Ostdeutsche Firmen sind beim Engagement für die Demokratie zurückhaltender
Fast alle Firmen in Deutschland sind überzeugt, dass die Demokratie für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung ist. In den ostdeutschen Bundesländern halten es allerdings weniger Unternehmen als im Westen für geboten, sich für die Stabilisierung der Demokratie einzusetzen.
- Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland sagen mehr als neun von zehn Unternehmen, dass die Demokratie für den hiesigen Wirtschaftsstandort wichtig ist.
- Folgerichtig engagiert sich überall eine große Mehrheit der Firmen für die Demokratie. Allerdings sind im Osten deutlich weniger Firmenlenker als im Westen der Ansicht, es sei explizit die Aufgabe von Unternehmen, sich für die Stabilisierung der Demokratie einzusetzen.
- Die Unternehmen in Ostdeutschland nennen häufiger als die Firmen im Westen Boykottaufrufe und Hasskommentare oder auch Konflikte mit Kunden oder der Belegschaft als Hemmnisse für ihr Demokratieengagement.
Rechtsstaatlichkeit, Planungssicherheit, Freiheit: All diese Faktoren sind essenziell für erfolgreiches unternehmerisches Handeln. Und sie haben eine gemeinsame Basis – die Demokratie. Dieser Zusammenhang ist den Firmenlenkern in Deutschland sehr bewusst (Grafik):
Sowohl in West- als auch in Ostdeutschland sagen mehr als neun von zehn Unternehmen, dass die Demokratie für den hiesigen Wirtschaftsstandort wichtig ist.
Folgerichtig engagieren sich gut 82 Prozent der Firmen im Westen für die Demokratie, im Osten sind es mit rund 76 Prozent kaum weniger. Allerdings sind viele Maßnahmen in erster Linie nach innen gerichtet. Vor allem die ostdeutschen Unternehmen halten sich zurück, wenn es um öffentlich sichtbare und explizit politische Formen des Engagements wie beispielsweise Wahlaufrufe geht.
In Westdeutschland sagen fast zwei Drittel der Firmenlenker, es sei explizit die Aufgabe von Unternehmen, sich für die Stabilisierung der Demokratie einzusetzen – im Osten ist weniger als die Hälfte dieser Ansicht.
Ein klares West-Ost-Gefälle gibt es auch beim unternehmerischen Rollenverständnis:
Während in Westdeutschland fast zwei Drittel der Firmenlenker sagen, es sei explizit die Aufgabe von Unternehmen, sich für die Stabilisierung der Demokratie einzusetzen, ist im Osten weniger als die Hälfte dieser Ansicht.
Zudem halten es weniger als vier von zehn Firmenchefs in Ostdeutschland für angemessen, dass Politiker oder die Zivilgesellschaft die Unternehmen explizit auffordern, sich für die Demokratie einzusetzen.
Hier dürfte sich neben einem eher funktionalistischen Verständnis des Unternehmertums im Osten auch bemerkbar machen, dass dort die gesellschaftliche Polarisierung als stärker wahrgenommen wird. Entsprechend nennen die Unternehmen in Ostdeutschland häufiger als die Firmen im Westen Boykottaufrufe und Hasskommentare oder auch Konflikte mit der Belegschaft als Hemmnisse für ihr Demokratieengagement. Der weitaus häufigste Grund für fehlendes oder eingeschränktes Engagement sind jedoch überall mangelnde finanzielle oder personelle Ressourcen.