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Nur Süddeutschland ist Weltklasse

Nirgends werden in Deutschland so viele Patente angemeldet wie in Baden-Württemberg und Bayern. Die übrigen Bundesländer können kaum mithalten – vor allem Ostdeutschland tut sich schwer.

Kernaussagen in Kürze:
  • In zwölf der 16 Bundesländer investieren die Unternehmen weniger als 2 Prozent der Bruttowertschöpfung in Forschung und Entwicklung.
  • Während in Süddeutschland sehr viele Patente angemeldet werden, hängen Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt weit zurück.
  • Um die Innovationskraft gleichmäßiger über das Land zu verteilen und insgesamt zu erhöhen, sollte die Politik besonders in den schwächeren Regionen bessere Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung schaffen.
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Wenn es nach der Europäischen Union geht, dann sollen die Unternehmen gemessen am Bruttoinlandsprodukt 2 Prozent in Forschung und Entwicklung investieren. Die deutschen Betriebe schaffen das nur denkbar knapp und kommen insgesamt auf 2,1 Prozent. Allerdings ist diese Leistung sehr ungleichmäßig über das Land verteilt: Wenige starke Wirtschaftsregionen – vor allem im Süden – ziehen den bundesweiten Schnitt nach oben. Anders gerechnet:

In zwölf der 16 Bundesländer investieren die Unternehmen weniger als 2 Prozent der Bruttowertschöpfung in Forschung und Entwicklung.

So liegt der Wert beispielsweise in Sachsen-Anhalt und Brandenburg bei mageren 0,5 Prozent. In Baden-Württemberg investieren Unternehmen dagegen mehr als 4 Prozent der Wertschöpfung in die Forschung.

Unternehmen in Süddeutschland investieren wesentlich mehr in Forschung und Entwicklung als im Rest des Landes.

Wie groß die regionalen Unterschiede sind, wird besonders klar, wenn man Deutschland in Wirtschaftsräume aufteilt – also in Gebiete, die sich durch enge Pendlerverflechtungen und eine gleichlaufende Entwicklung der Beschäftigung auszeichnen (Grafik):

Gemessen an der Bruttowertschöpfung hat die Region Braunschweig, Wolfsburg, Gifhorn, Helmstedt mit knapp 10 Prozent die höchsten Forschungsausgaben aller 85 Wirtschaftsräume – 200-mal so viel wie das Schlusslicht Emden, Aurich, Leer, Wittmund.

Patentanmeldungen. Wo viel geforscht wird, fallen in der Regel viele Patente an – folglich laufen die südlichen Bundesländer auch hier dem Rest davon (Grafik):

Im Jahr 2014 wurden in Baden-Württemberg 287 Patente pro 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte angemeldet – mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt.

Auch Bayern hat mit 236 Patenten eine herausragende Quote, doch schon das drittplatzierte Niedersachsen hinkt mit 98 Patenten weit hinterher. Ganz zu schweigen von Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die mit maximal 25 Patenten je 100.000 Beschäftigte höchstens auf ein Fünftel des bundesweiten Durchschnitts kommen.

Haupttreiber der Innovationen ist die Metall- und Elektro-Industrie, allen voran der Automobilbau:

Die Region rund um Stuttgart hat mit 577 Patentanmeldungen je 100.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte die höchste Innovationskraft aller 85 Wirtschaftsräume – die niedrigste Quote verzeichnet die Region Ostprignitz-Ruppin, Prignitz mit gerade einmal 4 Patenten.

Rund um Ingolstadt wurden 486, in der Wirtschaftsregion München 462 Patente je 100.000 Beschäftigte angemeldet. Im Norden kann lediglich der Wirtschaftsraum rund um Wolfsburg und Braunschweig mit 323 Patenten Schritt halten. Zusammen mit dem Gebiet rund um Konstanz, das auf 391 Patente kommt, wird in den fünf innovationsstärksten Regionen fast die Hälfte aller Patente angemeldet.

Generell gilt: Die Großstädte in Süddeutschland sind wesentlich innovativer als die Ballungszentren im Westen, und selbst die ländlichen Regionen Baden-Württembergs und Bayerns laufen den NRW-Städten meist den Rang ab. Nur sporadisch kann die Vormacht der südlichen Wirtschaftsräume gebrochen werden, etwa von Wolfsburg oder Jena. Am Ende des Rankings finden sich vor allem ostdeutsche Wirtschaftsräume.

Fachkräfte zieht es in den Süden

Süddeutschland hat also bereits heute einen großen Vorsprung vor dem Rest der Republik – und könnte noch weiter davoneilen. Denn die Stärke der südlichen Wirtschaftsräume zieht immer mehr Fachkräfte an; Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen dagegen verlieren viele teuer ausgebildete Fachkräfte. Gerade mit Blick auf den Strukturwandel ist dies bedenklich.

Unternehmensgründungen. Der Braindrain, also das Abwandern gut ausgebildeter Fachkräfte, schlägt sich auch in der Zahl der Neugründungen technologieaffiner Unternehmen nieder.

Besonders gut schneidet dabei der Raum rund um Rottweil im Schwarzwald ab. Dort werden pro 10.000 aktive Unternehmen 71 Neugründungen in innovationsaffinen Branchen gezählt. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Im Westen ragt mit 51 Gründungen lediglich der Wirtschaftsraum rund um Olpe heraus. Auch die Hauptstadt – angeblich Deutschlands Gründungshochburg – steht recht bescheiden da:

Berlin liegt mit gerade einmal 29 innovationsspezifischen Gründungen pro 10.000 aktive Unternehmen auf einem der hinteren Plätze.

Um die Innovationskraft gleichmäßiger über das Land zu verteilen und insgesamt zu erhöhen, sollte die Politik wieder mehr Geld in die Hand nehmen und in Forschung und Entwicklung investieren – unabhängig von der regionalen Stärke der Wirtschaft. Zudem müssen forschende Unternehmen steuerlich gefördert werden, damit sie mehr investieren können. In Ostdeutschland sollte zudem der Ausbau des Breitbandnetzes vorangetrieben werden, um Start-ups anzulocken.

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