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Öffentliche Kühlschränke, gedeckte Tafeln

In Deutschland werden jährlich viele Tonnen Lebensmittel weggeworfen, die noch essbar sind. Um die Nahrungsmittelverschwendung zu verringern, verteilen nicht mehr nur Tafeln den Überfluss.

Kernaussagen in Kürze:
  • Jeder Haushalt in Deutschland schmeißt jedes Jahr rund 82 Kilo Lebensmittel weg.
  • Die Tafeln sammeln seit 1993 überschüssige Lebensmittel ein und verteilen sie kostenlos an Bedürftige.
  • Etwa eine Million Menschen versorgen sich täglich mit Essen über die rund 900 bundesweiten Tafeln.
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Rein ökonomisch ist dieses Verhalten völlig irrational: Jeder Haushalt in Deutschland schmeißt pro Jahr im Schnitt 82 Kilo Lebensmittel im Wert von rund 240 Euro weg. Insgesamt wandern in der Bundesrepublik laut WWF Deutschland jährlich rund 18 Millionen Tonnen größtenteils noch genießbare Nahrungsmittel in die Tonne. Weltweit landet mehr als die Hälfte aller Nahrungsmittel im Abfall – weil Verbraucher und Küchenchefs zu großzügig einkaufen, weil Händler krumme Möhren und kleine Kartoffeln nicht ins Sortiment aufnehmen, weil Früchte und Gemüse oftmals gar nicht erst geerntet, sondern liegen gelassen oder direkt wieder untergepflügt werden.

Die Lebensmittelverschwendung ist nicht nur wirtschaftlich gesehen unsinnig, sie ist angesichts von weltweit rund 800 Millionen unter­ernährten Menschen auch ethisch äußerst fragwürdig. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Viele der Nahrungsmittel, die in den reichen Industrieländern nicht gegessen, sondern entsorgt werden, wurden in südlichen Ländern mit begrenzten Ressourcen und oftmals verheerenden ökologischen Folgen produziert – wie beispielsweise Shrimps aus der industriellen Zucht.

Was lässt sich dagegen tun, außer selbst bewusster einzukaufen? Die Tafeln sammeln bereits seit dem Jahr 1993 überschüssige Lebensmittel von Supermärkten und Kantinenbetreibern in Deutschland ein und verteilen sie kostenlos an Bedürftige. Was in Berlin mit einer einzigen Ini­tiative begonnen hat, ist mittlerweile zu einem bundesweiten Netzwerk angewachsen (Grafik):

Über 900 Tafeln mit mehr als 3.000 Tafel-Läden geben täglich Essen an etwa eine Million Menschen aus – hinzu kommt eine steigende Zahl von Flüchtlingen.

Wer sich bei den Tafeln kostenlos mit Lebensmitteln eindeckt, muss ein Kriterium erfüllen: das der Bedürftigkeit. Ob Flüchtlinge allerdings bedürftig sind oder nicht, darüber wird mitunter heftig gestritten. Die Dachauer Tafel beispielsweise gab vorübergehend keine Lebensmittel an Asylbewerber ab.

Anders ist dies bei der Onlineplattform Foodsharing, die der Regisseur Valentin Thurn („Taste the Waste“) im Dezember 2012 ins Leben gerufen hat. Die mehr als 80.000 Menschen, die mittlerweile über Foodsharing Lebensmittel teilen, sind nicht unbedingt arm. Die Plattform versteht sich vielmehr als eine Initiative, die sich der „Rettung“ von Lebensmitteln verschreibt und nebenbei für neue nachbarschaftliche Kontakte sorgt.

Das System ist simpel: Jeder, der überflüssige Lebensmittel anzubieten hat, kann dies über die Internetplattform tun – gerne auch mit Foto. Und jeder, der Interesse hat und sich in der Nähe aufhält, kann sich diese kostenlos abholen. Darüber hinaus gibt es in rund 60 deutschen Städten sogenannte Fair-Teiler, öffentlich zugängliche Sammelstellen mit Kühlschränken und Regalen, wo jeder noch genießbare, überschüssige Lebensmittel abstellen und mitnehmen darf.

Ganz ohne Umwege funktioniert die Onlineplattform Mundraub. Hier können Verbraucher auf einer digitalen Europakarte nach Obstbäumen und Sträuchern suchen, von denen sie frei ernten dürfen.

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