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Nur die Kleinsten zockeln hinterher

Die Bildungssysteme in den 16 Bundesländern haben weiter Fortschritte gemacht: Es gibt mehr Kita-Plätze und Ganztagsschulen, die Schulqualität ist gestiegen und auch die Zahl der Akademiker hat weiter zugelegt. Trotz aller Fortschritte gibt es nicht nur Bestnoten – vor allem bei der Förderinfrastruktur besteht weiter Nachholbedarf.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bildungssysteme in den 16 Bundesländern haben weiter Fortschritte gemacht.
  • Im Bundesländerranking belegen Sachsen und Thüringen in diesem Jahr die Spitzenplätze.
  • Die beiden Länder zeichnen sich durch eine erstklassige Förderinfrastruktur und gute Bedingungen für eine individuelle Förderung aus.
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Im Bildungsmonitor 2012, einer Vergleichsstudie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), kommt Deutschland auf 74,4 Punkte, das sind fast 3 Punkte mehr als im Jahr zuvor. Im Vergleich zur ersten Erhebung 2004 konnte sich die Bundesrepublik damit um fast 25 Punkte verbessern.

Der Bildungsmonitor bewertet insgesamt 110 Indikatoren – darunter das Angebot an Kitas und Ganztagsschulen, Schulabbrecher- und Abiturientenquoten sowie die Absolventenzahlen diverser Studienrichtungen. Verbessert hat sich Deutschland vor allem auf diesen Gebieten:

  • Mehr Geld und bessere Infrastruktur. In viele Bildungsbereiche fließt mittlerweile mehr Geld. So erhöhten sich die Ausgaben für Grundschulen je Schüler von 4.400 Euro 2008 auf 4.800 Euro im Jahr 2009. Sechs Jahre zuvor waren es nur 3.900 Euro. Viele Schulen verwendeten die aufgestockten Finanzmittel für den Ausbau ihrer Ganztagsangebote. Im Jahr 2002 besuchten erst 4 Prozent der Grundschüler eine Ganztagseinrichtung – acht Jahre später sind es knapp 23 Prozent (Grafik).
  • Mehr berufliche Bildung. Die berufliche Bildung schneidet vor allem deshalb besser ab, weil mehr Ausbildungsplätze angeboten wurden und die Absolventenzahlen in der beruflichen Fortbildung gestiegen sind.
  • Mehr Akademiker und technisches Know-how. Die Zahl der Hochschulabsolventen erhöhte sich von fast 340.000 auf mehr als 360.000. Viele von ihnen machten ihren Abschluss in den Ingenieurwissenschaften: Der Anteil der Ingenieure an allen Absolventen erhöhte sich seit 2009 von 16,3 auf 16,9 Prozent. Auf 10 Prozent gestiegen ist auch die Promotionsquote in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Außerdem qualifizieren sich mehr junge Leute für ein Studium: Die Quote der Studienberechtigten an allgemeinbildenden Schulen ist von knapp 30 Prozent im Jahr 2009 auf 31 Prozent im Jahr 2010 gestiegen.

  • Mehr Integration. Von den ausländischen Schülern haben zwar deutlich weniger das Abitur oder eine andere Hochschulzugangsberechtigung, gleichwohl hat sich auch ihre Quote seit 2000 fast verdoppelt. Gleichzeitig sanken die Abbrecherquoten der ausländischen Schüler, obwohl hier weiterhin großer Verbesserungsbedarf besteht.
  • Internationalisierung. Es gibt nicht nur mehr Fremdsprachenunterricht an Grund- und Berufsschulen sowie mehr ausländische Studenten, sondern auch mehr internationale Hochschulkooperationen: Im Schnitt unterhielt zuletzt jede deutsche Hochschule 68 Beziehungen zu ausländischen Institutionen – 2011 waren es erst 57.

Wie schon beim letzten Bildungsmonitor liegt auch diesmal der Osten vorn (Grafik):

Im Bundesländerranking belegen Sachsen und Thüringen in diesem Jahr die Spitzenplätze.

Die beiden Länder zeichnen sich durch eine erstklassige Förderinfrastruktur und gute Bedingungen für eine individuelle Förderung aus. Außerdem bieten sie einen breiten Zugang zu akademischen Abschlüssen, insbesondere in den naturwissenschaftlich-technischen Fächern.

Die meisten Fortschritte im Vergleich zum Bildungsmonitor 2011 haben die Stadtstaaten Hamburg und Bremen gemacht. In Hamburg geht zum Beispiel fast jeder vierte Schüler der Sekundarstufe I auf eine gebundene Ganztagsschule. Auch bei den Ganztagsgrundschulen gab es einen Sprung nach vorn. In Bremen hat sich vor allem an den Hochschulen viel getan: Die Summe der eingeworbenen Drittmittel je Professor stieg binnen Jahresfrist um fast 20.000 auf knapp 172.000 Euro. Auch die Zahl der Studienberechtigten und der Hochschulabsolventen ist in Bremen stark gestiegen (Grafik).

Trotz aller Bildungsfortschritte gibt es noch einiges zu tun. Beispiel Kita-Ausbau: Nach wie vor gibt es in Deutschland keine flächendeckende Ganztagsbetreuung für Ein- bis Dreijährige. Aktuell kann gerade mal jedes vierte Kleinkind außerfamiliär betreut werden. Dies bringt nicht nur jene Paare in Bedrängnis, von denen beide arbeiten wollen, sondern vor allem Alleinerziehende.

Dabei ist die frühkindliche Förderung für viele Kinder von Vorteil. Insbesondere der Nachwuchs aus sozial schwächeren Familien kann seine Bildungschancen durch einen zeitigen Kita-Besuch erhöhen. Eine flächendeckende Förderinfrastruktur würde deshalb Wachstums­effekte nach sich ziehen, von denen wiederum die öffentliche Hand selbst profitieren würde.

So hat das IW Köln berechnet, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2050 um mindestens 200 Milliarden Euro höher ausfallen könnte – wenn der Kita-Ausbau komplett umgesetzt und seine positiven Wirkungen auf die Bildung und die Teilhabe am Arbeitsmarkt voll entfalten würde.

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