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Nicht jeder schafft es bis zum Abschluss

Mehr als jeder vierte Student bricht sein Bachelorstudium ab. Besonders häufig scheitern Studenten der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Besser sind die Quoten in den Masterstudiengängen: Hier gibt an den Universitäten nur jeder Zehnte auf.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mehr als jeder vierte Student bricht sein Bachelorstudium ab.
  • In fast allen Fächergruppen ist die Abbrecherquote an Fachhochschulen geringer als an Universitäten.
  • Wer sich für ein Masterstudium entschieden hat, schließt dieses in den meisten Fällen auch erfolgreich ab.
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Seit 2006 wird die Abbrecherquote in den Bachelorstudiengängen an deutschen Hochschulen gemessen (Kasten). In dieser Zeit ist die Quote um 2 Prozentpunkte auf 28 Prozent im Jahr 2012 zurückgegangen.

  • Bachelor. Dass die Abbrecherquote bei den Bachelorstudenten leicht rückläufig ist, liegt besonders an den Entwicklungen an den FHs:

An den Fachhochschulen ist die Abbrecherquote der Bachelor­studenten von 39 Prozent im Jahr 2006 auf nun 23 Prozent gesunken. An den Universitäten ist sie dagegen im gleichen Zeitraum um 8 Prozent gestiegen.

Die wenigsten Studienabbrecher beklagen – sowohl an den Universitäten als auch an den Fachhochschulen – die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (Grafik).

In den Ingenieurwissenschaften zeigen neuerdings mehr Studenten Durchhaltevermögen, die Abbrecherzahlen sind aber weiterhin recht hoch. Brachen 2010 noch fast 50 Prozent dieser Studenten ihr Universitätsstudium ab, waren es 2012 lediglich 36 Prozent. Nur bei den Bauingenieuren gibt weiterhin jeder zweite während des Studiums auf.

In fast allen Fächergruppen ist die Abbrecherquote an Fachhochschulen geringer als an Universitäten.

Dennoch schaffen auch an den FHs 31 Prozent der Ingenieure keinen Abschluss.

  1. Staatsexamen. Wer dagegen ein Staatsexamen anstrebt, erreicht fast immer einen Abschluss: Lediglich 13 Prozent verlassen die Hochschulen vorzeitig. Ein Grund dafür: Diese Studenten haben meist ein klares Berufsbild vor Augen und identifizieren sich somit stärker mit ihrem Studienfach.
  • Master. Erstmals hat das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) für 2012 auch die Abbrecherquoten im Masterstudium erfasst:

Wer sich für ein Masterstudium entschieden hat, schließt dieses in den meisten Fällen auch erfolgreich ab – nur 11 Prozent der Studenten an den Unis und 7 Prozent an den FHs werfen vorzeitig hin.

Vor allem in den MINT-Fächern ist die Quote deutlich geringer als in den Bachelorstudiengängen. Lediglich 5 Prozent der Masterstudenten in Mathematik und Naturwissenschaften brachen ihr Studium ab.

Wie aus einer Untersuchung der OECD hervorgeht, liegt Deutschland im internationalen Vergleich der Studienabbrecherquoten im unteren Mittelfeld (Grafik).

Die niedrigen Quoten in Japan und der Türkei sind auf hohe Eingangshürden zu den Studiengängen zurückzuführen – ähnlich wie in Deutschland etwa für das Medizinstudium. Wer hier Arzt werden will, benötigt ein sehr gutes Abitur.

Um die Abbrecherquote an deutschen Hochschulen weiter zu verringern, sollten die Beratung angehender Studenten und die Fachdidaktik innerhalb der Studiengänge verbessert werden. Die Bundes­bildungsministerin will zukünftig außerdem kleine und mittlere Unter­nehmen darin unterstützen, mehr Studienabbrechern eine Berufsausbildung zu ermöglichen.

Das DZHW arbeitet derzeit an einer umfangreichen Analyse zu den Gründen, warum Studenten ihr Studium abbrechen. Die Ergebnisse werden voraussichtlich Ende 2015 veröffentlicht. Bisherige Unter­suchungen haben vor allem Leistungs- und Finanzierungsprobleme sowie mangelnde Motivation als Hauptmotive ausgemacht.

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