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Öl rein, Maschinen raus

Die Ölländer Russland und Norwegen sowie die OPEC-Staaten haben aufgrund ihrer Energieexporte gegenüber den meisten Ländern einen Handelsbilanzüberschuss. Deutschland dagegen schreibt im Außenhandel mit den Ölländern schwarze Zahlen: Zwar wird der Import von Öl immer teurer, allerdings laufen die Exporte von Investitionsgütern noch besser.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Ölländer Russland und Norwegen sowie die OPEC-Staaten haben aufgrund ihrer Energieexporte gegenüber den meisten Ländern einen Handelsbilanzüberschuss. Deutschland dagegen schreibt im Außenhandel mit den Ölländern schwarze Zahlen.
  • Die Bruttoinvestitionen der Ölländer haben sich von 2000 bis zur Finanzkrise 2008 auf rund 1,2 Billionen Dollar fast verfünffacht.
  • Von 2000 bis 2008 hat sich der deutsche Export von Investitionsgütern in die Ölländer auf 66 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht.
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Nur 0,80 Euro für einen Liter Super – das ist gar nicht so lange her: Obwohl sich die Benzinpreise in den 1970er Jahren aufgrund der Ölkrisen verdoppelt hatten, konnten die deutschen Autofahrer Ende der 1990er Jahre trotz Ökosteuer noch für circa 80 Cent – damals 1,56 D-Mark – pro Liter tanken. Aktuell sind ungefähr 1,40 Euro fällig, 2012 waren es aber auch schon einmal 1,70 Euro, obwohl der Staat nicht weiter an der Preisschraube gedreht hat.

Dahinter steckt die Ölpreis-Rallye (Grafik).

Nachdem ein Barrel Rohöl bis Ende der 1990er Jahre fast durchgängig weniger als 20 Dollar gekos­tet hatte, kam es danach zu einer Preisexplosion. Bis zum Krisenjahr 2008 stieg der Ölpreis zeitweise auf mehr als 130 Dollar, stürzte dann aber um rund ein Drittel ab und liegt seit 2011 im Jahresdurchschnitt wieder deutlich über 100 Dollar.

Doch so ärgerlich die hohen Benzin- und Heizölkosten für die privaten Haushalte auch sein mögen – des einen Ausgaben sind des anderen Einnahmen. Soll heißen: Zusammen mit der weltweit gestiegenen Nachfrage hat die Preis-Rallye den Öl­ländern (Kasten) viel Geld in die Kassen gespült. Da stellt sich die Frage, was diese Länder mit den „Petrodollar“ angestellt haben.

Die Antwort lautet: Sie haben investiert, und zwar kräftig (Grafik):

Die Bruttoinvestitionen der Öl­länder haben sich von 2000 bis zur Finanzkrise 2008 auf rund 1,2 Bil­lionen Dollar fast verfünffacht.

Nach dem vorübergehenden Rückgang im Jahr 2009 hat sich der Boom ungebremst fortgesetzt. Im Jahr 2013 beliefen sich die Brutto­investitionen bereits auf fast 1,5 Billionen Dollar. Damit sind die Öl­länder wieder zu einem bedeutenden Investitionsstandort geworden. In den 1980er Jahren war ihr Anteil (ohne Russland) an den globalen Investitionen noch von 6 auf 2 Prozent gefallen; und in den 1990er Jahren schwankte der Anteil (einschließlich Russland) zwischen 3 und 4 Prozent. Mit den steigenden Öleinnahmen aber hat sich der Beitrag der Öl­länder zu den weltweiten Brutto­investitionen deutlich erhöht und liegt mittlerweile bei rund 8 Prozent. Das entspricht ihrem Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung.

Auch für die Investitionen gilt: Die Ausgaben des einen sind die Einnahmen des anderen. Der Inves­titionsboom in den Ölstaaten spielt daher der Exportnation Deutschland mit ihrem Spitzenangebot an Maschinen und Ausrüstungsgütern in die Karten (Grafik):

Von 2000 bis 2008 hat sich der deutsche Export von Investitions­gütern in die Ölländer auf 66 Milliarden Dollar nahezu versechsfacht.

Wie bei fast allen Gütern gab es dann einen spürbaren Rückgang infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise: Binnen Jahresfrist sanken die Ausfuhren von Maschinen, Ausrüs­tungen und Fahrzeugen in die Öl­länder um rund ein Drittel auf knapp 44 Milliarden Dollar.

Mittlerweile haben sich die deutschen Investitionsgüterausfuhren in diese Region fast vollständig erholt und liegen seit 2011 wieder über der Marke von 60 Milliarden Dollar.

Selbstverständlich stehen den deutschen Exporten auch Importe von Investitionsgütern gegenüber – doch auch, wenn man diesen Posten ebenfalls gegenrechnet, bleibt ein dickes Plus für Deutschland:

Der deutsche Überschuss beim Investitionsgüterhandel mit den Ölländern hat sich in den Jahren 2000 bis 2008 auf fast 57 Milliarden Dollar versechsfacht.

Dieses Niveau ist – nach einem zwischenzeitlichen Rückgang – bereits im vergangenen Jahr wieder erreicht worden.

Investitionsgüter spielen für den deutschen Außenhandel mit den Ölländern die zentrale Rolle: Maschinen, Anlagen und Fahrzeuge machten im Durchschnitt der Jahre 1992 bis 2013 fast 70 Prozent des gesamten deutschen Warenhandels mit diesen Staaten aus. Damit gehen heute rund 7,5 Prozent aller deutschen Investitionsgüterexporte in die Ölländer – gut doppelt so viel wie zur Jahrtausendwende. Auch ihr Beitrag zu den deutschen Handels­bilanzüberschüssen mit Investitionsgütern hat sich inzwischen auf rund 17 Prozent mehr als verdoppelt.

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