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Noch viel zu tun

Für die Energiewende existiert kein Masterplan, aber es gibt eine Reihe von Zielen, mit denen eine wirtschaftliche, sichere und umweltverträgliche Stromversorgung erreicht werden soll. Das Energiewende-Radar des IW Köln misst die Fortschritte.

Kernaussagen in Kürze:
  • Für die Energiewende existiert kein Masterplan, aber es gibt eine Reihe von Zielen, mit denen eine wirtschaftliche, sichere und umweltverträgliche Stromversorgung erreicht werden soll.
  • Bis 2020 soll die Emission von Treibhausgasen drastisch reduziert werden - bezogen auf die Stromerzeugung ist man davon weit entfernt.
  • Insgesamt erreichen die acht Indikatoren im Energiewende-Radar nur gut 58 von 100 Punkten.
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In der Öffentlichkeit wird zwar erst seit dem Atomausstieg von der Energiewende gesprochen, Deutschlands Weg zu einer umweltverträglicheren Stromversorgung begann jedoch spätestens mit der massiven Förderung erneuerbarer Energien im Jahr 2000. Das Energiewende-Radar des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beobachtet deshalb, wie sich acht verschiedene Indikatoren seither entwickeln, und misst, inwiefern die bis zum Jahr 2020 angestrebten Ziele erreicht werden können. Das Zwischenfazit für 2010/2011 zeigt eher durchwachsene Ergebnisse (Grafik):

Klimaschutz. Bis 2020 soll die Emission von Treibhausgasen dras­tisch reduziert werden. Bezogen auf die Stromerzeugung ist man davon weit entfernt. Bis 2011 wurde – verglichen mit den Werten von 2000 – lediglich ein Abbau von rund 5 Prozent erreicht. Rein rechnerisch müssten es rund 18 Prozent sein.

Die Abweichung ist insbesondere auf den steigenden Stromverbrauch zurückzuführen. Zwar decken erneuerbare Energien mittlerweile etwa ein Fünftel des Bedarfs; den Effekt des Mehrverbrauchs aber kompensieren sie nicht. Hinzu kommt, dass der Ausstieg aus der CO2-freien Kernenergie sich zunächst negativ auf die Emissionen des deutschen Strommix auswirken dürfte. In puncto Klimaschutz weist das IW-Energiewende-Radar daher nur 26 Punkte aus – bei 100 Punkten wäre die Entwicklung im Plan.

Stromverbrauch. Er ist zwischen 2000 und 2011 nicht – wie eigentlich erforderlich – um 2,5 Prozent gesunken, sondern um 5 Prozent gestiegen. Damit wird das von der Bundesregierung formulierte Ziel wohl vollständig verfehlt. Zu Recht wird dieses Ziel als unrealistisch kritisiert. Ohnehin lässt sich mehr Effizienz oder Verzicht beim Stromverbrauch politisch nicht erzwingen. Allerdings könnten die Möglichkeiten zum Stromsparen erweitert und Verbraucher verstärkt darauf aufmerksam gemacht werden. Hier steht das Energiewende-Radar nur auf null.

Zumindest in zwei von acht Bereichen ist Deutschland auf Energiewende-Kurs:

Versorgungssicherheit. Mit 92 von 100 Punkten hat dieser Indikator den höchsten Wert. Langfristig bestehen jedoch Risiken. Vor allem stellt sich die Frage, ob sich fossile Kraftwerke in einem Strommarkt refinanzieren können, der von erneuerbaren Energien dominiert wird. Derzeit sind diese Kraftwerke zum Ausgleich der schwankenden Strommengen aus erneuerbaren Energien noch unverzichtbar. Die Regeln des Strommarktes müssen daher rechtzeitig zukunftsfest gemacht werden.

Ausbau erneuerbarer Energien. Hier erzielte Deutschland 2010 bereits 87 von 100 Punkten.

Unterm Strich ist die Energiewende zu einem erheblichen Teil bislang nur auf dem Papier vollzogen.

Insgesamt erreichen die acht Indikatoren im Energiewende-Radar nur gut 58 von 100 Punkten.

Die Energiewende ist damit nicht etwa schon zu mehr als der Hälfte geschafft. Vielmehr muss deutlich aufgeholt werden, um überhaupt wieder auf Kurs zu kommen.

Hubertus Bardt / Esther ChrischillesEnergiewende-RadarGutachten im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

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