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Nordmänner sagen Nein

Der Inselstaat im Nordatlantik hat seinen 2009 eingereichten EU-Beitrittsantrag offiziell zurückgezogen. Gegner eines Beitritts fürchten, dass ausländische Fangflotten die Gewässer vor der isländischen Küste leerfischen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Island hat seinen 2009 eingereichten EU-Beitrittsantrag offiziell zurückgezogen.
  • Für 2015 rechnet das isländische Statistikamt mit einem Wachstum von 3,8 Prozent.
  • Fischerei und Fischverarbeitung tragen in Island 10 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei.
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Island ist Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum. Es hat damit weitgehend freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Das spiegelt sich in den Handelsströmen wider: Im Jahr 2013 flossen 74 Prozent der isländischen Exporte in die EU. Aus der Union bezog das Land 47 Prozent seiner Einfuhren.

Die Europäische Union führt aus Island vor allem Aluminium ein, gefolgt von Fischereierzeugnissen. Aluminium lässt sich wegen des güns­tigen Geothermiestroms in Island vergleichsweise billig herstellen.

Es waren jedoch nicht die engen Handelsbeziehungen, die Island 2009 veranlasst haben, einen Antrag auf EU-Mitgliedschaft zu stellen. Vielmehr hoffte die rot-grüne Regierung in Reykjavik damals, dass das Land durch den Beitritt schneller aus seiner Wirtschaftsmisere herauskommt. Denn ein Jahr zuvor hatte der Inselstaat aufgrund der Krise seines Bankensystems vor dem wirtschaftlichen Kollaps gestanden (vgl. iwd 33/2009) – das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte 2009 und 2010 um insgesamt gut 8 Prozent.

Inzwischen hat sich Island mit finanzieller Unterstützung des IWF und einiger europäischer Länder erholt (Grafik).

Für 2015 rechnet das isländische Statistikamt sogar mit einem Wachstum von 3,8 Prozent.

Aufgrund der wirtschaftlichen Genesung und nach einem Regierungswechsel im Jahr 2013 hatte es Island nicht mehr eilig, der EU beizutreten. Im März 2015 zog Außenminister Gunnar Bragi Sveinsson von der liberal-konservativen Koalition den Aufnahmeantrag sogar offiziell zurück.

Der Beitritt war politisch immer umstritten. Gegner befürchten, dass Trawler aus EU-Ländern dann die Gewässer vor der Vulkaninsel leerfischen. Fischerei und Fischverarbeitung tragen in Island immerhin knapp 10 Prozent zur gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung bei. Allerdings verliert der Fischfang an Bedeutung. Während isländische Schiffe 1997 noch 2,2 Millionen Tonnen Fisch aus dem Meer zogen, waren es 2013 nur noch 1,3 Millionen Tonnen. Ein anderer Wirtschaftszweig, der Tourismus, wird dagegen immer wichtiger:

Die Zahl der ausländischen Besucher hat sich zwischen 1997 und 2013 von 200.000 auf 800.000 vervierfacht.

Trotz der guten wirtschaftlichen Entwicklung sind die Folgen der Krise noch nicht gänzlich überwunden. So wurden die 2008 eingeführten Kapitalverkehrskontrollen erst kürzlich gelockert: Die Regierung hat Anfang Juni angekündigt, dass ausländische Gläubiger isländischer Banken ihr Kapital gegen eine Steuer in Höhe von 39 Prozent ausführen können. Ohne diese Steuer, so die Befürchtung der Regierung, könnten die Gläubiger bis zu 3,4 Milliarden Euro abziehen – das entspräche einem Viertel des isländischen BIP.

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