit besonders eklatant (siehe “Deutsche Wirtschaft wird von der Realität eingeholt”). Neu ist das Problem gleichwohl nicht – spätestens seit 2020 zeichnete sich im Warenverkehr mit China ein zunehmendes Ungleichgewicht zuungunsten Deutschlands ab (Grafik):
Das Defizit im deutschen Warenhandel mit China stieg von 14 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 66 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
Auch die Euroländer insgesamt verzeichneten in diesem Zeitraum ein wachsendes Minus im Handel mit China – der Negativsaldo erhöhte sich von 120 Milliarden Euro 2019 auf 228 Milliarden Euro.
Die chinesische Währung ist allen Anzeichen zufolge gegenüber dem Euro massiv unterbewertet – daraus resultiert ein subventionsähnlicher Vorteil für alle chinesischen Firmen.
Um fundiert beurteilen zu können, inwieweit diese Entwicklung aus ökonomischer Sicht problematisch ist und möglicherweise sogar von China bewusst vorangetrieben wurde, lohnt ein näherer Blick auf den Wechselkurs zwischen Euro und dem chinesischen Yuan. In der Theorie ist die Sache klar: Steigt die europäische Nachfrage nach chinesischen Gütern stärker als umgekehrt, sinkt die Nettonachfrage nach Euro (und steigt jene nach Yuan). Damit müsste der Euro gegenüber dem Yuan abwerten, europäische Produkte würden in Relation zu jenen aus China günstiger und die Handelsbilanz würde tendenziell wieder ausgeglichen.
Fakt ist aber: Der Wechselkurs zwischen den beiden Währungen hat sich seit Anfang 2020 nur geringfügig verändert, seit dem Sommer 2022 ist die chinesische Währung sogar ein wenig billiger geworden:
Kostete ein Yuan im Juli 2022 noch 0,146 Euro, waren es im Mai 2025 lediglich 0,123 Euro.
Der Yuan hat gegenüber dem Euro also zuletzt eher abgewertet beziehungsweise der Euro leicht aufgewertet. Und das ist nur die nominale Seite. Die realen Verhältnisse werden erst deutlich, wenn man auch die Kostensituation der Unternehmen in Europa beziehungsweise im Fernen Osten unter die Lupe nimmt. Hier gab es in den vergangenen fünf Jahren massive Verschiebungen. Das zeigen die sogenannten Erzeugerpreise – jene Preise, die Unternehmen auf dem heimischen Markt für inländische Industriegüter, verwandte Dienstleistungen und Rohstoffe zahlen müssen (Grafik):
In Deutschland (wie auch im Euroraum) lagen die Erzeugerpreise im Frühjahr 2025 um mehr als ein Drittel über dem Niveau von Anfang 2020 – in China betrug der Preisanstieg unterm Strich weniger als 2 Prozent.
Unternehmen in Deutschland und den übrigen Euroländern mussten also in den vergangenen Jahren im Wettbewerb mit China einen wachsenden Preis- und Kostennachteil hinnehmen – vor allem, weil Lieferkettenengpässe ab 2021 viele Güter enorm verteuerten und die Energiepreise in Europa nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark stiegen.
Die Verschlechterung der deutschen und europäischen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China dürfte nicht nur einen großen Teil des gestiegenen Handelsbilanzdefizits erklären. Sie bedeutet auch, dass der Euro real – also unter Berücksichtigung der tatsächlichen Kostenverhältnisse – zwischen Januar 2020 und April 2024 gegenüber dem Yuan um mehr als 40 Prozent aufgewertet hat.
China steuert den Wechselkurs seiner Währung auf undurchsichtige Weise
Warum hat nun der nominale Wechselkurs zwischen Euro und Yuan nicht wie erwartet auf die realen Handels- und Kostentrends reagiert? Tatsächlich ist es nicht der Markt, der über den Wert des Yuan gegenüber anderen Währungen entscheidet. Vielmehr steuert die chinesische Zentralbank den Wechselkurs auf undurchsichtige Weise im Verhältnis zu einem Korb anderer Währungen, vor allem zum Dollar.
Selbst wenn man die für die Wechselkursbildung relevante gesamte Zahlungsbilanz heranzieht, also neben dem Warenhandel auch die grenzüberschreitenden Dienstleistungs- und Finanztransaktionen berücksichtigt, sprechen alle Anzeichen dafür, dass die chinesische Währung gegenüber dem Euro massiv unterbewertet ist. Daraus resultiert ein subventionsähnlicher Vorteil für alle chinesischen Firmen, den Peking entweder billigend in Kauf nimmt oder sogar bewusst durch seine Währungspolitik herbeigeführt hat.
Der Eindruck einer unfairen Währungsmanipulation erhärtet sich demnach zusehends. Wenn China den Yuan nicht deutlich aufwertet, muss die EU handelspolitische Maßnahmen ergreifen, um den unfairen Nachteil auszugleichen.