Materialeffizienz Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Nicht jeder will gut beraten sein

Ob Eisen oder Holz, Seltene Erden oder Getreide – Rohstoffe werden immer teurer und die Beschaffung ist auch nicht immer gesichert. Der nachhaltige Umgang mit Rohstoffen ist daher insbesondere in Unternehmen mit hohen Materialkosten ein Muss. Der Staat versucht, die Firmen dabei zu unterstützen – doch nicht alle sind dafür offen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Ob Eisen oder Holz, Seltene Erden oder Getreide – Rohstoffe werden immer teurer und die Beschaffung ist auch nicht immer gesichert.
  • Im Produzierenden Gewerbe machen die Materialkosten schon mehr als 40 Prozent aller Kosten aus.
  • Der Staat bietet Informationen zu Materialverbrauch und Einsparmöglichkeiten, öffentlich geförderte Beratungen durch Experten vor Ort oder auch günstige Finanzierungen.
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Deutschland ist ein relativ rohstoffarmes Land und muss daher viele Ressourcen importieren. Dabei geht es nicht mehr nur um fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, sondern auch um Eisen, Kupfer, Lithium oder die Seltenen Erden, die in der Mikroelektronik verwendet werden. Einige Metalle und Mineralien werden nur in wenigen Ländern gefördert, die so hohe Preise verlangen können. Im Produzierenden Gewerbe zum Beispiel machen die Materialkosten schon mehr als 40 Prozent aller Kosten aus. Entsprechend hoch ist das Einsparpotenzial: Je nach Branche schätzen Experten es auf bis zu 20 Prozent.

Zu den hohen Materialkosten kommt die Belastung der Umwelt, denn durch die Förderung von Rohstoffen greift der Mensch oftmals stark in die Natur ein. Die Bundesregierung hat deshalb bereits im Jahr 2002 eine Nachhaltigkeitsstrategie erarbeitet. Diese sieht vor, die Ressourcenproduktivität in deutschen Unternehmen bis 2020 im Vergleich zu 1994 zu verdoppeln. Gemessen daran ist allerdings erst etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt. Wirtschaft und Politik sind also gleichermaßen an einem effizienten Einsatz von Rohstoffen interessiert.

Materialeffizient produzieren und arbeiten können Unternehmen auf drei Arten:

  • Rohstoffeinsatz reduzieren. Ähnlich wie die schwäbische Hausfrau in der Küche versuchen die Unternehmen, Ausschuss und Reste in der Produktion so gering wie möglich zu halten. In der Metallverarbeitung lässt sich beispielsweise durch präziser arbeitende Werkzeuge der Verschnitt verringern.
  • Materialien recyceln und wiederverwenden. Firmen verwenden Materialien mehrfach oder auf verschiedenen Wertschöpfungsebenen, was bei steigenden Materialpreisen und höheren Entsorgungskosten für Abfall wirtschaftlich sinnvoll ist. Gießereien beispielsweise reinigen den Sand für ihre Gießformen selbst und setzen ihn erneut ein – oder ausrangierte Möbel werden zu Spanplatten für die Bauindustrie weiterverarbeitet. Wenn diese Bauspanplatten ausgedient haben, werden sie recycelt oder in Kraftwerken genutzt, um Strom oder Wärme zu erzeugen.
  • Alternative Materialien verwenden. Oft ist es auch möglich, ein teures, knappes oder nicht umweltverträgliches Material durch eines mit ähnlichen oder besseren Eigenschaften zu ersetzen. Beispielsweise gibt es mittlerweile erste Fahrräder, die nicht aus Stahl oder Aluminium bestehen, sondern aus Pappe.

Allerdings erkennen Unternehmen nicht immer alle Möglichkeiten der Materialeffizienz, meist fehlen ihnen die nötigen Informationen oder ein Blick von außen auf ihre Prozesse. Zum Teil scheuen sie neben den Preis- und Währungsrisiken beim Materialeinkauf aber auch die nötigen Investitionen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat im Rahmen des IW-Zukunftspanels im Herbst 2012 knapp 1.800 Unternehmen zu ihren Schwierigkeiten bei der Steigerung der Materialeffizienz und zu ihren Erfahrungen bei Beratungen und Unterstützungsangeboten befragt.

Die größten Probleme bei der Verbesserung ihrer Materialeffizienz haben die Unternehmen mit den Finanzen und der Organisation (Grafik). Dabei fällt auf, dass die meisten Firmen ihre Probleme lieber ohne Hilfe lösen wollen – ein Grund ist, dass sie ihre Betriebsabläufe nicht offenlegen möchten.

Die Politik unterstützt die Unternehmen ohnehin auf einer für sie freiwilligen Basis:

Der Staat bietet Informationen zu Materialverbrauch und Einsparmöglichkeiten, öffentlich geförderte Beratungen durch Experten vor Ort oder auch günstige Finanzierungen.

Doch finden die Firmen diese Angebote hilfreich und akzeptieren sie? Die Zahlen der IW-Befragung sind nicht allzu ermutigend: Nur gut jedes dritte Unternehmen, für das Materialeffizienz überhaupt ein Thema ist, schätzt die staatlichen Informationen als hilfreich ein. Auch mit den Beratungs- und Kreditangeboten können sich gerade einmal knapp 30 Prozent der Firmen anfreunden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Unternehmen des Produzierenden Gewerbes oder des Dienstleistungsbereichs handelt.

Generell kommen die staatlichen Informations- und Beratungsangebote bei den Firmen, die sich bisher nicht beraten lassen, umso weniger an, je geringer deren Umsatz ist: Während von den Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Umsatz gut die Hälfte für eine Beratung offen ist, kann sich von den Firmen mit unter 1 Million Euro Umsatz nicht einmal ein Drittel dafür erwärmen (Grafik).

Dabei sind kostenlose Informationen beliebter als Beratungsangebote – was nicht verwundert, da jedes zweite befragte Unternehmen sich keinen Berater ins Haus holen möchte. Große Firmen schätzen Beratungen dagegen sehr und verpflichten Experten sogar auf eigene Kosten, wenn sie sich davon Verbesserungen versprechen. Kleinen Unternehmen fehlen oft Geld und Informationen – gerade für sie sind die Unterstützungsangebote gemacht.

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