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Osten tief im Westen

Während einige Regionen boomen, sieht es in anderen fast aus wie im Osten nach der Wende – allen voran im Ruhrgebiet. Dort bewegen sich die Arbeitslosenzahlen auf Rekordniveau.

Kernaussagen in Kürze:
  • Während einige Regionen boomen, sieht es in anderen fast aus wie im Osten nach der Wende.
  • Die Arbeitslosenquoten im Ruhrgebiet sind fast überall zweistellig.
  • Die Wachstumsschwäche macht sich inzwischen auch im Länderfinanzausgleich bemerkbar: Vom Zahler zum Empfänger.
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Im Ruhrpott will der Strukturwandel einfach nicht gelingen. Dabei begann die Wende eigentlich schon 1962 mit der Eröffnung des Opel-Werks in Bochum. Damals sollten einige Tausend Kumpel, die im Zuge der ersten Kohlekrise entlassen worden waren, neue, zukunftsfähige Arbeitsplätze bekommen. Nun aber könnte das Werk sogar noch vor der letzten Zeche schließen.

Um den Niedergang der alten Industrien – dazu gehörte neben dem Bergbau die Montanindustrie – abzufedern, wurde ebenfalls 1962 die Ruhr-Uni gegründet, an der heute 30.000 Studenten eingeschrieben sind. Sie sollte die Ansiedlung neuer, innovativer Branchen flankieren.

Eine ähnliche Rolle war den Unis in Dortmund und Duisburg-Essen, der Privatuniversität Witten-Herdecke und einer Reihe von Fachhochschulen zugedacht. Sie sollten zu wissenschaftlichen Leuchttürmen in der ehemaligen Kohleregion werden, was auch gelungen ist.

Ein richtiges Zukunftsthema als Ersatz für Kohle und Stahl hat das Ruhrgebiet aber bis heute nicht gefunden, zumal man sich von der Kohle noch immer nicht ganz getrennt hat – erst 2018 soll die letzte Zeche dichtmachen.

Die Misere des Ruhrgebiets spiegelt sich vor allem in den Arbeitslosenzahlen wider, fast überall sind die Quoten zweistellig. Gelsenkirchen macht mit 14,6 Prozent sogar Vorpommern Konkurrenz.

Anders als das Ruhrgebiet mit seinen circa fünf Millionen Einwohnern schafft es das übrige NRW, sich wirtschaftlich zu behaupten:

  • Das Sauerland

    ist Heimat vieler mittelständischer Industriebetriebe wie Falke oder Oventrop. Die Arbeitslosenquote beträgt in dieser Region nur 5 Prozent.
  • Die Rheinschiene von Köln-Bonn bis Düsseldorf

    gehört mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 42.000 bis 73.000 Euro je Einwohner zu den Wirtschaftshochburgen in Deutschland. Zahlreiche große Konzerne wie E.on, Metro und Henkel, aber auch Medienunternehmen wie der WDR und RTL prägen das Bild.
  • Die Universitätsstadt Münster

    glänzt als Verwaltungs- und Dienstleistungszentrum. Im Service arbeiten 67 Prozent aller Beschäftigten. Daneben gibt es eine stabile mittelständische Struktur aus den Bereichen Kunststoff, Maschinenbau, Textil, Lebensmittel und Landtechnik. Die Münsterländer Wirtschaftsstruktur wird deshalb oft als Tausendfüßler bezeichnet – selbst wenn einige Beine wegbrechen, geben die anderen genug Halt.

Weil das Ruhrgebiet aber als Wirtschaftsmotor ausfällt, ist die wirtschaftliche Dynamik Nordrhein-Westfalens insgesamt leicht unterdurchschnittlich (Grafik).

Die Wachstumsschwäche macht sich inzwischen auch im Länderfinanzausgleich bemerkbar, wo NRW vom Zahler- zum Empfängerland geworden ist. Im Jahr 2011 strich die Landesregierung 224 Millionen Euro ein, trotzdem stieg die Verschuldung bis zum Jahresende 2011 weiter auf 126 Milliarden Euro.

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