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Nicht alle können so, wie sie wollen

Das Geldvermögen der Deutschen steigt und steigt. Im Durchschnitt legten die Bundesbürger im Jahr 2011 fast 680 Euro zusätzlich in kurzfristigen Sparformen an. Quer durch die Republik gibt es jedoch große Unterschiede beim Sparaufkommen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Das Geldvermögen der Deutschen steigt und steigt: Im Durchschnitt legten die Bundesbürger im Jahr 2011 fast 680 Euro zusätzlich in kurzfristigen Sparformen an.
  • In Hessen hatten die Bundesbürger im Jahr 2011 durchschnittlich 34.600 Euro in klassischen Sparprodukten angelegt – rund dreimal so viel wie die Sparer in Ostdeutschland.
  • Die Abgeltungssteuer auf Zinsen und Veräußerungsgewinne spülte Bund, Ländern und Gemeinden 2011 rund 8 Milliarden Euro in die Kassen.
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Rund 4.700.000.000.000 Euro – so viel privates Geldvermögen besaßen die Deutschen am Ende des Jahres 2011. Davon bunkerte laut Postbank jeder Bundesbürger im Schnitt 19.000 Euro in kurzfristigen Sparanlagen, also auf Giro-, Spar-, Tagesgeld- und Festgeldkonten. Allerdings variiert das Sparguthaben stark von Bundesland zu Bundesland (Grafik):

Sparmeister sind die Hessen. Sie hatten im Jahr 2011 durchschnittlich 34.600 Euro in klassischen Sparprodukten angelegt – rund dreimal so viel wie die Sparer in Ostdeutschland.

Möglicherweise ist das hessische Ergebnis statistisch verzerrt – denn Frankfurt ist die deutsche Bankenmetropole und das dort angelegte Geld wird Hessen zugeschlagen, obwohl es zum Teil aus anderen Regionen der Republik stammt. In den Banken und um sie herum wird aber auch gut verdient – und viel gespart.

Auch wenn das Gefälle zwischen den 16 Ländern groß ist, so ist das Pro-Kopf-Guthaben von 2010 bis 2011 doch überall gestiegen – selbst in Bremen, wo das Geldvermögen in den beiden Vorjahren noch geschrumpft war. Als besonders eifrige Sparer erwiesen sich zuletzt die Berliner: Sie zwackten 2011 pro Kopf 2.380 Euro für die spätere Verwendung ab – das ist dreieinhalbmal so viel wie im Bundesdurchschnitt.

Insgesamt legten 2012 fast drei Viertel der Bundesbürger einen Teil ihres Geldes auf die hohe Kante – allerdings unterschiedlich häufig:

Fast 37 Prozent der Bundesbürger sparen jeden Monat einen bestimmten Betrag. Weitere 21 Prozent legen ab und zu etwas beiseite – etwa einen Teil des Weihnachtsgelds oder der Steuer­rückzahlung. Und knapp 15 Prozent der Deutschen füttern das Sparkonto regelmäßig mehrmals pro Jahr.

Die schlechte Nachricht: Rund jeder vierte Deutsche konnte 2012 laut einer Postbank-Befragung keinen einzigen Cent zurücklegen; 2010 und 2011 waren es nur 16 bzw. 17 Prozent der Bevölkerung.

Die Sparfähigkeit ist generell rückläufig: Im Jahr 2011 gaben in Westdeutschland 80 Prozent der Befragten an, sie hätten etwas in den Sparstrumpf gesteckt – ein Jahr später waren es nur noch 73 Prozent. Im Osten sank der Anteil der Sparer sogar von 87 auf 72 Prozent.

Damit bleibt die Sparfähigkeit weit hinter dem Sparwillen zurück. Denn laut Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) haben die Deutschen ein Sparziel von durchschnittlich rund 230 Euro im Monat. Im Jahr kämen so knapp 2.800 Euro für jeden Bürger zusammen – ein Wert, der 2011 zumindest in puncto kurzfristiger Geldanlage aber in keinem Bundesland erreicht wurde.

Doch es gibt eben nicht nur die klassischen Sparformen. Zwar hatten die privaten Haushalte Ende 2011 mit 1,9 Billionen Euro das meiste Geld als Bar-, Spar-, Sicht- oder Termineinlage angelegt. Dahinter kamen mit 1,4 Billio­nen Euro jedoch Geldanlagen bei Versicherungen, gefolgt von 395 Milliarden Euro in Investmentfonds, 247 Milliarden Euro in festverzinslichen Wertpapieren, 222 Milliarden Euro in Aktien und 492 Milliarden Euro in sonstigen Geldanlagen.

Wer Geld anlegt, möchte sein Vermögen auch mehren. Das ist mit den klassischen Sparformen bei den derzeit extrem niedrigen Zinsen sehr schwierig. Zudem müssen die Anleger einen Teil ihres Zugewinns über die 25-prozentige Abgeltungssteuer an den Staat abführen (Grafik):

Die Abgeltungssteuer auf Zinsen und Veräußerungsgewinne spülte Bund, Ländern und Gemeinden 2011 rund 8 Milliarden Euro in die Kassen.

Das ist zwar ein schöner Batzen Geld, trotzdem dürften die Finanzminister von Bund und Ländern sowie die Kämmerer der Gemeinden nicht zufrieden sein. Im Jahr 2009, also bevor die Zinsen wegen der Finanzkrise auf historisch niedrige Niveaus sanken, hatten die Einnahmen aus der Abgeltungssteuer noch nahezu 12,5 Milliarden Euro betragen – ein Minus von fast 35 Prozent.

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