Gesprächsprotokoll Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

„Ohne den Auslandsaufenthalt wäre mein Leben anders verlaufen“

Raimondo Tocci, Professor für Byzantinische Philologie an der Demokritus-Universität in Thrakien, hat gleich zweimal vom europäischen Erasmus+-Programm profitiert – früher als Student und heute als Dozent im Programm „Personalmobilität von Lehrenden und Hochschulmitarbeitern“.

Kernaussagen in Kürze:
  • Raimondo Tocci, deutscher Erasmus-Stipendiat in den 1990er Jahren, ist heute Professor für Byzantinische Philologie an der Demokritus-Universität in Komotini.
  • Seine Begeisterung für die Byzantinistik entdeckte er als Erasmus-Student in Thessaloniki.
  • Als Professor profitiert er immer noch von Erasmus+: Denn seine Hochschule und die LMU in München nehmen an einem Austausch-Programm für Dozenten und Hochschulmitarbeiter teil.
Zur detaillierten Fassung

Als ich 1993 mit einem DAAD-Stipendium von Köln nach Thessaloniki ging, wollte ich vor allem die Sprache lernen. Ich konnte zwar Griechisch, denn meine Mutter war Griechin, aber ich wollte das sehr gehobene Griechisch, das man in Universitätsvorlesungen hören kann, das Wissenschaftsgriechisch, lernen und regelrecht in mich aufsaugen.

In Köln hatte ich als Studienanfänger Mittel- und Neugriechische Philologie, Byzantinistik und Mittellateinische Philologie belegt. In Griechenland habe ich dann innerhalb eines Semesters sieben Scheine gemacht, davon fünf allein in der Byzantinistik, die mir in Deutschland glücklicherweise alle als Proseminare anerkannt worden sind.

Meine Begeisterung für Byzanz verdanke ich den Professoren für Griechische Philologie an der Universität Thessaloniki.

Ohne meinen Aufenthalt in Griechenland wäre mein Studium bestimmt ganz anders verlaufen. So war mir relativ schnell klar, dass ich das Neugriechische zurückstellen würde und die Byzantinistik als mein Hauptfach betreiben muss. Natürlich habe ich das den Professoren des Instituts für Griechische Philologie der Aristoteles-Universität Thessaloniki zu verdanken, die meine Begeisterung für Byzanz und seine Literatur entfacht haben.

Der Bewerbungsprozess für das Erasmus-Stipendium damals verlief völlig unkompliziert. Schließlich wollte ich etwas für mein Studium und für mein Wissenschaftsgriechisch tun und nicht etwa Sonne tanken. Mit den 500 D-Mark, die ich dann ein Semester lang monatlich bekommen habe, konnte ich in Thessaloniki auch sehr gut leben – besser als in Köln.

Trotzdem bin ich nach insgesamt zehn Monaten Griechenland wieder nach Deutschland zurückgekehrt, um dort weiter zu studieren. Ich hatte zwar überlegt, ganz nach Griechenland zu wechseln, aber dies kam Anfang der 1990er Jahre letztlich wohl zu früh mich.

Seit 2008 bin ich nun, nachdem ich in Hamburg promoviert wurde und vier Jahre Hochschulassistent am Institut für Byzantinistik der Münchner LMU war, Professor für Byzantinische Philologie an der Demokritus-Universität in Komotini, einer Stadt im Nordosten Griechenlands. Und ich bin wieder Erasmus-Nutzer, denn das Institut für Griechische Philologie meiner Hochschule und das Institut für Byzantinistik der Ludwig-Maximilians-Universität in München nehmen an einem Austauschprogramm für Dozenten und Hochschulmitarbeiter teil, das von Erasmus+ gefördert wird. Bisher war ich über dieses Programm dreimal als Dozent in München, im Juli 2018 werde ich wieder für ein oder zwei Wochen dort sein und unterrichten, Vorträge halten und Methodenaustausch in Lehre und Forschung betreiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de