Asylbewerber Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Noch ein Gender Gap

Nur jede dritte Frau, die 2015 in Deutschland einen Asylantrag gestellt hat, war in ihrem Herkunftsland erwerbstätig. Dagegen übten drei Viertel aller Männer einen Beruf aus, wie eine Befragung von Asylbewerbern durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zeigt. Von der durchschnittlichen Erwerbstätigenquote der Asylbewerberinnen gibt es allerdings Abweichungen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die meisten Frauen, die in Deutschland Asyl beantragen, haben zuvor in ihrem Leben nie gearbeitet.
  • Wenn Frauen in ihrer Heimat einen Job hatten, waren sie häufig im Dienstleistungssektor oder als Lehrerin beschäftigt.
  • Vermutlich waren es kulturelle Einflüsse, die dafür gesorgt haben, dass viele Frauen aus muslimischen Ländern dort keinen Beruf ausgeübt haben.
Zur detaillierten Fassung

Nach Herkunftsländern aufgeschlüsselt sieht das Bild vor allem bei weiblichen Flüchtlingen aus dem Iran und den Balkanstaaten deutlich anders aus. Im Iran waren vor der Flucht immerhin mehr als 60 Prozent der Frauen erwerbstätig, in Serbien – dem anderen Extrem – aber nur 16 Prozent.

Über alle Regionen hinweg waren Frauen, wenn sie einen Job hatten, häufig im Dienstleistungssektor oder als Lehrerinnen beschäftigt und Männer als Hilfskräfte oder im Handwerk.

Viele Handwerker

Unabhängig vom Geschlecht finden sich vor allem unter den Syrern sehr viele Handwerker (Grafik). Fast 15 Prozent derjenigen, die vor ihrer Flucht einen Job hatten, waren zum Beispiel als Klempner oder Kfz-Mechaniker tätig. Einen ähnlich hohen Handwerkeranteil erreichen nur die Pakistaner. Ganz aus dem Raster fallen Antragsteller aus Eritrea – jeder dritte verdiente sein Geld zuletzt als Soldat.

Antragsteller aus dem Iran arbeiteten dagegen verhältnismäßig oft in künstlerischen Berufen (6 Prozent) oder als Ingenieur (5 Prozent), ähnliches gilt auch für Syrer (jeweils 4 Prozent).

Akademiker meist als Lehrer tätig

Akademische Asylbewerber aller Herkunftsländer übten vor ihrer Flucht am häufigsten Lehrberufe (18 Prozent), medizinische Tätigkeiten (11 Prozent) oder Ingenieurberufe (10 Prozent) aus. Interessanterweise ist der Erwerbstätigenanteil bei den weiblichen und männlichen Akademikern etwa gleich hoch.

Was kann man für Frauen tun?

Die Frage, wie man die Erwerbsbeteiligung der Frauen hierzulande erhöhen kann, ist nicht so leicht zu beantworten. Grundsätzlich muss man drei Gruppen unterscheiden:

Asylbewerber aus islamischen Ländern. Hier waren es vermutlich überwiegend kulturelle Werte, die dafür gesorgt haben, dass viele Frauen in ihren Heimatländern keinen Beruf ausgeübt haben. Diese Frauen dürften in den meisten Fällen kein Interesse daran haben, in Deutschland eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, da sie auch hier ein sehr traditionelles Rollenbild leben. Das muss man akzeptieren.

Allerdings ist es wichtig, dass diese Frauen soweit Deutsch lernen, dass sie zum Beispiel mit den Lehrern ihrer Kinder kommunizieren können.

Asylbewerberinnen aus dem Iran haben eine Sonderstellung. Im Gegensatz zu den anderen islamischen Ländern verlässt vor allem die liberale Oberschicht das Land – während die einfache Bevölkerung nicht von kriegerischen Auseinandersetzungen betroffen ist. Die akademisch gebildeten Iranerinnen, die nach Deutschland kommen, haben indes eine offenere Einstellung zur Frauenbeschäftigung, was sich schon an der hohen Erwerbsbeteiligung im Heimatland festmachen lässt.

Asylbewerber vom Westbalkan. Bei diesen Menschen handelt es sich überwiegend um Roma, die in ihren Heimatländern häufig ausgegrenzt werden. Sofern diese Frauen längerfristig in Deutschland bleiben, was vor dem Hintergrund verschwindend geringer Anerkennungsquoten extrem selten der Fall sein dürfte, sind für sie spezielle Qualifikationsangebote vielversprechend.

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