Erneuerbare Energien Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Ökostrom wird noch teurer

Die Erzeugung von Strom aus Sonnenenergie, Windkraft und Co. kostet nach wie vor deutlich mehr, als sie am Markt einbringt. Daran ändert auch die jüngste Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) grundsätzlich nichts. Die Förderkosten dürften in den kommenden zehn Jahren sogar noch weiter steigen. Die Politik muss gegensteuern – auf ganz bestimmte Weise.

Kernaussagen in Kürze:
  • Trotz der jüngsten EEG-Reform steigen die Förderkosten für alle Anlagen, die in Deutschland auf der Grundlage dieses Gesetzes subventioniert werden, je nach Szenario auf Werte zwischen knapp 25 und fast 33 Milliarden Euro.
  • Entsprechend erhöht sich auch die EEG-Umlage – im pessimistischen Szenario beträgt sie im Jahr 2025 sogar mehr als 10 Cent.
  • Um gegenzusteuern, sollte der Gesetzgeber die Förderbedingungen weiter verbessern und auf einen wettbewerblichen Strommarkt hinarbeiten.
Zur detaillierten Fassung

Im Jahr 2016 sind über das EEG insgesamt gut 23 Milliarden Euro in die Förderung erneuerbarer Energien geflossen – 6,35 Cent je Kilowattstunde Strom. Diese hohen Beträge waren einer der Gründe, warum die Bundesregierung das EEG jüngst reformiert hat. Ein Kernpunkt der Neugestaltung: Ab 2017 werden für die einzelnen Technologiesparten – Photovoltaik, Windenergie an Land und auf See sowie Biomasse – vorgegebene Ausbaumengen ausgeschrieben und an diejenigen Bieter vergeben, die diese Mengen am günstigsten produzieren können. Das soll helfen, die Kosten der erneuerbaren Energien schneller zu senken.

Kosten des EEG steigen weiter

Allzu viel Optimismus ist allerdings nicht angebracht, wie ein neues Gutachten des IW Köln zeigt. Es skizziert die Entwicklung der sogenannten Differenz- oder auch Förderkosten – also der Zahlungen an die Anlagenbetreiber abzüglich der durch den Stromabsatz erzielten Einnahmen – in drei Szenarien.

Bis 2015 steigen die EEG-Förderkosten für alle Anlagen in Deutschland je nach Szenario auf bis zu 33 Milliarden Euro.

Das als Referenz dienende Regierungsszenario bildet die vom Gesetzgeber im EEG 2017 erwarteten Entwicklungen im Energiesektor ab. Das pessimistischere „Szenario hoch“ kalkuliert verstärkt kostensteigernde Effekte mit ein, das „Szenario niedrig“ geht von optimistischeren Rahmenbedingungen aus. Der generelle Trend ist jedoch in allen Szenarien derselbe (Grafik):

Bis zum Jahr 2025 steigen die Förderkosten für alle Anlagen, die in Deutschland durch das EEG subventioniert werden, je nach Szenario auf Werte zwischen knapp 25 und fast 33 Milliarden Euro.

Immerhin nehmen die Förderkosten ab 2020 langsamer zu, denn dann läuft die besonders hohe Förderung für einige ältere Anlagen aus. Im „Szenario niedrig“ bleiben die Kosten dann sogar nahezu konstant.

Für den größten Teil der Kostenerhöhungen sind jene Anlagen verantwortlich, die ab dem kommenden Jahr neu ans Netz gehen. Je nach Szenario wächst die dafür gezahlte Förderung bis 2025 auf Beträge zwischen 3,3 und 6,9 Milliarden Euro pro Jahr.

Dies wiederum ist vor allem auf den Ausbau der Windenergie auf See zurückzuführen. Im Regierungsszenario steigen die Förderkosten für alle Offshore-Windenergieanlagen bis 2025 um nahezu 3,5 Milliarden Euro (Grafik). Bei der Solarenergie und der an Land erzeugten Windenergie wirken die künftig nicht mehr geförderten Altanlagen dagegen kostendämpfend. So kommen bei der Onshore-Windenergie bis 2020 gegenüber 2016 zwar noch einmal 1,4 Milliarden Euro an Förderkosten hinzu, danach sinken diese jedoch bis 2025 um fast 300 Millionen Euro.

Die insgesamt steigende Förderung schlägt sich auch in der Entwicklung der EEG-Umlage nieder, die von den Stromkunden zu zahlen ist:

Im Regierungsszenario steigt die EEG-Umlage von heute 6,35 Cent je Kilowattstunde bis 2025 auf mehr als 8,7 Cent. Im pessimistischen Szenario beträgt die Umlage dann sogar mehr als 10 Cent.

Wie sich die Förderkosten und damit auch die EEG-Umlage entwickeln, hängt in allen Szenarien am stärksten vom Strompreisniveau am Markt ab. Doch genau das ist besonders schwierig zu prognostizieren. Diese und andere Unsicherheiten führen dazu, dass die künftigen Stromkosten eine große Unbekannte sind. Dabei sind planbare Energiekosten von entscheidender Bedeutung für viele Industriezweige, die in besonders hohem Maß auf den Produktionsfaktor Strom angewiesen sind.

Förderbedingungen verbessern, Wettbewerb ankurbeln

Umso wichtiger ist es, nicht bei der derzeitigen Regelung stehen zu bleiben, sondern die Förderbedingungen weiter zu verbessern. So sollten die vorgesehenen Ausnahmen vom künftigen Ausschreibungsverfahren verringert werden, damit der Gesetzgeber die geförderten Strommengen noch genauer begrenzen kann. Zudem sollten die Ausschreibungen sukzessive technologieoffen gestaltet werden, sodass der Wettbewerb zwischen den Energiequellen in Gang kommt.

Die Anbieter von Strom aus erneuerbaren Energien müssen auf längere Sicht dieselben Marktrisiken tragen wie andere Stromanbieter auch – also etwa Preis- und Nachfrageschwankungen. Dazu wäre ein frühzeitig festgelegter Pfad zum Ausstieg aus der EEG-Förderung sinnvoll, damit die Ökostromanbieter wissen, wann sie sich den Kräften des Marktes stellen müssen.

Aber auch der Preismechanismus auf dem Strommarkt ist noch zu optimieren, da die derzeitigen Preise zum Beispiel den Wert der Liefersicherheit oder den normativen Wert von „sauberem“ Strom nicht abbilden. Ziel sollte ein wettbewerblicher Strommarkt sein, der den Bedarf an den verschiedenen Stromarten deckt und auf dem die Erzeuger angemessene Preise erzielen können.

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