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Noch viel Euro-Skepsis

Ab dem 1. Januar 2015 zahlen die Bürger des südlichsten baltischen Staates in Euro und Cent statt in Litas und Centas. Dass Litauen als 19. Land der Währungsunion beitritt, hat aber auch Folgen für den Rat der Europäischen Zentralbank. Dort finden Abstimmungen künftig nach einem Rotationsverfahren statt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Dass Litauen als 19. Land der Währungsunion beitritt, hat aber auch Folgen für den Rat der Europäischen Zentralbank.
  • Das Haushaltsdefizit 2014 beträgt nur etwas mehr als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Staatsschulden liegen lediglich beirund 41 Prozent des BIP.
  • Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom September 2014 sind 47 Prozent der Litauer für die Euro-Einführung, 49 Prozent jedoch dagegen.
Zur detaillierten Fassung

Der zweite Anlauf war erfolgreich: Nachdem Litauen 2007 den Euro noch nicht einführen durfte, weil die Inflation geringfügig zu hoch war, erfüllt der baltische Staat inzwischen alle Beitrittskriterien. Beispiel Staatsfinanzen (Grafik):

Das Haushaltsdefizit 2014 beträgt nur etwas mehr als 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), die Staatsschulden liegen lediglich bei rund 41 Prozent des BIP.

Damit bleibt Litauen klar unter den im Maastricht-Vertrag verankerten Schwellenwerten von 3 bzw. 60 Prozent. In Sachen Schulden ist Litauen sogar vorbildlich. Denn nur fünf weitere Euroländer erfüllen derzeit das 60-Prozent-Kriterium; im Schnitt der Eurozone beträgt die Verschuldung in diesem Jahr voraussichtlich gut 94 Prozent des BIP.

Der Euro soll helfen, den seit Jahren anhaltenden Aufwärtstrend der litauischen Wirtschaft (vgl. auch iwd 26/2013) zu festigen. So betont Litauens Regierungschef Algirdas Butkevicius, der Beitritt zur Währungsunion sei ein Schritt in Richtung einer größeren wirtschaftlichen, finanziellen und politischen nationalen Sicherheit.

Die litauische Bevölkerung ist aber noch nicht so ganz überzeugt:

Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom September 2014 sind 47 Prozent der Litauer für die Euro-Einführung, 49 Prozent jedoch dagegen.

Allerdings ist die Stimmung im Land inzwischen freundlicher als im April vergangenen Jahres, als lediglich 41 Prozent den Euro befürworteten und 55 Prozent ihn ablehnten.

Die Regierung in Vilnius mag zudem darauf hoffen, dass der Euro weitere Freunde findet, wenn er erst einmal zum Alltag gehört. In Lettland, das der Währungsunion Anfang 2014 beitrat, fanden im Oktober laut Eurobarometer immerhin 55 Prozent das neue Geld gut. In Estland, wo seit 2011 mit Euro bezahlt wird, ist der Anteil der Befürworter seit Oktober 2013 sogar von 58 auf 73 Prozent gestiegen.

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