Sport 28.07.2016 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Olympia ökonomisch

„Lebe deine Leidenschaft“ lautet das Motto von Rio 2016, aber mit Luft und Liebe allein sind Olympische Spiele nicht zu stemmen. Gut 11 Milliarden Dollar hat das wirtschaftlich gebeutelte Brasilien den Planungen zufolge in die Olympischen Spiele investiert – und ist damit sogar vergleichsweise sparsam.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro sind nach der Fußball-WM 2014 das zweite sportliche Großereignis in Brasilien innerhalb von zwei Jahren.
  • Olympia 2016 wird auch deshalb mit einem Investitionsvolumen von 11,1 Milliarden Dollar keinen neuen finanziellen Rekord markieren.
  • Von 33 Wettkampfstätten hatten 10 nicht einmal Renovierungsarbeiten nötig.
Zur detaillierten Fassung

Kaum ist die Fußballeuropameisterschaft vorbei, steht schon das nächste sportliche Großereignis an: Am 5. August beginnen die Olympischen Sommerspiele 2016 in Brasilien. Erstmals ist mit Rio de Janeiro eine südamerikanische Stadt Gastgeber der Wettkämpfe.

Für das wirtschaftlich nicht gerade auf Rosen gebettete Brasilien sind die Spiele das zweite – kostenträchtige – Highlight des Sports innerhalb von zwei Jahren. Schon als Gastgeber der Fußballweltmeisterschaft 2014 hatte das Land viel Geld in die Hand genommen – mit Blick auf Olympia bringt die zeitliche Nähe aber durchaus Vorteile. Denn Rio de Janeiro hat bei der Planung der olympischen Wettkampfstätten maßgeblich sowohl von der Fußball-WM als auch von den 2007 ausgetragenen Panamerikanischen Spielen profitiert: 10 der 33 Austragungsorte hatten nicht einmal Renovierungsarbeiten nötig – und nur 8 Sportstätten mussten extra für die Olympischen Spiele errichtet werden.

Auch deshalb markieren die Sommerspiele 2016 keinen neuen finanziellen Rekord (Grafik):

Insgesamt belaufen sich die geplanten Investitionen, die nicht vom Organisationskomitee der Spiele übernommen werden, sondern aus anderweitigen privaten und staatlichen Mitteln gedeckt werden müssen, auf gut 11 Milliarden Dollar.

Im Vergleich zu den Winterspielen 2014 in Sotschi ist das ein fast schon bescheidenes Sümmchen: Die Russen investierten in ihr an Gigantomanie kaum zu überbietendes Projekt mehr als 50 Milliarden Dollar (mehr dazu auf iwd.de). Aber auch das als besonders nachhaltig geltende London 2012 war nach Angaben des britischen Kultur- und Sportministeriums mit Kosten von 9,3 Milliarden Pfund spürbar teurer – zu damaligen Wechselkursen und Preisen entsprach dies knapp 15 Milliarden Dollar.

Rio de Janeiro hat bei der Planung der olympischen Wettkampfstätten von der Fußball-WM 2014 und den Panamerikanischen Spielen 2007 profitiert.

In Rio schlagen die Ausgaben für die Verkehrsinfrastruktur mit 5,5 Milliarden Dollar am stärksten zu Buche, weitere 770 Millionen Dollar waren für die Energieversorgung eingeplant. Außerdem sollten 1,2 Milliarden Dollar in das Umweltmanagementsystem und 813 Millionen Dollar in die Sicherheitsausstattung fließen.

Kurze Wege

Das olympische Dorf soll 427 Millionen Dollar kosten, die Wettkampfstätten 479 Millionen. Davon entfallen beispielsweise 42,1 Millionen Dollar auf die Finanzierung des Velodroms. Hochwertige Sportanlagen sind schön für Athleten und Zuschauer – und später vielleicht auch für die bekanntermaßen sportbegeisterten Einwohner der Stadt unterm Zuckerhut: Mit Ausnahme des Segelreviers und einiger Fußballstadien liegen alle Sportstätten in einem Umkreis von höchstens 40 Kilometern um das olympische Dorf.

Eines ist sicher: Bei den Sommerspielen 2016 spielen nicht nur ideelle Werte wie Leidenschaft eine Rolle, sondern auch handfeste monetäre, nämlich Investitionen in die Infrastruktur. Gut gebrauchen können die wirtschaftlich gebeutelten Brasilianer derzeit beides. Ob Olympia jedoch die gewünschten Impulse für die Wirtschaft bringt, bleibt abzuwarten. Von der Fußball-WM am Zuckerhut lässt sich das eher nicht sagen: In den Jahren 2009 bis 2014 sind die Anteile der gesamtwirtschaftlichen Investitionen am brasilianischen Bruttoinlandsprodukt sogar gefallen.

Auf einem anderen, unter ökonomischen Aspekten momentan nicht minder wichtigen Gebiet geht Olympia allerdings mit gutem Beispiel voran: Die Spiele leben auch Integration mit Leidenschaft vor – und bieten Flüchtlingen eine Perspektive. Erstmals in der olympischen Geschichte tritt ein aus Geflüchteten bestehendes Team an. Zehn staatenlose Athleten – sechs Männer und vier Frauen, die größtenteils aus dem Südsudan stammen – haben als „Refugee Olympic Team“ (ROT) die Ehre, bei der Eröffnungsfeier direkt vor Gastgeber Brasilien ins Maracanã-Stadion einzuziehen.

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