Tariflohnentwicklung Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Nichts zu meckern

Die Gewerkschaften haben in den vergangenen Jahren vor allem in der Industrie so hohe Lohnzuwächse durchgesetzt, dass bei den Beschäftigten auch real ein deutliches Plus angekommen ist.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Gewerkschaften haben in den vergangenen Jahren vor allem in der Industrie so hohe Lohnzuwächse durchgesetzt, dass bei den Beschäftigten auch real ein deutliches Plus angekommen ist.
  • Die tatsächlich gezahlten Bruttoverdienste – also die Löhne einschließlich übertariflicher Zulagen – wuchsen fast im Gleichschritt mit den Tarifverdiensten: um 28 Prozent.
  • Im Produzierenden Gewerbe stiegen die Effektivlöhne seit dem Jahr 2000 um 36 Prozent, im Dienstleistungssektor dagegen um 27 Prozent.
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Die deutsche Lohnpolitik steht oft im Kreuzfeuer der Kritik. Erst waren die Tarifabschlüsse für die schwache Binnennachfrage verantwortlich, dann trugen sie die Schuld an den außenwirtschaftlichen Ungleichgewichten in der Eurozone.

Ein Blick auf die Lohnentwicklung zwischen 2000 und 2013 zeigt indes ein differenziertes Bild. Demnach sind die Tariflöhne seit 2000 über alle Branchen im Durchschnitt um 27 Prozent gestiegen (Grafik). Die Tariflohnentwicklung im Vergleich zu den Verbraucherpreisen.

Die tatsächlich gezahlten Bruttoverdienste – also die Löhne einschließlich übertariflicher Zulagen – wuchsen dabei fast im Gleichschritt mit den Tarifverdiensten: um 28 Prozent.

Auch nach Abzug der Preissteigerungen bleibt den Beschäftigten heute mehr in der Tasche als noch im Jahr 2000. Denn die Löhne haben seither um 5 Prozentpunkte stärker zugelegt als die Verbraucherpreise.

Schlüsselt man die Verdienste nach Industrie und Dienstleistungen auf, zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied. Dort, wo die Unternehmen viele Geschäfte mit dem Ausland abwickeln, war die Lohndynamik am größten:

Im Produzierenden Gewerbe stiegen die Effektivlöhne seit dem Jahr 2000 um 36 Prozent, im Dienstleis­tungssektor dagegen um 27 Prozent.

Dieser Vergleich macht einmal mehr deutlich, dass vom vielbeschworenen deutschen Lohndumping keine Rede sein kann. Im Gegenteil: Wer erfolgreich auf internationalen Märkten etabliert ist, kann letztlich auch höhere Löhne zahlen.

Eine Ursache für die unterschiedliche Lohndynamik liegt in der Produktivitätsentwicklung der beiden Sektoren. Im Produzierenden Gewerbe ist das Arbeitsergebnis je Stunde seit 2000 um 20 Prozent gestiegen, im Dienstleistungssektor nur um 10 Prozent. Je höher das Produktivitätswachstum aber ausfällt, desto größer ist der Spielraum für Lohnerhöhungen.

Ein weiterer Grund für die unterschiedliche Entwicklung der Verdienste in den beiden Wirtschafts­bereichen dürfte die jeweilige Präsenz der Gewerkschaften sein:

In der Industrie können die Gewerkschaften aufgrund ihrer Mitgliederstärke – in Großbetrieben wie VW werden Organisationsgrade bis zu 97 Prozent erreicht – Forderungen besser durchsetzen. Zumal die Betriebe durch die dichte Vernetzung anfällig gegenüber arbeitskampfbedingten Produktionsausfällen sind.

Im Dienstleistungssektor sind die Gewerkschaften weniger gut aufgestellt, in den eher kleinen Betrieben meistens gar nicht vertreten. Im Handel oder in der Gastronomie fallen die Gehaltsanpassungen entsprechend mager aus. Allein im Verkehrs- und Nachrichtensektor mit stärkeren Gewerkschaften finden sich ähnlich hohe Lohnsteigerungen wie in der Industrie.

Maßvolle Abschlüsse haben aber ihr Gutes. Die deutsche Lohnpolitik hat in den vergangenen 15 Jahren zusammen mit den Arbeitsmarkt­reformen zu einem markanten Beschäftigungsaufbau beigetragen. Und dieser hat den privaten Konsum zuletzt belebt und das Wirtschaftswachstum angeschoben.

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