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Orchideen-Fächer blühen

Bei allen Klagen über den Fachkräftemangel in Deutschland geht fast unter, dass Jahr für Jahr mehr Akademiker auf den Arbeitsmarkt drängen. Die Absolventenzahlen steigen nicht nur in den für die Wirtschaft besonders interessanten Fachrichtungen wie den Ingenieurstudiengängen oder der Medizin – auch in den Geisteswissenschaften gibt es heute deutlich mehr Absolventen als noch vor ein paar Jahren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Bei allen Klagen über den Fachkräftemangel in Deutschland geht fast unter, dass Jahr für Jahr mehr Akademiker auf den Arbeitsmarkt drängen.
  • Ausgerechnet die oft als Orchideen-Fächer verschrienen Studiengänge brachten in den vergangenen Jahren deutlich mehr Absolventen hervor als die „Massenfächer“.
  • Im Jahr 2012 schlossen rund 60.000 Studenten ihr ingenieurwissenschaftliches Erststudium ab und damit rund 75 Prozent mehr als 2005.
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Lesen statt fräsen – wer hätte das gedacht? Ausgerechnet die oft als Orchideen-Fächer verschrienen Studiengänge brachten in den vergangenen Jahren deutlich mehr Absolventen hervor als die „Massenfächer“ – zumindest in der Relation. So ist die Zahl der Hochschüler, die zwischen 2005 und 2012 einen Abschluss in den allgemeinen oder den außereuropäischen Sprach- und Kulturwissenschaften machten, jeweils um mehr als 200 Prozent gestiegen. In den Kulturwissenschaften im engeren Sinne legten die Absolventenzahlen um 179 Prozent zu, in Slawistik, Finno-Ugristik (Finnisch, Ungarisch u. a.) und Baltistik um 157 Prozent. Die Zahl der Jung-Philosophen hat sich fast verdoppelt und durch die Geschichtsprüfungen kamen im vergangenen Jahr knapp 88 Prozent mehr Kandidaten als 2005. In den Literaturwissenschaften nahm die Zahl der Absolventen immerhin um 59 Prozent zu.

Allein in den oben genannten Fächern gab es im vergangenen Jahr rund 15.000 Erstabsolventen – bei den Humanmedizinern beispielsweise waren es lediglich knapp 9.700.

Im Jahr 2005 war es noch umgekehrt: Damals beendeten 8.800 Humanmediziner erfolgreich ihr Studium, wohingegen nur 6.600 Studenten in Geschichte, Philosophie, Slawistik und Co. ihr Studium abschlossen.

Betrachtet man statt einzelner Fächer aber die Fachbereiche, so haben in Deutschland nicht die Geistes-, sondern die Ingenieurwissenschaften am meisten zugelegt (Grafik):

Im Jahr 2012 schlossen rund 60.000 Studenten ihr ingenieurwissenschaftliches Erststudium ab und damit rund 75 Prozent mehr als 2005.

Trotzdem gibt es nach wie vor zu wenige Absolventen dieser Fachrichtung, denn die Nachfrage nach Luft- und Raumfahrttechnikern oder Maschinenbauern ist weiterhin größer als das Angebot.

Dies zeigt sich auch an den Gehältern: Ein Vollzeit arbeitender MINT-Akademiker verdiente 2005 durchschnittlich 4.500 Euro brutto im Monat, 2012 kam er bereits auf 4.900 Euro – und damit auf einen deutlich höheren Verdienst als der Durchschnittsakademiker mit einem Bruttomonatslohn von 4.600 Euro.

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