Geringqualifizierte Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Noch immer eine Problemgruppe

Personen ohne Berufsausbildung gelten zwar nach wie vor als Sorgenkinder des Arbeitsmarktes. Allerdings haben auch Geringqualifizierte vom Arbeitsmarktboom der vergangenen zehn Jahre profitiert.

Kernaussagen in Kürze:
  • Auch Geringqualifizierte haben vom Arbeitsmarktboom der vergangenen zehn Jahre profitiert.
  • Nach wie vor besteht Bedarf an einfacher Arbeit im Hochlohnland Deutschland.
  • Die Rahmenbedingungen für Einfacharbeit sollten verbessert werden.
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Die Chance auf einen Arbeitsplatz und die damit verbundenen Verdienstmöglichkeiten hängen im Allgemeinen eng mit der Qualifikation zusammen: Wer viel kann und über gesuchte Kenntnisse und Fertigkeiten verfügt, der schneidet besser ab als ein Unqualifizierter.

Akademiker waren deshalb von den diversen Arbeitsmarktkrisen der Vergangenheit so gut wie gar nicht betroffen. Ihre Arbeitslosenquote ist seit 1991 nie über 4,1 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenquote der Geringqualifizierten lag dagegen selten unter 20 Prozent.

Hat also einfache Arbeit in einem Hochlohnland wie Deutschland keine Zukunft mehr? Doch, denn die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt, dass nach wie vor Bedarf besteht. So hat sich die Arbeitsmarktlage für Geringqualifizierte zuletzt sogar deutlich verbessert (Grafik):

  • Zum einen hat die Zahl der Erwerbstätigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung seit 2005 nicht weiter abgenommen.
  • Zum anderen ist die Zahl der Arbeitslosen ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung um knapp eine halbe Million gesunken.

Dass sich die Lage entspannt hat, ist auch auf Struktureffekte zurückzuführen. Die eher schlechter qualifizierten Nachkriegsjahrgänge scheiden allmählich aus dem Berufsleben aus – und besser qualifizierte junge Leute rücken nach. Insofern gibt es generell weniger Geringqualifizierte, die arbeitslos werden könnten:

Die Erwerbslosenquote der Geringqualifizierten hat sich zwischen 2005 und 2014 von 19 auf 11 Prozent reduziert. Ihre Erwerbstätigenquote stieg von 51 auf 58 Prozent.

Dass die Geringqualifizierten am Arbeitsmarktaufschwung partizipiert haben, ist auch das Resultat der Arbeitsmarktreformen, die zwischen 2000 und 2005 umgesetzt worden sind und das Prinzip des Forderns und Förderns etabliert haben.

Die positive Entwicklung hat sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Im März 2015 gab es 4,5 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, deren Tätigkeit in der Regel keine Berufsausbildung voraussetzt. Das waren über 300.000 mehr als zwölf Monate zuvor. So entstanden unter anderen rund 60.000 Jobs für Helfer in der Lagerei, 46.000 für Helfer in Maschinenbau- und Betriebstechnikberufen, 27.000 für Reinigungskräfte, 20.000 für Köche oder 16.000 für Helfer in der Metallbearbeitung.

Im Jahr 2015 gab es nur einen Bereich, in dem die Zahl der Geringqualifizierten zurückging: In den Berufen der Fahrzeugtechnik fielen 2.000 Stellen für Hilfskräfte weg.

Die erfreulichen Resultate dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Problem der Arbeitsmarktintegration Geringqualifizierter längst nicht gelöst ist. So stehen den gegenwärtig 1,2 Millionen Arbeitslosen, die nur eine Helfertätigkeit ausüben können oder wollen, lediglich 110.000 gemeldete offene Stellen gegenüber. Deshalb sind die Rahmenbedingungen für Einfacharbeit zu verbessern. So sollte z.B. die Zeitarbeit nicht unnötig reguliert werden.

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