Bachelorabsolventen 30.04.2015 Lesezeit 3 Min Lesezeit 1 Min

Nur Mut!

Weit mehr als die Hälfte der frischgebackenen Bachelors traut sich den Sprung in die Berufspraxis nicht zu und studiert lieber weiter. Dabei haben die Absolventen eines Bachelorstudiengangs ausgezeichnete Karrierechancen, wie eine Befragung von knapp 1.500 Unternehmen zeigt.

Kernaussagen in Kürze:
  • In rund 23 Prozent der deutschen Unternehmen tummeln sich mittlerweile Bachelorabsolventen.
  • Vor allem kleine und mittlere Unternehmen öffnen sich zunehmend für Absolventen der neuen Studiengänge.
  • Grundsätzlich unterscheiden sich die Einstiegspositionen der Bachelor- nicht wesentlich von denen der Masterabsolventen.
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Langsam, aber sicher kommen die Absolventen der gestuften Studiengänge in den Firmen an: Waren Bachelor- und Masterabsolventen 2010 erst in 13 Prozent der hiesigen Betriebe präsent, tummeln sie sich mittlerweile in rund 23 Prozent der Unternehmen, wie eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft zeigt.

Vor allem die kleinen und mittleren Firmen öffnen sich zunehmend für Absolventen der neuen Studiengänge: Gut jeder fünfte Kleinbetrieb und mehr als jedes zweite mittlere Unternehmen mit bis zu 250 Mitarbeitern beschäftigt heutzutage einen Bachelor (Grafik).

Allerdings werden Akademiker nicht überall benötigt: Jede dritte Firma hat überhaupt keine Hochschulabsolventen unter Vertrag.

Betrachtet man nur die Betriebe, die auch Akademiker eingestellt haben, so finden sich Bachelors bereits in 35 Prozent und Masterabsolventen in 27 Prozent der Unternehmen.

Viele Bachelor­absolventen entscheiden sich jedoch lieber für ein weiterführendes Master­studium, weil sie fürchten, mit ihrem Abschluss keinen adäquaten Job zu finden. Dabei ist diese Sorge in der Regel unbegründet: In neun von zehn Betrieben starten die Bachelors, die nach ihrem Abschluss den Schritt in die Berufstätigkeit wagen, mit einer eigenständig zu bearbeitenden Projektaufgabe. An zweiter Stelle der Startposition steht die Sachbearbeitung nach Anweisung. Und immerhin 43 Prozent der Arbeitgeber betrauen Bachelorabsolventen nach dem Studium sogar direkt mit der Gesamtverantwortung für ein Projekt – allerdings ohne Personalführungskompetenz.

Vergleicht man die ersten Jobs der Bachelor- und Masterkandidaten miteinander, lässt sich feststellen:

Grundsätzlich unterscheiden sich die Einstiegspositionen der Bachelor- nicht wesentlich von denen der Master­absolventen.

Ähnlich sieht es bei den Verdiensten aus – ein Mastertitel bringt gegenüber dem Bachelorabschluss meist keinen großen Gehaltsvorsprung: In knapp der Hälfte der Unternehmen fällt das Einstiegsgehalt beider Gruppen ungefähr gleich hoch aus; wenn es Abweichungen aufgrund der Abschlussart gibt, betragen diese in der Regel weniger als 10 Prozent.

Am häufigsten starten Bachelors mit einem jährlichen Gehalt von 30.000 bis 40.000 Euro ins Berufsleben. Rund ein Viertel der Unternehmen zahlt Absolventen technischer und wirtschaftswissenschaftlicher Fachrichtungen auch mehr (Grafik). Grundsätzlich gilt: Große Unternehmen und Industriebetriebe bieten häufig höhere Einstiegsgehälter als kleine Firmen oder Betriebe anderer Branchen.

Selbst langfristig bringt ein Mas­ter nicht automatisch Vorteile, denn auch bei der Besetzung höherer Fach- und Führungspositionen entscheidet fast nie der akademische Grad des Kandidaten. Wichtigste Auswahlkriterien in rund 70 Prozent der Betriebe sind vielmehr Leis­tungsmotivation, Identifikation mit den Unternehmenszielen und Kommunikationsfähigkeit. Im Vergleich zu 2010 haben der Masterabschluss oder der Doktortitel noch weiter an Bedeutung verloren – sie spielen heute nur noch in 3 Prozent der Betriebe eine wichtige Rolle bei der Besetzung von Führungspositionen.

In den meisten Firmen, die Mitarbeiter mit Bachelorqualifikation beschäftigen, gibt es keine Position, für die ein Master zwingend erforderlich wäre (Grafik):

Den Bachelorabsolventen stehen im Laufe ihres Berufslebens alle Karrierewege offen – ob als Projekt-, Bereichs-, Abteilungs- oder Fachgebietsleiter.

Diese Positionen erreichen sie mittlerweile auch deutlich häufiger als noch im Jahr 2010.

Nach drei bis fünf Jahren im Beruf können die meisten Bachelors auch ihre Gehaltsposition deutlich verbessern: Zahlt beim Berufseinstieg kaum ein Unternehmen mehr als 50.000 Euro, so erhalten die Bachelors mit Berufserfahrung in rund einem Viertel der Betriebe mindes­tens 50.000 Euro pro Jahr, sofern sie ein technisches oder wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen haben.

Knapp jeder zweite Betrieb unterstützt zudem den Wunsch seiner Bachelorabsolventen, weiter zu studieren. Am häufigsten beteiligen sich die Arbeitgeber an den Gebühren für ein Masterstudium (87 Prozent), mehr als die Hälfte (62 Prozent) stellt ihre Mitarbeiter teilweise frei. Als förderungswürdig gelten Bachelorabsolventen, die sich im Unternehmen bewährt haben und die ein Entwicklungspotenzial erkennen lassen. Nicht so wichtig für die Förderung ist die Dauer der Firmenzugehörigkeit.

Neben dem berufsbegleitenden Master bieten die Unternehmen den Bachelors auch noch andere Weiterbildungsmöglichkeiten an: interne Kurse, Bildungsangebote von Kammern oder Berufsverbänden sowie Zertifikatskurse an Hochschulen. Davon erfahren die Bachelors allerdings meist erst lange nach dem Einstellungstermin im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs oder auf Anfrage. Stünden solche Informationen zur akademischen Weiterbildung neben dem Beruf schon früher zur Verfügung, würden sich möglicherweise deutlich mehr Bachelorabsolventen direkt nach ihrem Abschluss ins Berufsleben stürzen.

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