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Pecunia et circenses

Wenn am 27. Juli in London die 30. Olympischen Spiele beginnen, steht ein Verlierer bereits fest: der britische Steuerzahler. Denn die Kosten für das Großereignis haben sich seit der Bewerbung mehr als verdoppelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Wenn am 27. Juli in London die 30. Olympischen Spiele beginnen, steht ein Verlierer bereits fest: der britische Steuerzahler.
  • Zwischen den Olympischen Spielen 1972 in München und Peking 2008 haben sich die Einnahmen aus den Rundfunkübertragungsrechten fastverhundertfacht.
  • Zudem kassiert das IOC Milliarden von Großsponsoren, aus der Vergabe von Produktlizenzen sowie dem Verkauf von Eintrittskarten.
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Olympische Spiele steigern das Renommee einer Stadt und machen sie weltweit für Touristen attraktiv. Verantwortlich dafür sind die vielen schönen Bilder, die über Millionen Bildschirme flimmern. Bereits 1988, als die Athleten in Seoul um Medaillen kämpften, wurden rund 2.500 Stunden Sendematerial produziert und in 160 Länder ausgestrahlt. In Peking 2008 waren es sogar 5.000 Stunden – und es gab kein einziges Land mehr, in das die Olympischen Spiele nicht übertragen wurden. Die Einnahmen aus den Übertragungsrechten fließen an das Internationale Olympische Komitee (Grafik):

Zwischen den Olympischen Spielen 1972 in München und Peking 2008 haben sich die Einnahmen aus den Rundfunkübertragungsrechten fast verhundertfacht.

Zudem kassiert das IOC Milliarden von Großsponsoren, aus der Vergabe von Produktlizenzen sowie dem Verkauf von Eintrittskarten.

Für London und die englischen Steuerzahler sieht die Situation allerdings weniger rosig aus. Wurden in der Bewerbung aus dem Jahr 2003 noch Gesamtkosten von umgerechnet 5,25 Milliarden Euro angesetzt, wurde diese Schätzung inzwischen auf 11,6 Milliarden Euro korrigiert. Auch bei den Sommerspielen in Sydney und Athen lagen die tatsächlichen Kosten hinterher etwa doppelt so hoch wie ursprünglich veranschlagt, in Barcelona sogar viermal.

Die Gründe dafür: Der Bau der Wettkampfstätten und der Infrastruktur wird hauptsächlich aus öffentlichen Mitteln, also Steuergeldern, finanziert. Um keinen Unmut bei den Steuerzahlern zu wecken und um den Zuschlag zu bekommen, setzen die konkurrierenden Bewerberstädte viel zu niedrige Kosten an.

Organisation und Durchführung der Spiele selbst übernimmt dann wieder das IOC – und das ist clever: Es hat sich vor der Vergabe der Spiele zusichern lassen, dass die ausrichtende Stadt und die dazugehörige öffentliche Hand anfallende Kosten, die nicht in der Bewerbung standen, übernehmen. Dies ist möglich, da das IOC als monopolistischer Anbieter fungiert und die Vergabebedingungen diktiert. Deswegen kann es sich auch Mindesterlöse vertraglich festschreiben lassen.

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